„Adiós“ nach 14 Jahren – Busfahrer geht und erzählt Anekdoten

Er sah Legenden und Stars kommen und gehen, steuerte unzählige Male den Cibeles-Brunnen zu Titelfeiern an und fuhr einst sogar bis nach Glasgow, um den neunten Champions-League-Titel einzuheimsen. Jetzt gibt Fernando Manso den Schlüssel des Real-Madrid-Busses weiter und tritt in den Ruhestand. Zum Abschied nach 14 emotionalen Jahren berichtet der Führer des königlichen Gefährts von seinen schönsten Momenten bei den Blancos.

Autobus Real Madrid

Mit Fernando Manso kamen die Real-Stars stets sicher ans Ziel

MADRID. Auch die treuesten müssen irgendwann einmal gehen: Fernando Manso, seit Januar 2000 der zuverlässige Busfahrer bei Real Madrid, sagt „adiós“. Zu Feiern von zwei Champions-League-Siegen, fünf Meisterschaften, einer Copa del Rey, einem Weltpokal und vier spanischen sowie einem europäischen Supercup fuhr er das Team einst an den denkwürdigen Cibeles-Brunnen. Aber auch zu unzähligen Auswärtsspielen inner- und außerhalb der iberischen Halbinsel. Mit dem Anbruch des neuen Jahres wird ein anderer die Stars und Sternchen herumkutschieren. Manso hat seinen Dienst erfüllt – und Personen gesehen und Momente erlebt, von denen jeder Madridista träumt. In der Sportzeitung MARCA gibt er seine amüsantesten Geschichten preis. Kurioserweise zählt die Party nach dem Copa-Sieg 2011, an der Sergio Ramos den Pokal vom Bus fallen ließ, nicht zu seinen besten Anekdoten.

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Fernando Manso über…

…Probleme mit einem Polizisten, der sich als „Anti-Madridista“ entpuppte: „Vicente Del Bosque war der Trainer und wir befanden uns auf dem Weg zum Flughafen. Die Mannschaft musste zu einem Champions-League-Spiel reisen, wir waren aber spät dran und dazu störte uns der Straßenverkehr. Um Zeit einzusparen, fuhr ich also über eine Zufahrtsstraße, was einem Polizisten aber nicht zu gefallen schien. Er stoppte uns und fragte mich nach meinen Papieren. Ich sagte zu ihm, dass ich sie ihm geben werde, nachdem ich die Mannschaft zum Flughafen gebracht habe. Aber er gab nicht nach. Del Bosque, Toni Grande (Co-Trainer) und sogar noch (Luís) Figo und (Fernando) Hierro diskutierten mit und baten ihn darum, uns weiterfahren zu lassen. Keine Chance. ‚Dieser Typ ist doch ein Atlético-Fan‘, scherzten die Spieler im Bus. Er ließ uns erst weiterfahren, nachdem er uns die Ordnungsstrafe aufgebrummt hatte.“

…den „Angsthasen“ Del Bosque: „Ich erinnere mich an einen Sturm, der es unmöglich machte, mit dem Flugzeug aus Santander nach Madrid zurückzureisen. So mussten wir mit dem Bus nach Hause. Es regnete aus Eimern. Ich weiß noch genau, was Del Bosque damals sagte: ‚Fernandochen, mein Sohn, bitte nicht schnell‘. Er war das Gegenteil von Grande, der immer scherzte und zu mir meinte: ‚Beachte Vicente nicht, drück‘ aufs Gaspedal!‘“

…11.000 Kilometer nach Glasgow und zurück: „Acht Jahre lang fuhr ich den Bus durch ganz Europa, ausgenommen für Spiele in Moskau. Die längste Fahrt war die nach Glasgow im Jahre 2002, zum Champions-League-Finale. Hin und zurück waren es 11.000 Kilometer. Ich erinnere mich daran, dass ich erst zwei Tage nach dem Team, das mit dem Flieger zurückreiste, in Madrid ankam. Ich fuhr dann direkt zum Cibeles, wo uns die Leute zujubelten und die Autos hupten.“

…eine Umarmung von Manuel Pellegrini: „Es war sein erstes Spiel gegen seinen Ex-Klub im Bernabéu. Ich sah seinen Assistenten, rannte zu ihm und richtete liebe Grüße und meine besten Wünsche an Pellegrini aus. Fünf Minuten später kam Pellegrini extra aus dem Stadion an den Busplatz, um mich zu umarmen. Danach ging er zurück. Er ist eine wunderbare Person.“

…eine Auseinandersetzung mit José Mourinho: „In seiner ersten Saison hatte Mou Streit mit Manolo Preciado (der vor eineinhalb Jahren verstobene Trainer von Sporting Gijón). Der Trip nach Gijón war voller Unruhen und auch nach dem Spiel gab es Probleme. Mous Assistent hatte eine Konfrontation mit Preciado. Im Anschluss an die Partie traf ich Preciado kurz und schüttelte seine Hand, weil ich ihn schon lange kannte. Einen Augenblick später kam Mou zu mir und schrie mich an: ‚Das war es für dich, du hast meinen Feind umarmt!‘ Ich dachte wirklich, dass es meine letzte Fahrt sein würde. Aber Mou versteckt hinter seinem impulsiven Charakter ein großes Herz. Nachdem wir wieder in Madrid angekommen waren, entschuldigte er sich bei mir und umarmte mich. Danach zog er eine kleine Skulptur der Mutter Gottes aus seiner Manteltasche und schenkte sie mir. Er sagte: Behalte sie, sie wird dir Glück bringen!‘ Auch als er Madrid verließ, kam er noch einmal zu mir und umarmte mich.“

Fernando Manso

„Eine Ehre, diesen Bus gefahren zu haben“, sagt Manso

…„moderne“ Musik: „Anfangs war ich für die Musik zuständig. Wir hörten immer KISS.FM und einmal nahm ich auch eine CD mit, die mir eine gute Freundin schenkte. Aber nach und nach waren die Spieler immer mehr in die Musikauswahl involviert und bestimmten irgendwann, dass ich ihre moderne Musik spiele. Die Trainer sagten nie etwas zu. Obwohl, Mourinho gelegentlich schon. Wenn die Mannschaft verlor oder eine schlechte Leistung zeigte, verbat er das Spielen von Musik. Er meinte dann immer, es gebe keinen Grund zum Feiern.“

…ahnungslose Jugendspieler: „Die Spieler saßen immer auf den gleichen Plätzen. Jeder hatte seinen Platz. Manche setzten sich aber dort hin, wo etwas frei war. Vor allem die Canteranos, die neu zum Team kamen, wussten nichts von dieser Regelung. Ich weiß nicht mehr wer es war, aber einer saß einmal auf dem Platz von Raúl. Ein anderer Spieler riet ihm lachend: ‚Geh von diesem Platz weg oder du bekommst ein Problem‘. Der Junge ging sofort von dem Sitz. Als Diego López Anfang 2013 zurückkehrte, war er über diese Sitzordnung noch informiert. Er fragte mich höflich: ‚Wo ist ein Platz frei, Fernando?‘ Er ist ein wunderbarer Junge, ernst und verantwortungsvoll. Eine großartige Person! “

…Sonnenblumenkerne für Victoria Beckham: „David gab mir und einem Arbeitskollegen vor Spielen den Auftrag, Taschen voller Sonnenblumenkerne zu kaufen. Er sagte uns, dass Victoria sie gerne esse. So kauften wir ihm die Sonnenblumenkerne, doch er gab uns das Geld nie zurück. Natürlich sagten wir nichts. Eines Tages fand ich einen Fünf-Euro-Schein auf seinem Sitz. Ich machte ihn darauf aufmerksam. Er nahm den Schein, bedankte sich und ging.“ 

…Brieftaschen, Armbänder und Drenthes Ohrring: „Immer blieb nach jedem Trip auf, neben oder unter den Sitzen etwas liegen. Brieftaschen, Armbänder, Handys. Einmal fand ich einen Ohrring von (Royston) Drenthe. Es musste ein sehr wertvoller Ohrring gewesen sein, weil Drenthe überall nach ihm gesucht hat. (Iván) Helguera und (Albert) Celades waren aber die vergesslichsten Spieler. Sie haben oft Sachen verloren.“

…gefährliche Reisen: „Am meisten Angst bereitete mir eine Fahrt zu einem Spiel gegen Deportivo La Coruña. Auf dem Weg zum Stadion wurde unser Bus mit Steinen beworfen. Ich weiß noch, dass sich viele Spieler in den Gang setzten, weil vier Fenster zu Bruch gingen. Dann versuchten gegnerische Fans ein anderes Mal, unseren Bus in Flammen zu setzen. Sie feuerten Steine und Leuchtgeschosse auf den Bus. In Sevilla wurde eine Billardkugel geworfen. Sie sollte Beckham treffen, erwischte aber mich.“

…die Stille vor dem Dortmund-Rückspiel: „Ich werde niemals die Ankunft des Busses am Bernabéu vor dem Rückspiel im Champions-League-Halbfinale gegen Borussia Dortmund vergessen. Die Menschenmasse auf der Straße war gewaltig. Von der Castellana ins Stadion dauert es normalerweise fünf Minuten, an diesem Abend benötigten wir 20. Die Fans ließen uns nicht weiter. Sie jubelten den Spielern zu, animierten sie. Die Mannschaft bat mich darum, die Musik leise zu drehen, um die Fans zu hören. Die Stille im Bus löste bei mir Gänsehaut aus. Es war eine Vergötterung. Ich hörte Mou sagen: ‚So etwas habe ich noch nie erlebt!‘ Er war wie jeder von uns in Staunen versetzt.“

…den wahren Cristiano Ronaldo: „Ich wünsche mir, dass diejenigen, die ihn kritisieren, ihn richtig kennen lernen. Sie würden ihre Meinung schnell ändern. Er verdient all die Kritik nicht. Er ist eine großartige Person, ein außergewöhnlicher Mann. Einer, der einen positiven Eindruck hinterlässt. Es war mir eine Ehre, einen Bus zu fahren, in dem so tolle Spieler, aber vor allem tolle Menschen saßen.“

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28.12.2013, 13:58
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