Bewegende Geschichte: Wie Real United wieder aufhalf

Real Madrid und Manchester United. Im Super-Cup-Finale (Dienstag, 20:45 Uhr) mal wieder Gegner, dabei sind die beiden Fußballgiganten Freunde für die Ewigkeit. Denn nachdem beim „Munich Air Disaster“ am 6. Februar 1958 20 Menschen, darunter acht Spieler Uniteds, ihr Leben verloren, halfen die Königlichen den Briten wieder auf. REAL TOTAL erzählt, wie die beiden Rekordmeister ihrer Länder in ihrer jeweils hellsten und schwärzesten Stunde eine gemeinsame Geschichte verbindet – für immer.

A Real Madrid supporter poses holding a scarf ahead of the UEFA Champions League round of 16 second leg football match between Manchester United and Real Madrid at Old Trafford in Manchester, north west England, on March 5, 2013. AFP PHOTO / PAUL ELLIS (Photo credit should read PAUL ELLIS/AFP/Getty Images) Vergrößern

Real Madrid und Manchester United verbindet mehr als nur sportliche Rivalität – Foto: Paul Ellis/AFP/Getty Images

Die Geschichte, die die zwei größten Vereine der Welt verbindet

MANCHESTER. Manchester United und Real Madrid. 20 Meisterschaften hier, 33 da – Rekordmeister! Schon immer Rivalen. Für immer Freunde. Denn ein Ereignis vor 59 Jahren hat die zwei größten Vereine der Welt auf alle Zeiten miteinander verbunden. REAL TOTAL erzählt, wie die Königlichsten in einer ihrer hellsten Stunden den Engländern in ihrer dunkelsten nicht nur wieder aufhalfen, sondern sie sogar an die Spitze Europas führten. Und vorbei ziehen ließen.

Die Tragödie am 6. Februar 1958

An einem verschneiten Freitag im Februar 1958 überwand United gerade Roter Stern Belgrad im Viertelfinal-Rückspiel des Europapokals der Landesmeister und legte siegesfroh einen geplanten Tankstopp am damaligen Münchner Flughafen München-Riem ein. Dort geschah dann die Katastrophe: Im dritten Startversuch raste eine Propellermaschine der Fluggesellschaft British European Airlines über die verschneite Startbahn gegen Bäume und zerschellte schlussendlich mit einer heftigen Explosion an einem Haus. Bei diesem Unglück kamen 23 Menschen ums Leben, darunter acht Spieler von Manchester United. Die Hoffnungen, die ganz England in die „Busby Babes“ – so wurde die damalige Truppe hochkarätiger Jungspunde nach ihrem Trainer Sir Alexander Matt Busby benannt – starben mit ihnen. Der zuvor zweimalige britische Meister stand vor dem Aus, brachte die laufende Spielzeit aber noch mit Ersatz- und Jugendspielern auf Platz neun zu Ende, schlug sich durch. Von seiner zweimonatigen Behandlung erholt, übernahm Busby zur Saison 1958/59 wieder das Amt des Cheftrainers – er sollte mit 1.120 Trainer-Einsätzen für die „Red Devils“ nur von Sir Alex Ferguson übertrumpft werden. Die zweite Generation der „Busby Babes“ begann – doch trotz Akteuren wie George Best und Sir Bobby Charlton, einem der Überlebenden des Unglücks, lag der Verein am Boden.

MANCHESTER, UNITED KINGDOM - FEBRUARY 06: A bouquet of flowers lays next to a memorial stone to 'Busby Babe' Duncan Edwards, one of the victims of the the Munich disaster, as manchester United fans take part in a minutes silence on February 6, 2008, Manchester, England. The club will be holding memorial events later to remember the 23 people who died in an airplane crash at Munich Airport 50 years ago. Eight Manchester United players were among the dead. (Photo by Christopher Furlong/Getty Images) Vergrößern

Ein Gedenkstein vor dem Old Trafford erinnert an Uniteds größte Katastrophe – Foto: Christopher Furlong/Getty Images

Manchester am Boden, Madrid im Himmel

In diesem Zeitraum befand sich Real Madrid in seiner erfolgsreichsten Ära: Unter Santiago Bernabéu Yeste im Präsidentenamt sowie Alfredo Di Stéfano und Ferenc Puskás im Sturm schaffte man es von 1953 bis 1964 auf acht spanische Meisterschaften. Noch bedeutender: Nach der Gründung des Europapokals der Landesmeister zur Saison 1955/56 gewann das „weiße Ballett“ nicht nur seinen Namen, sondern auch die ersten fünf dieser Titel: 1956, 1957, 1958, 1959 und 1960.

Nicht viele Mannschaften konnten sich mit der spanischen Über-Mannschaft messen. Eine tat es und beeindruckte Vereins-Ikone Bernabéu umso mehr: Das Hinspiel im Halbfinale des Europapokals gewann Real Madrid daheim im April 1957 souverän mit 5:3, doch im Rückspiel kämpfte sich der vorher noch unterlegene englische Meister zu einem 2:2. Der Name dieser Mannschaft: Manchester United. Von dem Kampfgeist und der Qualität dieser jungen Gipfelstürmer und ihres schottischen Übungsleiters beeindruckt, bot Señor Bernabéu Matt Busby sogar eine Anstellung in Madrid an. Dieser lehnte ab. Zehn Monate später dann die als „Munich Air Disaster“ in die Geschichte eingegangene Katastrophe. Der Traum, die spanische Vorherrschaft auf europäischer Bühne zu beenden, war geplatzt. Im noch anstehenden und jüngst erreichten Halbfinale scheiterten die Briten „natürlich“ am AC Mailand, welcher sich im Finale 1957 „natürlich“ Real Madrid geschlagen geben musste (3:2 n. V.). Santiago Bernabéu, der dem Verein sein Leben widmete, widmete diesen dritten Europapokal-Sieg wiederum seinen englischen Freunden. Der Spanier bot dem Premier-League-Klub sogar den frisch erworbenen (und „erst“ zum dritten Mal in Folge gewonnenen) Pokal an – die Briten lehnten dankend ab.

Unterbringungen, Testspiele, Banketts

Eine rein symbolische Offerte, die durch noch wertvollere ergänzt wurde. Santiago Bernabéu bot Matt Busby und Manchester United keinen geringeren als Alfrédo Di Stefano für ein einjähriges Leihgeschäft an – das beste Pferd im eigenen Stall! Der Argentinier wäre bereit gewesen, für die Spielzeit 1958/59 nach England zu wechseln. Die FA, Englands führender Fußballverband, brachte den Wunder-Deal zum Platzen – der „blonde Pfeil“ würde nur einen Platz für britische Talente versperren. Also halfen Real und sein legendärer Präsident auf andere Weise: Ein Wimpel mit den Namen der Toten des Flugzeugunglücks („Champions of Honour“ genannt) wurde produziert und in Spanien verkauft, um Geld für den sportlich wie finanziell mehr als angeschlagenen britischen Dino aufzubringen. Den Verletzten und Angehörigen boten die Königlichen an, sich in den eigenen damaligen (für europäischen Standard) luxuriösen Einrichtungen zu erholen – umsonst versteht sich. Das war noch nicht alles: Zu mehreren Freundschaftsspielen sollen bereits über 60.000 Menschen ins 1910 gegründete Old Trafford gekommen sein, um die spanische Übermannschaft live zu erleben. Normalerweise verlangte Real Madrid (damals) umgerechnet 14.000 Euro für solche Auftritte. „Zahlt, was ihr euch leisten könnt“, soll Präsident Bernabéu gesagt haben. Die Mittel halfen – United fing sich auf, Trainer-Legende Busby konnte sich ein völlig neues Team aufbauen und namhafte Verpflichtungen tätigen. Der Traum von Europas Spitze blieb bestehen, die Spieler nährten sich an den herausfordernden Duellen mit Europas Champions um Di Stéfano, Santamaría, Puskas, Gento und Co. Nach dem zweiten Freundschaftsspiel im Jahr 1959 veranstaltete Real Madrid ein Spenden-Bankett für die Hinterbliebenen und bei seiner Rede sagte Bernabéu: „Busby ist nicht nur der mutigste, sondern auch der großartigste Mann, dem ich im Fußball je begegnete.“

Real half United auf, und wurde 1968 im Europapokal besiegt

Oktober 1960: United hatte die beiden Spielzeiten 1958/59 sowie 1959/60, auf einem überraschenden zweiten sowie dem siebten Platz abgeschlossen. Es folgte das dritte Freundschaftsspiel binnen kurzer Zeit. Madrids Silerbesteck – Di Stéfano und Puskas – schien verletzt auszufallen. Auf Bernabéus Frage, ob er die Partie lieber verschieben wolle, beharrte Busby: „Madrid ist wie eine Familie“ – der Argentinier und der Ungar waren beeindruckt. Und sie spielten. 3:2. Nach 6:1 und 6:5 das bis dahin knappste Ergebnis – United wurde spürbar besser. Im Dezember 1961 war es dann geschafft: Die „Red Devils“ besiegten die Merengues mit 3:1 im vierten sowie 1962 mit 2:0 im fünften Freundschaftskick. Es war die Saison, da Manchester United den ersten Titel nach der Katastrophe vom 6. Februar 1958 gewinnen sollte – den ältesten Fußball-Wettbewerb der Welt, den FA Cup. Busby hatte es geschafft! Doch selbst die Meisterschaftserfolge von 1965 und 1967 sollten das Ereignis aus dem Jahr 1968 nicht übertreffen: Im Halbfinale schlugen die neuen „Busby Babes“ den großen Freund Real Madrid im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister (0:1 und 3:3). Zehn Jahre nach dem Unglück! Im Finale besiegten Billy Foulkes, Bobby Charlton, George Best und Co. dann Benfica Lissabon mit 4:1 (n. V.). Ein Jahr später trat Busby als Trainer zurück. Sein Werk war getan. Über zehn Jahre nachdem er dabei war, als 23 Menschen auf derart tragische Art und Weise starben, wie es die Fußballwelt bis dahin noch nie erlebte.

MANCHESTER, UNITED KINGDOM - FEBRUARY 06: A bouquet of flowers lays next to a memorial stone to 'Busby Babe' Duncan Edwards, one of the victims of the the Munich disaster. February 6, 2008,Manchester, England. The club will be holding memorial events later to remember the 23 people who died in an airplane crash at Munich Airport 50 years ago. Eight Manchester United players were among the dead. (Photo by Christopher Furlong/Getty Images) Vergrößern

Duncan Edwards, einer der Namen auf der Gedenkstätte vor Uniteds Old Trafford – Foto: Christopher Furlong/Getty Images

Bernabéu und Busby, Legenden einer Sportart

„Wenn uns irgendjemand hätte schlagen sollen, dann bin ich froh, dass sie es waren“, sagte ein dennoch glücklicher Santiago Bernabéu nach dem Titelgewinn des ersten englischen Europapokal-Finalteilnehmers. Er war ja nicht ganz unbeteiligt an dieser Wiederauferstehung. Manchester United und Real Madrid – die beiden größten Vereine der Welt verbindet auf ewig diese Geschichte.

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Bewegende Geschichte: Wie Real United wieder aufhalf
Real Madrid und Manchester United. Im Super-Cup-Finale (Dienstag, 20:45 Uhr) mal wieder Gegner, dabei sind die beiden Fußballgiganten Freunde für die Ewigkeit. Denn nachdem beim „Munich Air Disaster“ am 6. Februar 1958 20 Menschen, darunter acht Spieler Uniteds, ihr Leben verloren, halfen die Königlichen den Briten wieder auf. REAL TOTAL erzählt, wie die beiden Rekordmeister ihrer Länder in ihrer jeweils hellsten und schwärzesten Stunde eine gemeinsame Geschichte verbindet – für immer.
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06.08.2017, 11:59
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