Die Rückrunden-Zeugnisse 2016/17: Angriff

Die Spielzeit 2016/17 ist beendet und Real Madrid erlebte mit dem ersten Liga-Titel seit fünf Jahren, der historischen Verteidigung der Champions League sowie dem Gewinn des UEFA Super Cups und der Klub-WM eine geschichsträchtige Saison. Doch wie schnitten die einzelnen Akteure in der zweiten Saisonhälfte individuell ab? Die REAL TOTAL Rückrunden-Zeugnisse verraten es. Dritter Teil: Der Sturm.

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Teil drei der Rückrunden-Zeugnisse: Reals Angriff ist dran – Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images

Angriff

Cristiano Ronaldo

Einsätze (Rückrunde / Gesamt): 23 / 46
Einsatzminuten: 2.083 / 4.126
Tore: 24 / 42
Assists: 6 / 12
Pässe: 480 (21 pro 90 Minuten) / 1.088 (24 pro 90 Minuten)
Abschlüsse: 93 (4,0 pro 90 Minuten) / 201 (4,4 pro 90 Minuten)
Durchschnittsnote: 2,43 / 2,73

War das der entscheidendste Cristiano Ronaldo, den Real Madrid bislang erlebt hat? Ein Blick auf die nackten Zahlen lässt eigentlich keine andere Schlussfolgerung zu: Fünf Treffer gegen Bayern München im Königsklassen-Viertelfinale, drei gegen Atlético im Halbfinale sowie ein Doppelpack im Finale gegen Juventus Turin, die fünf Tore in den letzten drei Liga-Partien nicht zu vergessen – im Saison-Finish war der Portugiese nicht aufzuhalten. Nachdem er in den letzten Jahren eigentlich nie in guter Verfassung das Saisonfinale erreichte, zog die Nummer 7 die richtigen Schlüsse und setzte – überragend von Zidane moderiert und dosiert – in vermeintlich „kleinen“ Partien auch einmal aus. Und die Resultate sprechen für sich: Einen derart spritzigen und auch geistig fitten Ronaldo hat man lange nicht mehr erlebt, durch seine Treffer in den Champions-League-Partien befreite sich der 32-Jährige schließlich auch von seinem letzten ihn anhaftenden Makel: Nämlich dem, in bedeutenden Spielen nicht entscheidend zu sein. Doch in der Rückserie glänzte der amtierende (und zukünftige?) Weltfußballer nicht nur durch seine Tore, sondern zeigte insgesamt erfreulich konstante Auftritte ohne großartige Ausreißer nach unten, bei denen er auch spielerisch zu überzeugen wusste.

FAZIT: Manchmal ist weniger mehr. Nachdem der Portugiese zu Saisonbeginn noch merklich mit den Nachwehen der EM-Verletzung zu kämpfen hatte, war das zweite Halbjahr schlichtweg fabulös – vor allem weil sich Ronaldo auch seine Pausen nahm. Reals bester Torjäger der Geschichte glänzte dabei nicht nur als ebensolcher, sondern stellte sich auch oft genug in den Dienst der Mannschaft und leistete durch hohen läuferischen Einsatz sowie als Kombinationsspieler seinen Beitrag zum Erfolg. Am Erstaunlichsten ist und bleibt jedoch Ronaldos Fähigkeit, sein Spiel wieder und wieder den neuen Gegebenheiten anzupassen. In dieser Saison sah man vornehmlich eine Nummer 7, die sich noch mehr Richtung Zentrum orientierte und den direkten Weg zum Tor suchte – ohne Umwege oder unnötige Dribblings. Es sollte einmal mehr vom Erfolg gekrönt sein. Gesamtnote: 2,73

CAD ROTATOR 1

Karim Benzema

Einsätze (Rückrunde / Gesamt): 23 / 48
Einsatzminuten: 1.637 / 3.237
Tore: 7 / 19
Assists: 4 / 9
Pässe: 489 (27 pro 90 Minuten) / 972 (27 pro 90 Minuten)
Abschlüsse: 44 (2,4 pro 90 Minuten) / 94 (2,6 pro 90 Minuten)
Durchschnittsnote: 2,83 / 3,11

Auch Karim Benzema gehört zu jenen Real-Stars, die in dieser Saison ein permanentes Wellental durchliefen. An guten Tagen mit Sicherheit der spielstärkste Stürmer auf dem Planeten, der in unnachahmlicher Manier die Bälle festmacht und durch seine Ausweichbewegungen auf den Flügel besonders die nötigen Räume für Ronaldo schafft, wirkte der Franzose auch in der Rückrunde zu oft wie ein Fremdkörper im Spiel der Königlichen. War es zu Beginn der Rückserie noch die körperliche Verfassung, die Fragen aufwarf, war es im Laufe der zweiten Saisonhälfte plötzlich die schwache Chancenverwertung, die dem 29-Jährigen viel Kritik bescherte. Da konnten auch die zwischenzeitlichen überragenden Auftritte gegen Neapel (Note 1,5), Éibar (Note 1) oder Bilbao (Note 1) keine Abhilfe schaffen. Zidane hielt an seinem Landsmann fest – und wurde am Saisonende auch belohnt. In der alles entscheidenden Phase war auf Benzema nämlich Verlass und Madrids Mittelstürmer sorgte in unnachahmlicher Manier dafür, dass seine Sturmkollegen glänzen konnten – und legte im Calderón kurzerhand eines der Dribblings der Spielzeit hin.

FAZIT: In der Gesamtbetrachtung keine zufriedenstellende Saison für den Franzosen. Dafür entsprachen zu viele Leistungen letztlich nicht dem Anspruch, den der 29-Jährige an sich selbst haben dürfte. Neben zahlreichen schwachen Auftritten lieferte die Nummer 9 zwar auch viele (großartige) Lichtblicke, die Konstanz ging Reals Mittelstürmer aber völlig ab. Dass er in Top-Form das Spiel der Blancos weiterhin auf ein höheres Level heben kann, bewies er im Schlussspurt zu Genüge. Gesamtnote: 3,11

Gareth Bale

Einsätze (Rückrunde / Gesamt): 11 / 27
Einsatzminuten: 623 / 1.934
Tore: 2 / 9
Assists: 1 / 5
Pässe: 182 (26 pro 90 Minuten) / 624 (29 pro 90 Minuten)
Abschlüsse: 19 (2,7 pro 90 Minuten) / 69 (3,2 pro 90 Minuten)
Durchschnittsnote: 3,9 / 3,23

Man braucht keine Gedanken lesen zu können, um sicher zu sein: Dieses Halbjahr würde Gareth Bale wohl gerne aus seinem Gedächtnis löschen. Erst das Sprunggelenk, dann die Rot-Sperre und schließlich die Wade – der Waliser erlebte einen Großteil der Rückrunde von der Tribüne und hatte eigentlich permanent damit zu kämpfen, seine Form zu finden. Was sich letztlich als unmögliches Unterfangen entpuppen sollte, da der Körper nie so wirklich mitspielen wollte. Da verwundert es auch nicht, dass die Leistungen – sofern er denn mal auf dem Platz stand – auch nicht annähernd den eigenen sowie Reals Ansprüchen genügten.

FAZIT: Unter dem Strich lässt sich zur Saison des Briten, der ja eigentlich ziemlich gut startete, aber bereits früh von der ersten Verletzung heimgesucht wurde, nur eines sagen: Kurier dich ordentlich aus, Gareth, und greif nächste Saison wieder voll an! Gesamtnote: 3,23

Lucas Vázquez

Einsätze (Rückrunde / Gesamt): 24 / 50
Einsatzminuten: 879 / 2.282
Tore: 2 / 4
Assists: 6 / 14
Pässe: 329 (34 pro 90 Minuten) / 891 (35 pro 90 Minuten)
Abschlüsse: 23 (2,4 pro 90 Minuten) / 42 (1,7 pro 90 Minuten)
Durchschnittsnote: 3,04 / 2,91

Mit 50 Einsätzen ist er derjenige Madrilene, der über die gesamte Saison die meisten Einsätze absolvierte, doch betrachtet man die Rückrunde im Detail, ist der Canterano doch irgendwie so etwas wie der „Verlierer“ der zweiten Saisonhälfte. Nicht etwa, weil die Leistungen des Galiziers signifikant schlechter wurden. Vielmehr war es der Leistungsexplosionen von Isco und auch Marco Asensio geschuldet, dass der 25-Jährige vom unumstrittenen 12. Mann in der Hierarchie ein Stück abrutschte und die Rückrunde zu zwei Dritteln als Joker erlebte. Ähnlich wie bei Mateo Kovačić schlug sich die zeitweise Unregelmäßigkeit der Einsätze auch in den Leistungen wider, was ein kleines Tief Mitte der Rückrunde zur Folge hatte. Als sich gegen Ende der Spielzeit die Einsätze wieder häuften, zeigte auch die Leistungskurve wieder deutlich nach oben und der spanische Nationalspieler sorgte mit seinem Tempo und seiner Dribbelstärke für reichlich Kopfschmerzen bei den Gegnern. Einzig beim Torabschluss darf dem Eigengewächs aber noch reichlich Luft nach oben attestiert werden.

FAZIT: Mit Blick auf die Werte wiederholt eine starke Spielzeit des Außenstürmers (mit Marcelo der zweitbeste Vorbereiter im Team), der vor allem als Joker so manche Partie entscheidend belebte. In Anbetracht der immer stärker werdenden Konkurrenz muss sich das Eigengewächs kommende Spielzeit aber wohl noch mehr strecken, um erneut auf eine ähnliche Anzahl an Spielen zu kommen. Dass ein Spieler des Kalibers des Galiziers, der oft überzeugende Auftritte zeigte, mittlerweile sogar um seinen Kaderplatz kämpfen muss, zeigt eindrucksvoll, wie ausgeglichen der Kader mittlerweile einfach ist. Gesamtnote: 2,91

Mariano Díaz

Einsätze (Rückrunde / Gesamt): 6 / 14
Einsatzminuten: 81 / 303
Tore: 0 / 5
Assists: 0 / 2
Pässe: 5 (6 pro 90 Minuten) / 42 (12,5 pro 90 Minuten)
Abschlüsse: 3 (3,3 pro 90 Minuten) / 16 (4,8 pro 90 Minuten)
Durchschnittsnote: 3 / 2,1

Durch das frühe Pokalaus gingen die ohnehin spärlichen Einsatzzeiten des Domenicaners erwartungsgemäß weiter zurück. Wenn der Canterano mal ran durfte, zeigte er enormen Einsatz und deutete an, dass jede Menge Potential in ihm schlummert. Für eine seriöse Bewertung waren die Einsatzzeiten aber schlichtweg zu gering.

FAZIT: Erfüllte seine Rolle als Stürmer Nummer drei vorbildlich und verzichtete im Winter sogar auf mehr Einsatzzeiten, um weiterhin beim Team sein zu können. Dass er kommende Saison anderswo seine (verdiente) Spielzeit sammelt, steht eigentlich außer Frage. Gesamtnote: 2,1

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Álvaro Morata

Einsätze (Rückrunde / Gesamt): 18 / 43
Einsatzminuten: 733 / 1.874
Tore: 11 / 20
Assists: 1 / 6
Pässe: 184 (23 pro 90 Minuten) / 432 (21 pro 90 Minuten)
Abschlüsse: 28 (3,4 pro 90 Minuten) / 68 (3,3 pro 90 Minuten)
Durchschnittsnote: 2,41 / 2,77

Álvaro Morata hat ein Problem. Und das heißt Karim Benzema. Der ist nämlich als Mittelstürmer bei Real Madrid gesetzt, weil er aufgrund seiner spielerischen Qualitäten letztlich wohl einfach besser zu Cristiano Ronaldo passt. Daran ändern aus Moratas Sicht leider auch elf Rückrundentore beziehungsweise 20 Saisontore wenig. Dass der Franzose unter dem Strich möglicherweise wirklich der geeignetere Partner für die Nummer 7 ist, mag man als Außenstehender doch irgendwie einsehen. Warum Morata vor allem während Benzemas Schwächephase trotz guter Leistungen dennoch merklich weniger als andere Kollegen aus der zweiten Reihe zum Zug kam, verwunderte dann allerdings doch. Es ist wohl die einzige Personalie, bei der Zidane nicht die richtige Dosierung hinbekam, Moratas Ärger und aktuelle Wechselgedanken scheinen verständlich. Denn: Wenn der Canterano auflief, zeigte er überwiegend gute Leistungen und überzeugte sowohl mit seinem unnachahmlichen Zug zum Tor als auch durch seinen defensiven Einsatz. Dass man neben Benzema auch einen „echten“ Mittelstürmer im Kader hatte, tat den Madrilenen einfach gut – und würde es vermutlich auch in der kommenden.

FAZIT: Die Erwartungen hat der Rückkehrer mehr als erfüllt. Dass der 24-Jährige letzten Endes aber vor allem mit seinen Einsatzzeiten nicht zufrieden ist, kann man ebenfalls nachvollziehen. Auch wenn die Hoffnungen wohl vergebens sein werden, wäre ein Verbleib Moratas eine tolle Sache. Denn egal ob als Starter oder als Joker: An Einsatz mangelte es dem Canterano nie, die Leistungen stimmten bis auf ein Leistungsloch gegen Ende der Hinrunde ebenfalls und eröffneten Zidane wertvolle Alternativen. Es wäre schön, diese auch im kommenden Jahr zu haben. Gesamtnote: 2,77

Real Madrids Fanartikel zu „La Duodécima“: Shirt, Cappy, Schal

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Einzelkritik
Die Rückrunden-Zeugnisse 2016/17: Angriff
Die Spielzeit 2016/17 ist beendet und Real Madrid erlebte mit dem ersten Liga-Titel seit fünf Jahren, der historischen Verteidigung der Champions League sowie dem Gewinn des UEFA Super Cups und der Klub-WM eine geschichsträchtige Saison. Doch wie schnitten die einzelnen Akteure in der zweiten Saisonhälfte individuell ab? Die REAL TOTAL Rückrunden-Zeugnisse verraten es. Dritter Teil: Der Sturm.
http://www.realtotal.de/die-rueckrunden-zeugnisse-201617-angriff/
11.06.2017, 16:59
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