Herzschlagfinale gegen City – Madrid gewinnt CL-Auftakt

Wer kann sich so etwas ausdenken? Ein in allen Belangen überlegen geführtes Spiel, in dem der Hauptdarsteller überraschend kurz vor Schluss mit 1:2 hinten liegt, um dann die übermächtigsten Offensivkräfte zu mobilisieren und am Ende doch noch 3:2 zu siegen. Das ist Fußball, das ist Real Madrid!

Grenzenloser Jubel, unfassbares Herzschlagfinale - Ronaldo setzt den Schlusspunkt eines großen Abends

Fußball, dem Duell zweier amtierender Meister würdig

MADRID. Was als interessantes Katz-und-Maus-Spiel begann, in dem man lippenleckend abwartete, wann das Raubtier endlich zuschlagen würde, entwickelte sich zu einer an Dramatik kaum zu überbietenden Pilot-Episode, die zwischen einem klar überlegenen Hauptdarsteller und einem tugenichten Statisten ein episches und auch etwas glückliches Ende fand. Der Tragödie zwischendurch so nah, schaffte es Real Madrid – außer in den Torwart-Paraden in allen Spielstatistiken führend – erst angesichts des sensenschwingenden Punktverlusts, der unverdienten Demütigung durch den Englischen Meister, mit der allerletzten „All In“-Entschlossenheit seine Tore zu machen. Und was für welche!

90 Minuten lang führte das krisengebeutelte Madrid Manchester City im ersten Aufeinandertreffen der beiden Vereine regelrecht vor. Neben der dreiviertel Menge an Ballbesitz standen zum Pausentee auch 16 zu einem nicht wirklich ernstzunehmenden Torschuss den Königlichen zu Gute. Wie völlig neu erfunden präsentierte sich das Sturmbataillon Mourinho – und das nicht nur dank der Startelf-Überraschungen in Form von Raphaël Varane und Michaël Essien für Sergio Ramos und Mesut Özil. Außenverteidiger die vorne wirbelten, torwürdige weite Skalpell-Pässe von Ángel Di María, Xabi Alonso und Co. und ein Cristiano Ronaldo, dem man anmerkte, dass heute alles andere als ein persönlicher Torerfolg inklusive Spiel-Entscheidung für ihn nicht in Frage käme. Die Citizens hingegen gar nicht gefährlich, sie gewährten den königlichen Rachegelüsten entsprechende Fläche und Zeit, ließen sich selbst vom nimmer endenden Gegendruck der Offensiv-Kanonen nach hinten drängen. Doch es hat nicht sollen sein. Higuaín zweimal, Ronaldo noch häufiger und auch Di María durfte hin und wieder seine Abschlussqualitäten beweisen – noch war keinem das Glück hold.

Zeit für Halbzeit zwei. Zeit für Dramatik. Für Fußball, dem Duell eines Englischen und Spanischen Meisters würdig! Während der munterfröhlichen Munitionsverballer-Orgie mit Joe Hart als Verhüterli und Marcelo und Ronaldo als Hau-Ruck-Duett, wurde der Druck immer höher. Mourinhos erste Reaktion: Den Akku entleerten und bockstarken Essien für Özil vom Platz nehmen. Kaum standen sich die beiden Teams wie beim American Football an der Strafraumlinie Citys gegenüber, erhaschte Quarterback Yaya Touré das Spielgerät und zog von dannen. Als letzte Instanz löste sich der ebenfalls bockstarke Varane von seinem frisch eingewechselten Deckungsziel Edin Dzeko, der Ivorer legte im richtigen Moment rüber und der Bosnier musste nur noch locker am bisher arbeitslosen Iker Casillas vorbei schieben (69. Minute). „Geht das schon wieder los?!“, mag man geschimpft haben. Doch der wütende Hagelsturm auf die ungewohnt lockere City-Defensive ließ noch auf sich warten, zunächst versenkte Marcelo seinen dritten Versuch. Vorher jeweils mit Links, zückte er nun den rechten Fuß und schlenzte den Ball zuckersüß ins lange Eck (76.). Ausgleich! Es hagelte weiter: Alonso, Benzema, Modric, sogar Özil per Kopf – alle ballerten was der Kasten hielt. Doch es sollte wieder tragisch werden: Aleksandar Kolarov, ausgebildeter Scharfschütze, legte Madrids Schlussmann einen Freistoß von der Außenseite ins lange Eck – weder Casillas noch die weißen und dunkelblauen Vorderleute kamen da ran (85.). Real am Rande einer Niederlage, einer Tragödie angesichts dieser drückenden Überlegenheit.

Rückstand bis zur 85. – die perfekte Bühne für Real Madrid

Wer dachte, an Dramaturgie war dieses Spiel kaum noch zu überbieten, sollte sich gewaltig täuschen! Wütend droschen die Merengues auf den Gegner ein. Die nächste Story dieses Spiels: Karim Benzema erzielte sein erstes Tor sei Mai – und das in unnachahmlicher Manier! Di María tankte sich durch, legte ab, der Franzose mit schneller Drehung am Strafraum und noch schneller der Abschluss flach ins kurze Eck, perfekt (87.)! Direkt im Anschluss vergab Ronaldo sogar noch den Matchball. Dem Unentschieden so nah, doch nicht mit Mr. Titanoberschenkel. Zu oft hatte er sich heute gegen die Möchtegern-Rechtsverteidiger Maicon und Zabaletta durchgesetzt, zu stark war sein Wunsch, der unbändige Zwang nach Torerfolg und Spiel-Entscheidung. Die 90. Minute, die perfekte Bühne für den portugiesischen Superstar – es war angerichtet: Ein Haken in den Strafraum, ein Sturzball ins Tor, ein mourinhoscher Anzugrutscher auf den Rasen – 3:2, die Sensation! Das Bernabéu zeigte dem „lauten Nachbarn“ wie man durch ohrenbetäubende Lautstärke Sterne vom Himmel holte – Cristiano Ronaldo schießt Real Madrid in der 90. Minute nach einem unvergesslichen Spektakel zum Sieg! Dafür wurde der Begriff „Herzschlagfinale“ erfunden! Noch nie hat Real Madrid sein erstes Spiel in der Champions League verloren. Mit was für einer Pilot-Folge zu einer spektakulären Saison-Serie kann man besser starten? Mit keiner anderen! La Décima ist fällig!

Kurzstatistik zum Spiel

Real Madrid: Casillas; Arbeloa, Varane, Pepe, Marcelo; Khedira (Modric, m.72), Xabi Alonso, Essien (Özil, m.65), Di María; Cristiano Ronaldo, Higuaín (Benzema, m.72)

Manchester City: Hart, Clichy, Kompany, Nastasic, Maicon (Zabaleta, m.73); Y.Touré, Barry, Javi García, Nasri (Kolarov, m.36); Silva (Dzeko, m.62), Tévez

Tore: 0-1, m.68: Dzeko. 1-1, m.77: Marcelo; 1-2, m.86: Kolarov; 2-2, m.87: Benzema; 3-2, m.90: Ronaldo

Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowakei)

Incidencias: Estadio Santiago Bernabéu, 70.000 Zuschauer

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Spielbericht
Herzschlagfinale gegen City – Madrid gewinnt CL-Auftakt
Wer kann sich so etwas ausdenken? Ein in allen Belangen überlegen geführtes Spiel, in dem der Hauptdarsteller überraschend kurz vor Schluss mit 1:2 hinten liegt, um dann die übermächtigsten Offensivkräfte zu mobilisieren und am Ende doch noch 3:2 zu siegen. Das ist Fußball, das ist Real Madrid!
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18.09.2012, 23:06

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