„Ich werde in fünf Jahren aufhören und wie ein König leben“

Interviews mit Cristiano Ronaldo sind eine Seltenheit geworden – und somit auch Gespräche über die Persönlichkeit und nicht immer einfache Vergangenheit des Superstars von Real Madrid. Mit THE TIMES plauderte CR7 nun jedoch über Themen, die üblicherweise nicht zur Sprache kommen: sein Charakter, die Zeit mit seinem Vater, der Hass anderer Leute, die Wichtigkeit seines Sohnes und das Leben nach der aktiven Karriere.

ZURICH, SWITZERLAND - JANUARY 11: FIFA Ballon d'Or nominee Cristiano Ronaldo of Portugal and Real Madrid and presenter Kate Abdo look on during the FIFA Ballon d'Or Gala 2015 at the Kongresshaus on January 11, 2016 in Zurich, Switzerland. (Photo by Philipp Schmidli/Getty Images) Vergrößern

Superstar Cristiano Ronaldo – Foto: Philipp Schmidli/Getty Images

„Hass der Leute kümmert mich nicht – ich brauche den Feind“

MADRID. Bald ist es wieder einmal so weit. Die FIFA rollt am 11. Januar 2016 den roten Teppich aus und lädt alles, was Rang und Namen hat, zur großen Gala ins Züricher Kongresshaus ein. Ihr Höhepunkt ist seit eh und je die Vergabe des Weltfußballer-Titels, den in den vergangenen beiden Jahren Real Madrids Superstar Cristiano Ronaldo für sich beanspruchen konnte. Ob die Leistungen des Portugiesen im Kalenderjahr 2015 ausreichen werden, um den größtmöglichen Award auf individueller Ebene zum dritten Mal in Folge und insgesamt vierten Mal abzuräumen? Einige glauben daran, viele bezweifeln das jedoch und sehen Lionel Messi klar in der Pole Position.

Wie auch immer die Wahl ausgehen wird: CR7 bleibt für sich selbst nach wie vor der Beste der Welt – bei allem Respekt vor den anderen Top-Stars. „Messis Erfolge stören mich nicht. Wenn man sich die letzten acht Jahre ansieht, war ich immer an der Spitze. Und das ist schwer. Nenne mir jemand anderen, der das war. Ob du die Nummer eins oder zwei bist, ist eine Frage von Details. Wie, ob du eine Trophäe gewinnst oder nicht. Vielleicht ist Messi für Sie der Beste. In meinem Kopf bin ich es. Und wir alle sollten so über uns denken. Deshalb habe ich in meiner Karriere so viel erreicht“, so der Superstar.

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Er macht keinen Hehl daraus, sich für die Nummer eins zu halten, stellte andererseits aber klar, auch auf dem Boden bleiben zu können. „Ich gebe zu, dass ich nicht der demütigste Mensch der Welt bin. Aber ich bin nicht falsch und auf eine gewisse Weise fühle ich mich sehr bescheiden, denn ich mag es, dazuzulernen“, so Ronaldo. „Ich will von anderen Sportarten und den besten Athleten lernen, kann mich in mancher Hinsicht verbessern. Eine Person ist demütig, weil sie es mag, zu lernen. Doch ich bin der beste Sportler der Welt“, findet der ambitionierte Torjäger, der mit entsprechend negativen Reaktionen auf seine Art gut leben kann: „Es kümmert mich nicht, dass die Leute mich hassen, denn das ist etwas, das mich antreibt. Wenn ich auswärts spiele, sind sie immer gegen mich. Aber das ist etwas Gutes. Man muss die guten Dinge bei denjenigen sehen, die dich hassen. Ich brauche den Feind. Das ist ein Teil dieser Arbeit. Alles begann, als ich 18 oder 19 Jahre alt war. Aber es ist für mich kein Problem, sondern eine Motivation.“

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„Ich hatte nie ein Gespräch mit meinem Vater wie jetzt gerade“

Und der Fußball ist für den neuen Rekordtorjäger der Königlichen nicht nur ein bloßer Beruf, sondern um einiges mehr. „Um ehrlich zu sein: Der Fußball ist ein Teil von mir, ein Teil meines Glücks. Ich will nicht sagen, dass ich mit anderen Dingen nicht glücklich bin, wie beispielsweise Zuhause sein, entspannen, bei meinen Freunden sein, in einer Bar, im Urlaub… Aber der Fußball macht mich glücklich. Es ist eine Arbeit, aber in Wirklichkeit auch nicht, denn ich liebe ihn. Ich habe viel gewonnen. Daher muss ich stets das Beste geben“, meinte er. Und danach? „Ich werde in vier oder fünf Jahren aufhören und mit meiner Familie und Freunden wie ein König leben“, kündigte Ronaldo schon einmal an.

Mein Vater war Alkoholiker. Er war nicht der Vater, den ich mir erträumt hatte

Mit einem wird er nach der aktiven Karriere nicht mehr Zeit verbringen können: seinem Vater. Zehn Jahre ist es bereits her, als José Diniz Aveiro mit 51 nach jahrelangem Alkoholkonsum an einem Leber- und Nierenversagen starb. „Mein Vater war Alkoholiker. Er war nicht der Vater, den ich mir erträumt hatte. Ich liebte ihn, klar, hatte aber nie ein Gespräch mit meinem Vater, wie ich es jetzt mit Ihnen habe. Nie. Nie in meinem Leben. Doch er munterte mich immer auf und sagte mir, dass ich ambitioniert sein muss. Er war stolz. Ich denke gern daran, dass wo immer er jetzt auch ist, er mich sehen kann, was ich leiste und erreicht habe. Als mein Vater im Sterben lag, sagte man mir, dass er in einem Krankenhaus in London liegt und das, was geschehen würde, nicht gut wäre. Ich bat (Sir Alex) Ferguson, dass er mich gehen lässt und er sagte mir, dass der Fußball im Vergleich zu meinem Vater nichts bedeuten würde. Er ließ mich gehen und dafür werde ich ihm immer danken“, so die bewegenden Worte.

„Mein Sohn fragte mich kürzlich, ob er ein iPhone 6 haben kann“

Ronaldo ist inzwischen selbst Vater. 2010 kam sein Sohn Cristiano Junior zur Welt, um den er sich liebevoll kümmert. Und der Portugiese ist darauf bedacht, ihn zu einem vernünftigen und nicht abgehobenen Jungen zu erziehen. „Es ist einfach, verzogen zu sein, wenn man in einem großen Bett aufwacht, Yoghurt mit Früchten isst und die schnellen Autos in der Garage sieht“, weiß der populäre Großverdiener. „Er fragte mich kürzlich, ob er ein iPhone 6 haben kann. Ich sagte ihm aber ‚Nein‘ und fragte, wen er überhaupt anrufen möchte. ‚Ich will dich anrufen, Papa‘, antwortete er mir. Und ich sagte ihm, dass er seine Oma rufen und sie ihm das Telefon geben soll. Man kann aber nicht alles kontrollieren, wenn es um Kinder geht. Sie haben ihr eigenes Leben. Eine der Dinge, die ich kontrollieren kann, ist die Erziehung. Das beste Geschenk, das du einem Kind geben kannst. Cristiano hat mich sehr verändert. Für mich war es ein Traum, ein Kind zu haben, als ich noch jünger war, 25 Jahre alt. Es hat meine Denkweise verändert. Er hilft mir und lacht immer. Ihm gefällt es, Torwart zu sein, aber ich bringe ihn dazu, dass er so ist wie ich und Tore schießt. Aber er wird derjenige sein, der er sein möchte“, so Ronaldo.

Manchmal esse und trinke ich Dinge, die nicht sehr gesund sind. Ich trinke manchmal Wein und jeden Sonntag essen wir Zuhause Hamburger und trinken Coca-Cola. Man muss ein Gleichgewicht haben

Anders als es seine eigenen Eltern taten, würde der Real-Star seinen Sprössling wohl aber nicht schon in frühem Alter aus dem Haus lassen. 1997 verließ Ronaldo seine Heimat und Familie, um in Lissabon bei Sporting Fußball zu spielen. Heute erinnert er sich: „Das war einer der schlimmsten Tage meines Lebens. Ich habe die ganze Zeit geweint. Ich kann mir nicht vorstellen, meinen kleinen Cristiano mit zwölf Jahren in eine andere Stadt gehen zu lassen. Meinen Eltern mache ich keinen Vorwurf dafür, denn sie versuchten, mir eine Möglichkeit zu geben. Aber es war schwer. Ich lebte mit meinen Eltern und Geschwistern und war dann allein. Eines Tages saß ich in der Schule und etwas ging mir durch den Kopf. Ich fragte mich, was ich hier mache. Ich vermisste meine Familie, daher ging ich zum Verein, um mit dem Direktor zu sprechen und ich sagte ihm, dass ich nach Hause zurückkehren will. Ich wollte dort nicht sein. Aber man sagte mir, dass ich erst zwölf Jahre alt sei und ein großes Potential haben würde. Man sagte mir, dass ich ein Profi werden könnte. Sie halfen mir, stark zu bleiben. Dazu brachten mich meine Eltern dazu, zu bleiben. Ich ging ins Bett und habe weiterhin geweint. Aber nach ein paar Tagen begann alles, besser zu werden.“ Ja, es lohnte sich allemal, diese schwierige Hürde zu überwinden…

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Interview
„Ich werde in fünf Jahren aufhören und wie ein König leben“
Interviews mit Cristiano Ronaldo sind eine Seltenheit geworden – und somit auch Gespräche über die Persönlichkeit und nicht immer einfache Vergangenheit des Superstars von Real Madrid. Mit THE TIMES plauderte CR7 nun jedoch über Themen, die üblicherweise nicht zur Sprache kommen: sein Charakter, die Zeit mit seinem Vater, der Hass anderer Leute, die Wichtigkeit seines Sohnes und das Leben nach der aktiven Karriere.
http://www.realtotal.de/ich-werde-in-funf-jahren-aufhoren-und-wie-ein-konig-leben/
01.11.2015, 18:22
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