Isco unter Zidane: Die Renaissance des Spielmachers

Isco Alarcón verzückt aktuell den Madridismo und knüpft nahezu mühelos an seine starken Leistungen zum Ende der vergangenen Saison an. Nach zwei Jahren, in denen die Entwicklung des Andalusiers zu stagnieren schien, ist dem spanischen Edeltechniker endlich der viel besagte „nächste Schritt“ gelungen. Vor allem aber lässt er im neu etablierten 4-1-2-1-2 unter Zinédine Zidane eine Position wieder aufleben, die im Weltfußball eigentlich längst als verschwunden galt: Die des klassischen Spielmachers.

Real Madrid's Spanish midfielder Isco celebrates after scoring a goal during the UEFA Super Cup football match between Real Madrid and Manchester United on August 8, 2017, at the Philip II Arena in Skopje. / AFP PHOTO / Dimitar DILKOFF (Photo credit should read DIMITAR DILKOFF/AFP/Getty Images) Vergrößern

Isco verzückt aktuell den Madridismo – Foto: Dimitar Dilkoff/AFP/Getty Images

Endlich der „letzte Schritt“

MADRID. Beobachtet man Isco Alarcón derzeit beim Fußball spielen, kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Technisch über alle Maßen filigran und mit spielerischer Leichtigkeit befreit sich der Andalusier aus jeder noch so engen Situation, setzt seine Kollegen mit traumhaften Pässen in Szene und glänzt wie zuletzt im UEFA Super Cup gegen Manchester United (2:1) auch immer wieder als Torschütze. Dass Real Madrid derzeit so stark ist, liegt auch an einem magischen und elektrisierenden Isco, der dem Spiel der Königlichen das gewisse Etwas verleiht. Auch auf dem Weg zur Meisterschaft sowie dem Gewinn der Champions League in der letzten Spielzeit war der spanische Nationalspieler bereits ein entscheidendes Puzzleteil und repräsentierte im Saisonendspurt in so einigen Partien den berühmt berüchtigten X-Faktor.

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Reals Edeltechniker hat endlich den entscheidenden „letzten Schritt“ auf der Entwicklungsleiter genommen und den Status als hochveranlagtes, aber gleichzeitig auch irgendwie schlampiges Talent abgelegt. Dass dies nun endlich gelungen ist, lag mit Sicherheit zu großen Teilen am Spieler selbst, der sich – anders als James Rodríguez beispielsweise – trotz seiner überwiegenden Reservistenrolle in den letzten Jahren nicht aufgab und im entscheidenden Moment seine (vielleicht auch letzte) Chance beim Schopfe packte. Ein entscheidender Anteil gebührt aber auch Zinédine Zidane, der Isco eine Art „Biotop“ geschaffen hat, in der sich der 25-Jährige vollkommen frei und ohne große Zwänge entfalten kann: auf der Position des Spielmachers. Eine Position also, die im modernen Fußball eigentlich bereits als ausgestorben galt, der Isco und „Zizou“, der vermutlich beste „Zehner“ aller Zeiten, nun jedoch neues Leben eingehaucht haben.

Kein Platz im 4-3-3

Bis dahin war es jedoch ein steiniger Weg. Als Zidane im Januar 2016 die damals kriselnden Königlichen übernahm, waren damit nicht nur die Hoffnung auf besseren Fußball und schnell einsetzenden Erfolg verbunden. Viele Madridistas hofften ebenfalls, dass die frühere Nummer 5 einen Weg finden würde, um Isco – zu diesem Zeitpunkt mit das größte Sorgenkind im Star-Ensemble – langfristig in das Team zu integrieren und zu konstanten Leistungen zu verhelfen. Bis auf ein starkes halbes Jahr unter Carlo Ancelotti, als er den verletzten Luka Modrić bravourös vertrat, pendelte der spanische Nationalspieler seit seiner Ankunft im Sommer 2013 regelmäßig zwischen Ersatzbank und sporadischen Startelfeinsätzen. Durch die Verpflichtung von James Rodríguez im Sommer 2014 geriet der einst neben Thiago Alcantára als größtes Talent Spaniens betitelte Ausnahmekünstler noch weiter ins Hintertreffen. Doch unter Zidane sollte nun alles anders werden.

Zunächst war Isco auch gesetzt, im seit Ancelotti etablierten 4-3-3 konnte der Andalusier seine Stärken auf der Halbposition im Mittelfeld aber nur bedingt einbringen, vor allem die defensive Mehrarbeit entsprach überhaupt nicht dem Profil des Rechtsfußes. Spätestens nach der 0:1-Derby-Niederlage gegen Atlético im Februar 2016 nahm sich auch Zidane dieser Thematik an und setzte fortan auf die Dienste von Carlos Casemiro, um dem Gesamt-Gefüge der Blancos zu mehr Balance zu verhelfen. Eine Maßnahme, die ihre Wirkung nicht verfehlte und bekanntermaßen im Champions-League-Sieg 2016 endete. Für Real Madrid eine tolle Sache – für Isco eher nicht.

Das Mittelfeld wird zum Prunkstück – mit Isco

Zidane hatte seine Stammformation gefunden und eilte mit dem Mittelfeld-Triumvirat Casemiro-Modrić-Kroos auch in der kommenden Saison von Erfolg zu Erfolg, doch der französische Cheftrainer hatte sich auch hinsichtlich der taktischen Ausrichtung und besonders über die Position von Isco Gedanken gemacht. Während sich die Merengues taktisch insgesamt weitaus flexibler als noch in den letzten Jahren präsentierten und immer wieder neue Systeme zur Anwendung kamen, agierte die Nummer 22 fortan bei ihren Einsätzen meist als zentraler Mittelfeldspieler im 4-4-1-1 oder als eine Art hängende Spitze in einem 4-5-1. Das Ergebnis: Isco Leistungen wurden stetig besser und besser, der Druck auf die Etablierten wuchs permanent an. Doch das Kernproblem bestand weiterhin: Trotz teils überragender Leistungen war, wenn alle fit waren, weiterhin kein Platz für Reals Edeltechniker, Zidane musste seinen Schützling immer wieder vertrösten. Geduld war angesagt – und die sollte sich schließlich auszahlen.

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Als sich Gareth Bale gegen Ende der Rückrunde erneut verletzte, schlug endlich die Stunde des Isco Alarcón. Zidane entschied sich für eine Stärkung des Mittelfeldes und ließ sein Team fortan in einem 4-1-2-1-2 starten, mit dem Iberer als Freigeist hinter den Spitzen, der Überzahlsituationen im Zentrum schaffen und die Räume zwischen den gegnerischen Abwehrlinien bespielen sollte. Eine Aufgabe, die der Mann aus Benalmádena überragend löste – und das Spiel der Königlichen auf ein neues Level hievte. Im Zusammenspiel mit Kroos und Modrić brachte Isco jeden Gegner zur Verzweiflung, das wohl aktuell ballsicherste Mittelfeld Europas entpuppte sich sowohl für die Bayern als auch Atlético und Juventus Turin als Kryptonit. Mit Isco in der Hauptrolle.

Auf Zidanes Spuren

Und auch in dieser Spielzeit brachte Reals Ballkünstler schon so manchen Gegner zur Verzweiflung. Durch seine überragenden technischen Fähigkeiten gelingt es Isco, oftmals zwei oder mehr Gegenspieler im Zentrum zu binden, und seinen Mitspielern so neue Räume zu öffnen oder situativ Überzahlsituationen zu schaffen. Besonders gegen massiv verteidigende Gegner ein notwendiges und probates Mittel, um Chancen zu kreieren. Gleichzeitig besitzt der Andalusier aber auch ein Gefühl für das Besetzen und Bespielen von Räumen, das seinesgleichen sucht. Auch wenn es nicht immer der Pass ist, der unmittelbar zum Torerfolg führt, so ist er mit intelligenten Verlagerungen oder dem vorletzten Pass an der Entstehung zahlreicher Tore beteiligt.

Besonders in diesem Aspekt seines Spiels hat der Spanier seit Anfang der letzten Saison unheimlich dazugelernt. Galten die Entscheidungsfindung und der richtige Moment für das Abspiel immer als sein größtes Manko, sticht er mittlerweile durch sein hervorragendes Timing und sein Auge für solche Situationen besonders heraus. Eigenschaften, die einst auch einen gewissen Zinédine Zidane auszeichneten. Und die dafür sorgen könnten, dass die Position des Spielmachers wieder salonfähig wird.

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Reportage
Isco unter Zidane: Die Renaissance des Spielmachers
Isco Alarcón verzückt aktuell den Madridismo und knüpft nahezu mühelos an seine starken Leistungen zum Ende der vergangenen Saison an. Nach zwei Jahren, in denen die Entwicklung des Andalusiers zu stagnieren schien, ist dem spanischen Edeltechniker endlich der viel besagte „nächste Schritt“ gelungen. Vor allem aber lässt er im neu etablierten 4-1-2-1-2 unter Zinédine Zidane eine Position wieder aufleben, die im Weltfußball eigentlich längst als verschwunden galt: Die des klassischen Spielmachers.
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22.08.2017, 15:10
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