Meine Meinung: An Benzema führt kein Weg vorbei

Real Madrid hat einen durchwachsenen Saisonstart hinter sich und ist noch auf der Suche nach der Form der letzten Rückrunde. Trotz der spielerisch alles andere als ansprechenden Leistungen in den letzten Wochen sind für REAL TOTAL-Redakteur Yannick Frei die Gründe der Krise vor allem mentaler Natur. Am in der Kritik stehenden Karim Benzema führt für ihn trotz Torflaute weiterhin kein Weg vorbei.

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Redakteur Yannick Frei spricht sich klar für Benzema aus – Foto: Denis Doyle/Getty Images

Simon Isaak Weigersdorfer (Facebook): Wie würdest du die Taktik von Zinédine Zidane beschreiben beziehungsweise analysieren?
In erster Linie ist Zidane für mich ein Trainer, der seine Spielweise stets an das vorhandene Spielermaterial sowie den Gegner anpasst, was sich in meinen Augen ganz gut an der Systemumstellung mit Isco sowie der allgemein größeren Variabilität in puncto Spielsystemen unter seiner Regide ablesen lässt. Ansonsten habe ich das Gefühl, dass „Zizou“ seinen Spielern kein allzu komplexes taktisches Korsett aufzwängen will und großes Vertrauen in die individuellen Fähigkeiten seiner Spieler hat. 

Aber natürlich gibt es auch einige taktische Muster, die für den „Zidane-Stil“ charakteristisch sind: Da sind zum einen die extrem hoch agierenden Außenverteidiger, die durch die Orientierung der offensiven Außenspieler (im 4-3-3) oder der Stürmer (im 4-1-2-1-2) in Richtung Zentrum eine herausragende Bedeutung in der Offensive besitzen, da sie oftmals alleine auf dem Flügel unterwegs sind und Ronaldo und Co. vor allem mit Flanken in Szene setzen sollen. Zudem erfolgt der Spielaufbau in der Regel aus einer situativen Dreierkette, wobei sich überwiegend Kroos oder Modrić in die Halbräume fallen lassen und man anschließend versucht, den Gegner durch die Kombinationssicherheit im Zentrum auf eine Seite zu locken und dann mit einer Seitenverlagerung Marcelo oder Carvajal freizuspielen.

Gegen den Ball setzt man alternierend auf hohes Angriffspressing (zumeist in der Anfangsphase) und abwartendes Verteidigen, wobei man sich manchmal sogar bis tief in die eigene Hälfte zurückzieht und dem Gegner bewusst den Ball überlässt, um zum Kontern anzusetzen. Zidanes große Stärke liegt in meinen Augen aber darin – und das gilt besonders für die Spitzenspiele –, dass er das Team zumeist hervorragend auf den Gegner einstellt, auch wenn die letzten Wochen da einen anderen Eindruck vermitteln. Das hat für mich allerdings andere Gründe, auf die ich bei anderen Fragen noch eingehen werde.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass Real aktuell auszeichnet, dass man in der Lage ist, so ziemlich jedes Konzept umzusetzen und auch immer wieder Elemente von verschiedenen Stilen einfließen lässt. Man ist sowohl in der Lage, Ballbesitzfußball zu spielen, als auch zu kontern, kann hoch attackieren, lässt sich aber auch zurückfallen. Alles in allem ist es diese gesunde Mischung aus alldem, was Real (besonders in der vergangenen Rückrunde) so stark macht(e).

sebi7halamadrid (REAL TOTAL-Community): Wie siehst du die Situation mit den verschiedenen Formationen, das gute alte 4-3-3 beziehungsweise mit Isco als hängende Spitze oder das 4-4-2, welches Zidane gerade sehr gefällt?
Ich weiß nicht, ob eine Debatte über die Formation wirklich zielführend ist. Letztendlich kommt es ja darauf an, wie die Spieler die Vorgaben umsetzen bzw. wie die entsprechenden Räume auf dem Feld besetzt werden. Sich pauschal auf ein System festzulegen, halte ich für falsch, das kommt auch immer auf Gegner und die verfügbaren Spieler an. Und man muss auch immer schauen, wie bestimmte Spielertypen miteinander harmonieren. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, mit der einen Formation zu beginnen, um dann während des Spiels umzustellen und neue Impulse zu setzen. Das Wichtige ist unter dem Strich sowieso, dass die Stärken der einzelnen Spieler entsprechend zur Geltung kommen, das heißt, dass sich die Formation eher an den Spielern orientieren muss als umgekehrt.

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Sino_19 (REAL TOTAL-Community):Was muss deiner Meinung nach unternommen werden, um die aktuelle Krise zu bewältigen?
Auch wenn die spielerische Performance in den letzten Wochen nicht gerade überwältigend war, ist der Hauptgrund für die aktuelle Situation in meinen Augen mentaler Natur. Nach derart erfolgreichen Jahren, wie sie Real zuletzt durchlebt hat, setzt irgendwann eine gewisse Sättigung ein. Das ist ein völlig normaler Prozess und sucht jede Mannschaft heim – und ist auch Barcelona schon einmal in ähnlicher Weise widerfahren. Dann gibt man eben – besonders in den vermeintlich kleinen Spielen – die entscheidenden Prozente weniger, was sich dann vor allem in einer mangelhaften Defensivleistung niederschlägt.

So hatte ich in den vergangenen Wochen stets den Eindruck, dass im Spiel gegen den Ball der letzte Biss und die nötige Aggressivität gefehlt haben – und zwar in allen Mannschaftsteilen. Denn: So wichtig Organisation und taktische Disziplin auch sind, wenn du in der Defensive nicht bereit bist, an deine Grenzen zu gehen und die „Drecksarbeit“ zu verrichten, nützt dir das beste taktische Konzept nichts. Zudem vermisse ich diese unbedingte Siegermentalität, die das Team vergangene Saison so stark gemacht und am Ende auch so einige Punkte gerettet hat. Wenn es sein musste, hat man in der letzten Spielzeit den Ball auch mal gefühlt mit purer Willenskraft im gegnerischen Gehäuse untergebracht.

Die aktuellen Mängel alleine auf die Abgänge von James und Morata zu schieben, ist mir persönlich zu einfach, man muss sich auch in diesem Fall eingestehen, dass das Spiel im letzten Drittel gegenwärtig oftmals extrem statisch wirkt und es an ziemlich banalen Dingen wie Laufbereitschaft fehlt. Gelingt es Zidane, den unglaublichen Spirit und die Aufopferungsbereitschaft der vergangenen Saison wieder zum Leben zu erwecken, ist in meinen Augen schon ein großer Schritt getan – das gilt sowohl für die Defensive als auch die Offensive.

Wenn dann auch noch die zuletzt kriselnden Carvajal und Marcelo wieder in die Spur finden und Akteure wie Bale oder Kovačić, der durch seine Fähigkeit, gegnerische Linien durch Tiefenläufe zu durchbrechen, in meinen Augen eine enorme Waffe darstellt und der Mannschaft in den letzten Wochen extrem gut getan hätte, schnell den Anschluss finden, ist in dieser Saison wieder einiges möglich. Auch noch in der Liga. Was die „Torschusspanik“ von Ronaldo und Benzema anbelangt, glaube ich weiterhin an eine temporäre Erscheinung. Wenn hier einmal der Knoten platzt, werden auch die zwei wieder in schöner Regelmäßigkeit ihre Tore erzielen.

Phantom2 (REAL TOTAL-Community): Wieso wird Zidane auf den PKs vor und nach den Spielen nie auf die für uns alle klar ersichtlichen spielerischen Defizite seiner Mannschaft angesprochen?
Wie groß ist der Druck nach der erfolgreichen letzten Saison auf ihn, nachdem die Mannschaft diesmal praktisch raus aus dem Titelkampf in der Liga ist?
Wird Zidane an seinem Personal festhalten oder stehen personelle Änderungen seiner Stammformation im Raum, sobald wieder alle fit sind? 

An dieser Stelle muss man so fair sein und sagen, dass kritische Fragen in diese Richtung durchaus gestellt werden, Zidane aber ein Meister darin ist, solchen Fragen auszuweichen. Die Intention dahinter ist klar: Er will die Mannschaft schützen. Das mag dann manchmal etwas seltsam klingen, wenn Zidane auch nach schwachen Partien von guten Leistungen spricht, dadurch will er in meinen Augen aber lediglich den medialen Druck von seinem Team nehmen. Intern sieht das sicherlich ganz anders aus.

Als Trainer bei Real Madrid ist die Situation eigentlich ganz einfach: Du brauchst (große) Titel, um bestehen zu können. Deshalb glaube ich nicht, dass der Druck auf Zidane nach der letzten Saison nun größer oder kleiner ist. Und auch wenn es aktuell wirklich ein wenig nach Durchhalteparolen klingen mag, würde ich die Liga zum jetzigen Zeitpunkt keineswegs aufgeben. Wenn der Rückstand im Februar/März sich noch immer in ähnlichen Bereichen bewegt, dann sollte man schon realistisch sein. Aber auch Barcelona wird in dieser Spielzeit noch eine Schwächephase durchleben und wie die letzten Wochen gezeigt haben, langt schon eine miese englische Woche, um die Situation komplett auf links zu drehen. Man sollte Zidane jetzt weiter in Ruhe arbeiten lassen, dann werden wir am Ende der Saison auch wieder mindestens einen großen Titel in der Händen halten, davon bin ich überzeugt.

Sollte sich in den kommenden Wochen nun wirklich die Situation einstellen, dass (nahezu) alle Spieler fit sind, muss ich ehrlich gestehen, dass ich nicht sagen kann, welche „Stammformation“ Zidane ins Rennen schicken wird. Klar, er wird weiter viel rotieren, um die Stimmung aufrecht zu erhalten und mit den Kräften zu haushalten. Aber wie es dann in den großen Spielen aussieht? Einen Isco kannst du in der aktuellen Verfassung nicht auf die Bank setzen, dass ein Bale allerdings eher als Joker eingesetzt wird, kann ich mir auch nicht wirklich vorstellen. An dieser Stelle maße ich mir wirklich keine Prognose an. Aber durch Bales neuerliche Verletzung sind derlei Gedankenspiele ja leider erst mal wieder zwecklos. Wovon ich allerdings überzeugt bin, ist, dass Mateo Kovačić mehr und mehr Spielzeit bekommen wird und Modrić langsam aber sicher als Stammspieler ablöst. Vielleicht noch nicht in den großen Partien, aber die letzten Wochen haben wieder einmal gezeigt, dass Modrić in englischen Wochen zunehmend Probleme bekommt und Kovačić hat bis zu seiner Verletzung bereits angedeutet, dass er dieses Jahr für noch mehr Verantwortung bereit ist.

Yannick Wittwer (Facebook) und weitere: Was würdest du als Trainer – unter Nennung konkreter Namen – am Kader verändern im Winter-Transferfenster?
Die Frage ist doch, welcher Spieler hilft dem Verein auf der Stelle weiter? Das heißt A: Er muss in der Champions League spielberechtigt sein. Und B: Er sollte keine Anpassungsprobleme haben und im Idealfall auf der Stelle funktionieren. Sofern sich die Möglichkeit ergäbe, Mariano wieder aus Lyon zurückzuholen, würde ich auf der Stelle zuschlagen. Er würde als wuchtiger, dynamischer Mittelstürmer perfekt in das Anforderungsprofil passen und hätte wohl auch keinerlei Probleme, sich in die Mannschaft zu integrieren. Da ich mir aber nur schwer vorstellen kann, dass Lyon seinen Goalgetter nach nur einem halben Jahr wieder ziehen lässt, wird Real im Winter die Füße still halten. Was in Anbetracht mangelhafter Alternativen auch Sinn macht. Für die anderen Positionen sehe ich keinen Handlungsbedarf, da ich die aktuellen Probleme, wie bereits beschrieben, in anderen Bereichen sehe.

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George (REAL TOTAL-Community): Benzema steht regelmäßig in der Kritik, weil er einfach das Tor nicht trifft. Auch wenn seine Rolle im Team anders interpretiert wird und er wohl besonders für Ronaldo ein wichtiger Spieler ist, sollte ein Spieler auf seiner Position doch zumindest die Hundertprozentigen treffen. Wie viel trägt Benzema zur aktuellen Schlappe bei und wie viel Geduld würdest du noch mit ihm haben?
Letzte Saison hat die Bank viele Spiele mit wichtigen Toren (Morata!) noch gedreht, diese Saison sieht es bisher anders aus. Welche Alternativen würdest du verpflichten?
Mir wird im Fall Benzema zu wenig differenziert. Ja, er vergibt aktuell zu viele Torchancen, und nach solchen Auftritten wie gegen Las Palmas, als er sich komplett hängen ließ, darf man ihn auch kritisieren. Aber ihm aufgrund von ein paar vergebenen Hochkarätern nun komplett jegliches fußballerisches Talent und seine Daseinsberechtigung im Kader abzusprechen, ist für mich einfach kompletter Nonsens. Gerade das Spiel gegen Las Palmas hat gezeigt, dass das Problem mit dem Toreschießen aktuell vor allem Kopfsache ist. Derart hochgradig verunsichert habe ich Benzema während seiner neun Jahre in Madrid noch nie gesehen, die Angst vor einem weiteren Fehlschuss konnte man ja geradezu in seinen Augen ablesen.

Und auch wenn die Leistungen bereits in der vergangenen Saison extrem schwankend waren, wird immer zu schnell vergessen, dass Benzema dem Spiel der Königlichen so verdammt viel geben kann. Ich sehe – außer möglicherweise Robert Lewandowski – keinen Stürmer in Europa, der über einen derart starken ersten Kontakt verfügt, Bälle behaupten kann und gleichsam ein so hohes Maß an Spielintelligenz an den Tag legt. Benzema war noch nie der „Überknipser“, der wie Ronaldo 50 Tore pro Saison erzielt, hat aber regelmäßig trotzdem seine 20 bis 30 Treffer pro Saison gemacht. Und dass er derart viele klare Torchancen vergibt, ist denke ich nur eine temporäre Phase, wie sie bei jedem Stürmer einmal vorkommt. Er hat ja diese Saison auch schon richtig gute Spiele gemacht, wie beispielsweise in der Supercopa. Was ihn aber natürlich nicht von jeglicher Kritik freispricht, besonders nach solchen Auftritten wie gegen Las Palmas. Alles in allem führt für mich aber kein Weg an „Benz“ vorbei, denn bei aller Klasse, die auch Morata mitbringt: An die spielerischen Qualitäten des Franzosen reicht er einfach nicht heran – und diese ist für Reals Spiel ein essentieller Baustein.

Die (Nicht)Besetzung der Stürmer-Backup-Position ist für mich hingegen aktuell der einzige Aspekt, wo man der Vereinsführung einen großen Vorwurf machen kann. Mich stört dabei nicht einmal, dass man Morata hat ziehen lassen. Er wollte mehr Spielzeit und war unter dem Strich wohl einfach nicht zu halten. Dass man das allerdings nicht vor Marianos Wechsel zu Lyon geklärt hat, wirkt schon leicht dilettantisch in Bezug auf die Kaderplanung. Man hatte den perfekten Back-Up, der sich mit seiner Rolle voll abgefunden hätte und noch dazu über die benötigten Qualitäten verfügt, eigentlich schon im Kader und steht jetzt ohne wirklichen Ersatz da, weil man Mayoral augenscheinlich doch nicht so ganz vertraut. Jetzt im Winter kurzfristigen Ersatz zu finden, der auch sofort hilft, halte ich, wie bereits beschrieben, für utopisch. Da Mbappé, den ich liebend gerne in Madrid gesehen hätte, wohl ebenso erstmals keine realistische Option ist, führt für mich im Sommer kein Weg an einer Rückhol-Aktion von Mariano vorbei.

Dilot M’Bombo (Facebook): Was hältst du von Nabil Fekir, wäre so ein Spieler nicht perfekt für unsere Offensive? Es trifft ja keiner, wenn CR7 eine Ladehemmung hat.
Wenn Fekir seine Leistungen konstant bestätigen kann, ist er mittelfristig eventuell ein interessanter Spieler. Aktuell besteht für seinen Spielertyp in meinen Augen allerdings kein Bedarf. Er ist ja doch eher Spielmacher als reiner Stürmer, wenngleich er aktuell natürlich trifft wie am Fließband. Ich verbleibe aber doch lieber mit Mariano, weil dieser Spielertyp der Mannschaft aktuell einfach abgeht.

Kevin Plörer (Facebook): Ich denke, dass wir noch einen Stürmer mit Weltklasse-Format brauchen. Griezman wäre im Winter zu haben für 100 Millionen, was haltet ihr davon? Ein mitspielender Stürmer der gerne den tödlichen Pass spielt und kein typischer Neuner ist.
Ich denke, dass man zu hundert Prozent sagen kann, dass dieser Wechsel so nie stattfinden wird. Deshalb ist es auch hinfällig, sich umfassender mit diesem Thema zu beschäftigen. Zumal ich für den Spielertypen Griezmann aktuell auch keine Verwendung sehen würde.

marcelo144 (REAL TOTAL-Community): Glaubst du Ødegaard kommt zurück?
Ganz klar: Ja! Auch wenn ich davon ausgehe, dass er nächste Saison nochmals verliehen wird, sehe ich ihn mittelfristig als Teil der ersten Mannschaft. Seine Anlagen sind derart herausragend, dass es fahrlässig wäre, in Zukunft nicht auf ihn zu setzen. Aber man darf nicht vergessen, dass der Junge immer noch erst 18 Jahre alt ist. Vielleicht dauert es also auch noch zwei oder drei Jahre, bis er endgültig bereit ist.

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Martin Ødegaard ist 2017/18 unangefochtener Stammspieler in Heerenveen – Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images

Los_Merengues (REAL TOTAL-Community): Wo siehst du Real Madrid in 5 – 10 Jahren? Ist man mit dem heutigen Kader gut gerüstet für die Ära nach Ronaldo, Ramos, Modric usw. oder gibt es noch Handlungsbedarf? Kann diese Mannschaft eine Ära (mit)prägen oder droht wieder eine Zeit der Erfolgslosigkeit? Kann man sich wirtschaftlich weiterhin steigern oder gibt es Grenzen? Was wird aus Pérez, Sánchez, Zidane usw.? Ist eine Prognose im heutigen sehr schnelllebigen Fussball überhaupt (noch) möglich?
Wo ich Real in den nächsten 5 – 10 Jahren sehe? In ähnlicher Position wie jetzt, nämlich unter den drei besten Teams der Welt. Daran wird auch der Abgang eines Ronaldo oder Ramos nichts ändern, da man mittlerweile über eine extrem gefestigte Kaderstruktur verfügt und die nächste Generation schon mit den Hufen scharrt. Klar, ein Übergangsjahr kann man niemals ganz ausschließen, wenn derart erfahrene und fußballerisch überragende Säulen wegbrechen, aber ich sehe aktuell bis auf den Torwart und den Sturm keine Position, auf der man nicht über das nötige Potential verfügt, um auch mittelfristig weiter in der Weltspitze zu bleiben. Und ich bin mir sicher, dass man spätestens im Sommer auf den Engpass im Sturm reagiert und entsprechend nachlegt. Für das „Problem“ auf der Torwartposition hat man ja noch ein wenig Zeit. Ob die nächste Generation dann ebenso erfolgreich sein wird wie die aktuelle? Das lässt sich seriös nicht beantworten, weil sich im Fußball schon Prognosen für den Zeitraum von einem Jahr als heikle Sache erweisen. Eine ähnliche Durststrecke wie in den 2000’ern erwarte ich aber nicht, wenngleich es vermessen wäre, die gleiche Anzahl an Champions-League-Titeln zu erwarten. Im Umkehrschluss kann ich mir aber vorstellen, dass man mittelfristig national wieder erfolgreicher wird, da auch Barcelona mit Iniesta, Messi, Busquets und Co. ein nicht unerheblicher Aderlass bevorsteht. Aber im Fußball spielen so viele Faktoren eine Rolle, dass sich die Situation in zwei oder drei Jahren schon wieder komplett anders darstellen kann.

Bezüglich des wirtschaftlichen Wachstums sehe ich aktuell erst mal keine Grenze, vor allem durch die fortschreitende Internationalisierung ist – und das gilt für den gesamten Fußballmarkt – noch immer erheblich Luft nach oben. Das Entscheidende ist aber ohnehin, die Ressourcen richtig einzusetzen und eine gesunde Symbiose zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und sportlichem Erfolg zu erreichen. Wie es allerdings nach Pérez und Sánchez weitergeht, ist eine gute Frage. Besonders ein Abgang von Sánchez würde dem Verein extrem wehtun, gilt er doch als der heimliche Architekt der unter Pérez geschaffenen Markenstrategie des Klubs und ist vor dem Hintergrund seines Philosophie-Studiums als abstrakter Querdenker ein wichtiges Puzzlestück des (wirtschaftlichen) Erfolgs der letzten Jahre, hat sich seit Abschaffung des Sportdirektor-Postens allerdings auch als Kaderplaner einen Namen gemacht. Da Pérez jedoch noch sein letztes großes „Baby“, den Bernabéu-Umbau, fertig stellen möchte und Sánchez mit 49 Jahren (hoffentlich) noch ein paar berufliche Jahre vor sich hat, ist auch hier noch ein wenig Zeit, um die Nachfolger-Frage zu klären. Dass dies in Anbetracht der guten Arbeit Pérez‘ und Sánchez‘, insbesondere in den letzten Jahren, allerdings eine Mammutaufgabe wird, steht außer Frage, weshalb man sich in meinen Augen schon jetzt mit der strategischen Planung für die mittel- bis langfristige Zukunft des Vereins intensiv auseinandersetzen muss. Im Fall von Zidane ist eine Prognose schwierig, da auch er letzten Endes von den Ergebnissen bzw. Titeln abhängig sein wird. Eine gleichwertige Alternative zu Zidane sehe ich aktuell allerdings nicht.

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Real Madrid hat einen durchwachsenen Saisonstart hinter sich und ist noch auf der Suche nach der Form der letzten Rückrunde. Trotz der spielerisch alles andere als ansprechenden Leistungen in den letzten Wochen sind für REAL TOTAL-Redakteur Yannick Frei die Gründe der Krise vor allem mentaler Natur. Am in der Kritik stehenden Karim Benzema führt für ihn trotz Torflaute weiterhin kein Weg vorbei.
http://www.realtotal.de/meine-meinung-an-benzema-fuehrt-kein-weg-vorbei/
11.11.2017, 09:00
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