Mord an Vater, Streit mit Mourinho, Partynächte: Drenthe offenbart sich

Royston Drenthe hat eine Karriere hinter sich, für die er vermutlich keine neidischen Blicke erhält. Der Niederländer erlebte mit dem Wechsel zu Real Madrid schon im Alter von 20 Jahren den Höhepunkt seiner Laufbahn, stürzte in der Folge aber immer weiter ab, weshalb er die Schuhe im Februar mit gerade einmal 29 an den Nagel hing. Die Stationen nach seinem Aus bei den Königlichen: England, Russland, wieder England, die Türkei und Dubai. Mit der Sportzeitung MARCA sprach Drenthe nun über das Erlebte.

Royston Drenthe Real Madrid Vergrößern

Drenthe wechselte 2007 von Feyenoord nach Madrid – Foto: Philippe Desmazes/AFP/Getty Images

ROYSTON DRENTHE über…

…die Biografie, die er schreibt, nachdem er seine Karriere im Februar beendete: „Es schien mir ein guter Moment für eine Biografie zu sein. Ich habe mit dem Fußball aufgehört und in 30 Jahren Dinge erlebt, die viele in 200 nicht erleben würden. Mein Vater wurde auf der Straße ermordet, als ich drei Jahre alt war. Meine Mutter verheimlichte es mir gegenüber für eine lange Zeit, um mich zu schützen. Sie sagte, es sei ein Unfall gewesen, aber die Wahrheit war eine andere. Es ist nicht einfach, damit klarzukommen. Mit dem Fußball habe ich aufgehört, weil ich nicht glücklich war. Ich war müde, enttäuscht, desillusioniert. Es machte mich nicht mehr glücklich, als Profi Fußball zu spielen, diese Welt mag ich nicht. Mir sind viele sehr schlechte Dinge passiert und ich spielte in den Emiraten. Daher sagte ich eines Tages: Schluss.“

…seine Zeit bei Real Madrid: „Es war von allem etwas dabei, aber ich war sehr glücklich. Real Madrid ist der beste Klub der Geschichte und ich habe dort gespielt. Das wird mir niemand nehmen können. Es gibt Top-Stars, die davon träumten, in Madrid zu spielen und es nie geschafft haben. Ich habe es geschafft und es sehr genossen, weil ich dort einen Traum gelebt habe. Ich werde Real Madrid immer im Herzen behalten, bin ein Madrid-Fanat. Ich habe gespielt mit (Fabio) Cannavaro, (Ruud) Van Nistelrooy, (Sergio) Ramos, Marcelo, Raúl, Guti, (Wesley) Sneijder, (Iker) Casillas… Spieler, die auch Legenden waren. Auch mit Cristiano Ronaldo, (Karim) Benzema… Es war ein Traum, mit ihnen zu spielen.“

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Drenthe und Marcelo, der weiterhin für Real spielt – Foto: Jasper Juinen/Getty Images

…seine Anfänge in Spanien: „Ich kam im Alter von 20 Jahren zu Real, als bester U21-Spieler Europas. Und ich erzielte in meinem ersten Spiel gegen Sevilla ein spektakuläres Traumtor. Die Leute erwarteten viel von mir und es ist nicht leicht, damit mit 20 Jahren umzugehen. Es hat sich für mich eine Menge geändert. Ich zog mit meiner Mutter von einem sehr kleinen Haus in eines, das Millionen wert war. Das Leben veränderte sich komplett.

…seine Partynächte in Madrid: „Ich ging aus, ja. Nicht jeden Abend, wie es gesagt wird, aber ziemlich oft. Oft musste ich heimlich raus gehen, weil es nicht der adäquate Moment war. Es ist aber nicht leicht, ‚Nein‘ zu sagen, denn als Spieler von Real Madrid bietet man dir viele Dinge an. Madrid ist eine sehr schöne Stadt, es gibt viele Restaurants, es wird viel gefeiert, es sind dort sehr schöne Frauen… Und du bist jung, Spieler von Real Madrid. Es sind viele Versuchungen. Ich ging mit einem Freund ins Casino und plötzlich näherten sich uns zwei sehr schöne Mädchen. Wir gingen zu viert in ein Hotel und hatten dort eine tolle Zeit. Am Ende trat aber das Problem auf: Sie forderten für sich jeweils eine Million Euro von uns. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das zahlen soll! Ich dachte, das sei nur ein Spaß. Und ich hatte kein Geld dabei, nur Karten! Mein Freund wollte auch nicht zahlen, weil es viel Geld war. Wir gaben ihnen am Ende alles, was wir im Casino gewonnen hatten.“ 

…seine Ausbootung bei Real: „Am Anfang spielte ich. Die Beziehung zu (Bernd) Schuster war gut. Die Probleme fingen unter (José) Mourinho an. Er ist derjenige, der für meinen Abgang von Real Madrid sorgte. Zwischen uns fielen einige sehr ernste Worte, weil ich nicht damit einverstanden war, was er mir gegenüber tat. 2010 begann ich die Saisonvorbereitung unter ihm und trainierte sehr hart und ernsthaft. Ich fühlte mich super und war enorm konzentriert. Marcelo war zudem verletzt, weshalb ich Hoffnungen hatte, zu spielen und erfolgreich zu sein. Und plötzlich rief er mich am letzten Tag des Transfermarkts an und sagte mir, dass ich gehen muss. Ich hatte weniger als 24 Stunden Zeit, um mir einen Klub auszusuchen! Ich konnte es nicht glauben und wurde sehr ernst. Ich verlor ernste Worte, aber er sagte mir, dass er nichts dagegen tun könne, es eine Sache von (Jorge) Valdano sei. Am Ende ging ich auf Leihbasis zu Hércules Alicante.“

…das Kapitel in Alicante: „Wir haben super begonnen und sogar im Camp Nou 2:0 gewonnen. Das Problem war dann, dass wir nicht bezahlt wurden, weswegen ich nicht mehr zum Training ging. Dann rief mich Mourinho an und hielt mir eine gewaltige Standpauke! Ich sei ein Spieler von Real Madrid und könne so etwas nicht machen, sagte er mir. Man müsste sich ihn mal anschauen, wenn er nicht bezahlt wird! Von da an hat sich alles gewendet. Selbst die Fans kamen vor mein Haus, um mich zu suchen.“

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…sein Aus bei den Blancos: „Mourinho lehnte mich ab, als ich kam. Er wollte nicht, dass ich mich wegen dem, was ich in Alicante tat, der Mannschaft näherte. Ich trainierte allein, fühlte mich fatal. Ein sehr harter Moment, denn ich wusste, dass meine Karriere bei Real Madrid damit am Ende war. Ich habe dann in England gespielt, in Russland, in der Türkei… Aber die Probleme begannen mit den Beratern. Ich war deshalb nicht einzig und allein auf den Fußball konzentriert. Ich musste mich um all meine Verträge sorgen! Ich habe in der Zeit nicht schlecht gespielt, aber es folgte ein Problem nach dem anderen.“

…Streitigkeiten mit Real-Mitspielern: „Es gab den einen oder anderen Streit, ja. Mit (Javier) Saviola und (Fernando) Gago. Bei Gago bevorzuge ich es, nichts zu sagen, wirklich. Mit Saviola ging ich besser auseinander. Ich forderte in einem Training von ihm, dass er mir den Ball zuspielt. Viermal. Saviola, Saviola, Saviola, Saviola! Das Typische in einem Spiel oder Training. Er hielt an und gab mir einen Schubser. Es tat mir nicht weh, dass er das tat, sondern dass er das nur gegenüber mir tat und niemals gegenüber anderen. Ich bat um den Ball und er regte sich auf. Aber wir haben gesprochen und alles wurde geklärt. Dann hatten wir sogar ein gutes Verhältnis.“

…seine Zukunft: „Mal sehen, was sie bringt. Ich bin entspannt. Mich kümmert nur, dass meine Mutter und meine Kinder glücklich sind. Das ist für mich das Wichtigste. Der Rest, um ehrlich zu sein, ist mir ein bisschen egal.“

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Mord an Vater, Streit mit Mourinho, Partynächte: Drenthe offenbart sich
Royston Drenthe hat eine Karriere hinter sich, für die er vermutlich keine neidischen Blicke erhält. Der Niederländer erlebte mit dem Wechsel zu Real Madrid schon im Alter von 20 Jahren den Höhepunkt seiner Laufbahn, stürzte in der Folge aber immer weiter ab, weshalb er die Schuhe im Februar mit gerade einmal 29 an den Nagel hing. Die Stationen nach seinem Aus bei den Königlichen: England, Russland, wieder England, die Türkei und Dubai. Mit der Sportzeitung MARCA sprach Drenthe nun über das Erlebte.
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10.11.2017, 17:11
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