Noten zum Tottenham-Rückspiel: Das ist nicht Real Madrid

Man muss schon eine Weile zurückblicken, als ein Team von Real Madrid in der Champions League derart vorgeführt wurde. Defensive Unkonzentriertheiten gingen im Wembley Hand in Hand mit offensiver Lustlosigkeit und gänzlich fehlendem Esprit in allen Mannschaftsteilen. Hervorzuheben an diesem Mittwochabend: niemand. Die REAL TOTAL-Einzelkritik zum 4. Spieltag der Champions-League-Gruppenphase 2017/18.

Cristiano Ronaldo Real Madrid Vergrößern

Gar nicht königlich: Real ist weit von seiner Top-Form entfernt – Foto: Laurence Griffiths/Getty Images

Startelf

Kiko Casilla

Die etatmäßige Nummer zwei erlebte in London einen vergleichsweise schwachen Auftritt. Obwohl nicht übermäßig geprüft, sah Casilla beim 0:1 nicht gerade glücklich aus und auch sein Spiel mit dem Ball ist weiterhin verbesserungswürdig. Hatte wenig Möglichkeiten sich auszuzeichnen, war jedoch bei den Gegentreffern zwei und drei machtlos. An den von Ramos abgefälschten Schuss kann er genauso wenig rankommen, wie an den cleveren Abschluss von Eriksen vor dem 0:3. Ein insgesamt sehr bitterer Abend für den Schlussmann. REAL TOTAL-Note: 4.

Achraf Hakimi

Obwohl der marokkanische Nationalspieler in Abwesenheit von Dani Carvajal natürlich immer noch ein wenig Welpenschutz genießt und auch verdient, liegt noch viel Arbeit vor Trainer Zinédine Zidane. Hakimi erlaubte sich zwar defensiv keine größeren Schnitzer, Sicherheit und Stabilität konnte er der Mannschaft jedoch auch nicht verleihen. Dazu offensiv zwar mit gesundem Engagement ausgestattet, jedoch auch oftmals zu unpräzise und nicht zwingend genug mit seinen Hereingaben. Immerhin zwei Torabschlüsse konnte der Rechtsverteidiger verbuchen. Die überraschende Beförderung zum Stammspieler, der alle drei Tage ein Pflichtspiel absolvieren muss, geht auch an dem 18-Jährigen nicht spurlos vorbei. REAL TOTAL-Note: 4.

Nacho Fernández

Einiges an Licht, aber eben noch etwas mehr an Schatten – so könnte man den Auftritt des Eigengewächsesw zusammenfassen. Gute Ausstrahlung, Geschwindigkeit und aufmerksame Rettungsversuche paarten sich mit ungewohnten Leichtsinnigkeiten und schwachem Stellungsspiel, vor allem im Verteidigen von Flanken. Zusammen mit Nebenmann Ramos in der ersten Halbzeit noch der konstanteste Real-Akteur, ließ sich Nacho im zweiten Spielabschnitt von seinen Teamkameraden anstecken und strahlte kaum noch Sicherheit und Souveränität aus. Tottenhams spritzige und quirlige Offensivabteilung brachten den Spanier sichtlich an seine Grenzen. REAL TOTAL-Note: 4,5.

Sergio Ramos

Noch der Beste in einer indisponierten Viererkette. Der Kapitän ging mal wieder mit starker Körpersprache voran und vereitelte vor allem in der ersten Halbzeit einige gute Gelegenheiten der Spurs. Beim 0:2 zwar noch leicht im Pech, als er den Schuss von Dele Alli unhaltbar für Casilla ins kurze Eck abfälscht, darf er in der Entstehung des dritten Gegentreffers unter gar keinen Umständen Alli den Zweikampf im Mittelfeld gewinnen lassen. Ein erfahrener Innenverteidiger wie der Andalusier muss dann im Notfall auch mal die Gelbe Karte für ein taktisches Foul riskieren. Auch bei Flankenversuchen wirkte Ramos, aufgrund von schlechter Abstimmung, nicht immer sattelfest. REAL TOTAL-Note: 4.

Marcelo

Wer ist dieser Lockenkopf, der aktuell das königliche Jersey mit der Nummer 12 trägt? Der Brasilianer Marcelo, der letzte Saison den mit Abstand spektakulärsten Linksverteidiger der Welt darstellte, kann es nicht sein. Übermotiviert und unpräzise in seinen „Offensivbemühungen“, lasch im Zweikampf und mit katastrophalem Stellungsspiel: So präsentierte sich M12 im Wembley. Beispielhaft hierfür steht das Führungstor der Engländer, als er einen Diagonalball vollkommen falsch einschätzte und so die Flanke nicht verhindern konnte (auch wenn es knapp Abseits war). Real braucht dringend wieder den gewohnten Marcelo, der mit seiner Power und Finesse oftmals das nötige Salz ins Madrider Offensivspiel bringt. REAL TOTAL-Note: 6.

Casemiro

Auch die brasilianische Dampfwalze hat schon mal für mehr Schrecken bei seinen Gegenspielern gesorgt. Trotz fünf gewonnener Zweikämpfe (Topwert) wirkte „Case“ in London teilweise etwas stümperhaft in seinem Defensivverhalten. Bei einem Zweikampf mit Dele Alli kurz vor der Halbzeit noch zwischen Genie und Wahnsinn, sah er bei einigen Duellen, insbesondere mit Kane, überhaupt nicht gut aus: Ließ sich beispielsweise vor dem zweiten Gegentreffer viel zu leicht von Allis Schussversuch täuschen, indem er sich mit einer Grätsche vollkommen aus dem Spiel nimmt. Im sehr schleppenden und uninspirierten Aufbauspiel seiner Teamkollegen so gut wie gar nicht eingebunden, ließ er sich in der zweiten Halbzeit oft zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, um von dort aus das Spiel anzukurbeln. Auch dies mit sehr überschaubarem Erfolg. REAL TOTAL-Note: 4,5.

Luka Modrić

Jeder Fan der Königlichen weiß: Hakt es bei Luka Modrić, hakt es im gesamtem Madrider Spiel. Zusammen mit seinem ansonsten kongenialen Tandempartner Toni Kroos und den beiden Außenverteidigern stocken wahrscheinlich die elementarsten Bestandteile im königlichen Gesamtgefügen an allen Ecken und Enden. Defensiv noch mit einigen Balleroberungen und guter Antizipation, fehlte es dem Kroaten an allem, was ihn sonst auszeichnet: Spielwitz, Dynamik, Schlüsselpässe. Einstellungsprobleme kann man „Lukita“ zwar nicht vorwerfen, die dringend benötigten genialen Impulse blieb der 32-Jährige jedoch vollkommen schuldig: Lediglich ein Dribbling und ein Keypass standen Abend zu Buche. Wirkte wie viele seiner Mitspieler verkrampft und verunsichert. Worte, die man sonst vergebens mit Modrić in Zusammenhang bringen kann. REAL TOTAL-Note: 5.

Toni Kroos

Die stark fallende Formkurve des Greifswalders setzte sich auch auf der Insel weiter fort. Sonst als „Mister Zuverlässig“ bekannt, der eigentlich so gut wie nie ein schwaches Spiel bestreitet, häufen sich auch beim Deutschen in jüngster Vergangenheit bislang unbekannte Präzisionsfehler. Sowohl bei den Diagonalbällen, als auch beim Flachpassspiel. Normalerweise Fähigkeiten, die Madrids Nummer acht im Schlaf beherrscht. Trotz 102 Ballaktionen zu keiner Zeit Dirigent im Aufbauspiel. Dazu gesellten sich außerdem noch eine sehr negative Körpersprache und nicht vorhandenes Zweikampfverhalten in der Rückwärtsbewegung, sowie viel zu frühes Anlaufen beim Pressing. Ebenfalls auffällig: Kaum Präzision und Schärfe bei der Ausführung von Standardsituationen. Der Deutsche wirkt zur Zeit etwas definitiv überspielt. REAL TOTAL-Note: 5.

CAD ROTATOR 1

Isco

Wie in den vergangenen Wochen noch der bemühteste Spieler in einer insgesamt katastrophalen Offensivleistung. Zwei Torabschlüsse, mehrere Keypässe und sinnvolle Seitenverlagerungen, sowie 83 Ballaktionen bis zu seiner Auswechslung in der 75. Minute zeugen von einer zumindest engagierten Leistung des Spaniers. Versuchte sich im Laufe des Spiels immer wieder die Bälle aus dem Halbfeld abzuholen, da es ihm vollkommen an Unterstützung seiner Mittelfeldkollegen fehlte. Auch das Kombinationsspiel mit seinen beiden Vorderleuten, Karim Benzema und Cristiano Ronaldo krankte enorm – schlechtes Timing, ungenaue Pässe und kaum direktes Spiel prägten insgesamt den Abend des Offensivtrios. Isco versprühte trotzdem als einziger Madrilene das Gefühl, zumindest ein wenig Spaß am Fußballspielen zu haben. REAL TOTAL-Note: 3.

Karim Benzema

Imponierende Ballbehauptungen, stets das Auge für den Mitspieler und eine ständige Gefahr für das gegnerische Tor – Harry Kane zeigte gestern Abend auf der ganz großen Bühne, dass er momentan der wohl beste und kompletteste Stürmer Europas ist. Madrids Nummer neun hingegen hatte mal wieder einen dieser phlegmatischen Auftritte, die der Franzose wohl niemals ganz auslassen wird. Zwischendurch zwar durchaus gewillt, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken, fehlte es dem Franzosen häufig an Timing im letzten Pass auf Sturmpartner Ronaldo, vor allem jedoch erneut an echter Torgefahr. Zwei zentral platzierte Schüsse auf den Kasten von Hugo Lloris produzierte Benzema lediglich. Zu wenig für einen Stürmer in Diensten von Real Madrid. War in der Londoner Innenverteidigung meistens bestens aufgehoben. REAL TOTAL-Note: 5.

Cristiano Ronaldo

„Mister Champions League“ trifft in seinem Wettbewerb weiter, wie er will – selbst an einem Abend wie diesem. Als Vollstrecker in vorderster Linie, litt der Portugiese insbesondere in der ersten Halbzeit von dem blutleeren Auftritt seiner Mitspieler. Wie nicht anders zu erwarten, erarbeitete sich Ronaldo mit zunehmender Spieldauer seine Einschusschancen dann eben selbst – auch wenn diese nicht immer zwingender Natur waren. Insgesamt sieben Torschüsse konnte der Weltfußballer am Ende des Abends für sich verzeichnen, inklusive der Ergebniskorrektur, als er mal wieder goldrichtig stand und den Ball entschlossen in die Maschen beförderte. An seiner destruktiven Körpersprache in schwächeren Spielen sollte der mittlerweile 32-Jährige trotzdem noch arbeiten. REAL TOTAL-Note: 3,5.

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Marco Asensio

Agierte nach seiner Einwechslung als zentrale hängende Spitze und leistete seinen Beitrag zur Wiedererlangung der Spielkontrolle. Keine Bewertung.

Theo Hernández

Fiel vor allem dadurch auf, dass er einen vielversprechenden Angriff durch einen katastrophalen Pass auf Hakimi in den Sand setzte. Keine Bewertung.

Borja Mayoral

Kam in der 73. Minute und war an Ronaldos Treffer zum 1:3 beteiligt. Keine Bewertung.

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Einzelkritik
Noten zum Tottenham-Rückspiel: Das ist nicht Real Madrid
Man muss schon eine Weile zurückblicken, als ein Team von Real Madrid in der Champions League derart vorgeführt wurde. Defensive Unkonzentriertheiten gingen im Wembley Hand in Hand mit offensiver Lustlosigkeit und gänzlich fehlendem Esprit in allen Mannschaftsteilen. Hervorzuheben an diesem Mittwochabend: niemand. Die REAL TOTAL-Einzelkritik zum 4. Spieltag der Champions-League-Gruppenphase 2017/18.
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02.11.2017, 01:18
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