Paintball, Feuerwerk, Vegas: Das irre Leben des Thomas Gravesen

Real Madrid steht dafür, außergewöhnliche Spieler zu verpflichten. Ein solcher Spieler war auch Thomas Gravesen. Auf seine ganz eigene Art und Weise.

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Thomas Gravesen spielte eineinhalb Jahre für Real Madrid – Foto: Cancan Chu/Getty Images

Der „Shrek“ unter den Galaktischen

MADRID. Florentino Pérez genießt seinen Ruf als Vater der Galaktischen. Noch heute klopft sich der Präsident von Real Madrid gerne auf die eigene Schulter, wenn er über die Zeit spricht, in der er Jahr für Jahr einen klangvollen Weltstar wie ein teures Spielzeug in seinem Palast, dem Estadio Santiago Bernabéu, präsentierte. Neben den Deals der Größenordnung Luís Figo, Zinédine Zidane, Ronaldo oder David Beckham reihten sich aber auch hin und wieder Transfers ein, von denen außer Pérez und seiner persönlichen Gilde niemand so recht überzeugt war. Man erinnere sich nur an Thomas Gravesen zurück. Den Schöpfer der legendären „Gravesinha“ – einem Trick, bei dem man sich den Ball rund einen Meter vorlegt und anschließend antäuscht, nach ihm zu grätschen – holte Pérez im Januar 2005 vom FC Everton in die spanische Hauptstadt.

Mit einer Ablösesumme von nicht einmal vier Millionen Euro konnte der Real-Boss kaum etwas falsch machen. Belächelt wurde er dafür dennoch. Alle wussten, dass der Kauf von Gravesen eigentlich nur der x-te verzweifelte Versuch war, die von Claude Makéléle hinterlassene Lücke im defensiven Mittelfeld zu schließen. Makélélé hatte Pérez eineinhalb Jahre zuvor höchstpersönlich abgesägt, indem er dem Franzose eine Vertragsverlängerung verwehrte und ihn an den FC Chelsea verscherbelte. Dass er damit ein großen, wenn nicht sogar den größte Fehler seiner ersten Amtszeit beging, merkte der Präsident, als es schon zu spät war. Er musste einen „Drecksarbeiter“ holen, um eine verkorkste Saison mit fast so vielen Gegentoren wie Toren zu retten. Und seine Wahl fiel auf Gravesen, auf „Shrek“, wie die spanische Presse den Glatzkopf taufte. Dessen technisches Niveau passte allerdings eher zu der Mannschaft, für die er in den späten Neunzigern seine Schuhe geschnürt hatte: dem Hamburger SV. Außerdem bedachte Pérez nicht, dass der aufgedrehte Däne Probleme mit der spanischen Sprache haben könnte.

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Gravesen (l.) bei seiner Präsentation im Januar 2005 mit Real-Boss Pérez – Foto: Denis Doyle/Getty Images

Also überlegten es sich die Ballkünstler nach ein paar Trainingseinheiten immer zwei Mal, ob sie ihrem neuen Kollegen das runde Leder wirklich zuspielen sollten. Trotzdem wollte ihn jeder beim Abschlussspiel in seinem Team haben. Von seinen wilden, übermotivierten Grätschen hütete sich der Neuzugang nämlich auch auf dem Trainingsplatz nicht. Das kostete ihm gut eineinhalb Jahre nach seiner Verpflichtung letztlich auch seinen Job in Madrid. An einem heißen Vorbereitungstag im Sommer 2006 senste Gravesen Robinho um. Es kam zu einem Wortgefecht, ehe Gravesen gegenüber dem Brasilianer sogar handgreiflich wurde. Das neue Präsidium um Ramón Calderón – Pérez hatte wegen des ausbleibenden Erfolgs schon längst abgedankt – ergriff die Chance und verkaufte den Wüterich an Celtic Glasgow.

„Er schoss auf alles, was sich bewegte“

„El Loco“, der Verrückte, wie er bei Real von einigen Kollegen genannt wurde, war auf und davon. Dabei schien er sich in Valdebebas keineswegs so verrückt verhalten zu haben wie noch zu seiner Zeit in Liverpool. James McFadden, einer seiner früherer Mitspieler beim FC Everton, plauderte jetzt in einem Interview mit OPEN GOAL aus, womit sich Gravesen sein besonderes Ansehen wirklich verdiente.

„Tommy war ein brillanter Kerl. In jeder Hinsicht. Aber er war auch der hyperaktivste Kerl von allen. Vollkommen in Ordnung von Angesicht zu Angesicht. Aber in der Gruppe? Ein Albtraum“, sagte McFadden grinsend und holte Luft, um mit zwei kaum zu glaubenden Anekdoten fortzufahren: „Einmal nahm er eine Paintball-Pistole mit ins Training und schoss auf alles, was sich bewegte. Einfach so. An einem anderen Tag brachte er Feuerwerkskörper mit. Das Gebäude der Physios befand sich direkt neben dem Trainingsplatz. Der damalige Physio war um die 50, aber einer der fittesten Personen überhaupt und trainierte gelegentlich mit. Als er mit den verletzten Spielern über den Platz joggte, feuerte Gravesen mit einer Rakete auf ihn.“

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Vom Fußballplatz ins Casino

Momente wie diese machten Gravesen zu einem „etwas anderen Menschen, wie McFadden festhielt. Dieser etwas andere Mensch ist Gravesen auch noch heute. Ein Job als Trainer oder Manager? Zu langweilig. Der mittlerweile 41-Jährige lebt mit seiner Familie in Las Vegas und geht dort intensiv seiner wahrhaftigen Lieblingsbeschäftigung, dem Glücksspiel, nach.

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Gravesen (l.) ist mit dem amerikanischen Model Kamila Persse zusammen – Foto: Facebook/Kamila Persse

Gravesen mag auf den ersten Blick zwar nicht so erscheinen, aber er muss ein ziemlich kluger Mann sein. Der dänischen Tageszeitung BT zufolge legte er seine Einnahmen als Fußballer so geschickt an, dass ihm an seinem Karriereende nicht weniger als 100 Millionen Euro zur Verfügung standen. Damit zog er los in die Vereinigten Staaten, um seinen persönlichen amerikanischen Traum zu leben. Eine irre, eigentlich kaum zu glaubende Geschichte. Eine von vielen seinem Leben.

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Paintball, Feuerwerk, Vegas: Das irre Leben des Thomas Gravesen
Real Madrid steht dafür, außergewöhnliche Spieler zu verpflichten. Ein solcher Spieler war auch Thomas Gravesen. Auf seine ganz eigene Art und Weise.
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11.11.2017, 13:46
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