Rückkehrer Marcos Llorente: Für Real geboren

Er galt bis zum Ende der Transferperiode als Wackelkandidat, doch letzten Endes verhinderte sogar Zinédine Zidane höchstpersönlich einen Wechsel. Nun will Marcos Llorente nach seinem erfolgreichen Jahr bei Deportivo Alavés auch bei Real Madrid durchstarten und sich im hochdotierten Star-Ensemble der Königlichen einen Platz erkämpfen. Der Canterano schickt sich dabei an, in gigantische familiäre Fußstapfen zu treten – und soll eigentlich auch in der Nationalmannschaft mal einen ganz Großen beerben.

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Marcos Llorente will sich seinen Platz bei Real erkämpfen – Foto: Kirk Irwin/Getty Images

Llorente, der Lichtblick

MADRID. Es sind unruhige Tage an der Concha Espina. Zwar verabschiedeten sich die Real-Stars mit einem ordentlichen 3:0 über Las Palmas in die letzte Länderspielpause des Jahres, aber die Ergebnisse und überwiegend spielerisch dürftigen Auftritte der letzten Wochen hängen noch spürbar nach. Es wird über die Torflauten von Karim Benzema und Cristiano Ronaldo diskutiert, eine verfehlte Personalpolitik angeprangert, mangelnde Tiefe im Kader beschworen. Positive Erscheinungen, so zumindest der Anschein, sucht man aktuell vergeblich rund um das Estadio Bernabéu. Doch es gibt sie, diese Lichtblicke. Einer hört auf den Namen Marcos Llorente. Denn auch wenn der aus Alavés zurückgekehrte Canterano bislang auf nur 300 Einsatzminuten verteilt auf sechs Pflichtspiele blicken kann, hinterlässt der 22-Jährige einen formidablen Eindruck. Wenn er auflief, machte der ehemalige U21-Nationalspieler seine Sache überwiegend gut (REAL TOTAL-Durchschnittsnote 2,5), war gegen Las Palmas nach seiner Einwechslung sogar eine der entscheidenden Personalien auf dem Platz, da es ihm gelang, dem bis dahin defensiv phasenweise hektischen Spiel der Blancos zu mehr Ordnung und Struktur zu verhelfen.

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Genau aus diesem Grund haben sie den Jungen aus Laz Rosas nach seinem überragenden Jahr in Vitoria wieder zurückgeholt an die Concha Espina: Weil er ein Spiel unheimlich gut lesen und ordnen kann. Weil er gleichsam für Struktur im Spielaufbau sorgen und das Spiel des Gegners zerstören kann. Und weil er diese Mentalität verkörpert, die es einfach braucht, um beim selbsternannten größten Verein der Welt zu bestehen. Hinter Llorente liegt ein steiniger Weg, um endlich dorthin zu gelangen, wovon er schon immer geträumt hatte: für „sein“ Real Madrid aufzulaufen. Doch eigentlich war dieser Weg schon von Geburt an vorgezeichnet.

Adel verpflichtet

Der kleine Marcos Llorente Moreno erblickt am 30. Januar 1995 das Licht der Welt und hat eigentlich keine andere Wahl, als sich von Kindesbeinen an dem Fußballsport und Real Madrid zu verschreiben. Vater Paco Llorente war Profifußballer und trug sowohl für die Cantera als auch die Profis das königliche Trikot, Mutter María Ángela Moreno ist die Tochter der Blanco-Ikone Ramon Grosso, einst Mitglied der legendären Generation „Los Yé-Yé“ der 1960’er-Jahre, Onkel Julio Llorente lief ebenfalls für die erste Mannschaft der Merengues auf. Und dann ist da natürlich noch Großonkel Francisco „Paco“ Gento, der mit sechs gewonnen Europapokalen noch immer den Allzeitrekord innehält und mittlerweile zum Ehrenpräsident Reals ernannt wurde. Adel verpflichtet, lautete also das Motto für den Llorente-Sprössling.

Und tatsächlich: 2008 setzte auch Marcos die Familientradition fort und schloss sich der Cantera des spanischen Rekordmeisters an. Der Blondschopf durchlief Altersstufe um Altersstufe, doch der große Durchbruch Jahre später ließ sich in der Jugend nicht wirklich erahnen: Wachstumsprobleme machten Llorente zu schaffen, bei den Spielen blieb meistens nur der Platz auf der Bank oder gar Tribüne. Eine Situation, die sich in der Juvenil B unter einem gewissen Fernando Morientes allerdings ändern sollte: „Als ich kleiner war, spielte ich nie, nicht mal Dienstags im Training. Ich wurde erst in der Juvenil B unter Fernando Morientes Stammspieler. Die Saison begann ich, ohne zu spielen, ich war die ersten drei Partien auf der Tribüne, danach fing ich an, auf eigene Faust neben dem Mannschaftstraining zu arbeiten, und zog daraus viel Stärke. Ab dem fünften oder sechsten Liga-Spiel spielt ich alles. Von da an änderte sich alles und ich machte in der Juvenil A unter (Luis) Ramis so weiter“, beschrieb der heute 22-Jährige mal in einem Interview mit der MARCA seinen „Aha-Moment“.

Ebendiese Extraschichten waren eines der entscheidenden Puzzlestücke auf dem Weg nach oben – genauso wie die Unterstützung vom Papa Paco: „Die Extraschichten bestanden darin, an Robustheit, Stärke und alldem zu gewinnen. Ich tat dies mit meinem Vater, der immer ein wenig verrückt war, was das Training angeht, um es mal so zu sagen. Er trainierte immer viel, tat dies auf eigene Faust und ging laufen. Und es kam der Moment, als er sagte, ich solle das auch tun. In Las Rozas, wo wir leben, gibt es einen Nadelwald und dort gingen wir jeden Morgen zum Laufen hin.“

Marcos, der Musterprofi

Auch heute noch arbeitet der Rechtsfuß regelmäßig individuell an seiner Fitness und quält sich, wie diverse Videoaufnahmen nahelegen. Marcos ist ein Modellathlet. Wirkt extrem austrainiert. Das ist die Basis für sein intensives und kräftezehrendes Spiel. Und er ist ein absoluter Musterprofi, der auch neben dem Platz alles dafür tut, dass die Leistung auf dem Feld optimal ist. So befolgt er unter anderem eine ganz spezielle Diät: „Ich befolge eine paläolithische (Bezeichnung für das Altsteinzeitalter; d. Red.) Diät, angewendet auf den Fußball. Ich esse nur biologische Produkte, Fisch, mageres Fleisch, Geflügel und Reis, ausgewählte Hülsenfrüchte und nicht pasteurisierte Milch. Ich probiere nichts mit Weizen und sehr wenig Milchprodukte. Nicht mal Joghurt. Das basiert darauf, was in dieser Epoche gegessen wurde.“ Während seines Leihgeschäfts bei Deportivo Alavés schickt ihm sein Vater sogar regelmäßig Pakete mit eigens besorgten Lebensmitteln. Nichts soll schließlich dem Zufall überlassen werden.

Marcos Llorente Deportivo Alavés

Llorente im Trikot von Alavés – Foto: Octavio Passos/Getty Images

Dank seines unbändigen Ehrgeizes und Willen schaffte Llorente 2014 zunächst auch den Sprung in die Castilla, wird dort nach kleineren Anlaufschwierigkeiten sofort Stammspieler. Bereits zu diesem Zeitpunkt war bereits eigentlich klar: Dieser Junge wird Profi. Die entscheidende Frage war nicht mehr ob, sondern wann. Schon in Reals zweiter Mannschaft überzeugte der defensive Mittelfeldmann mit seiner unheimlichen Ruhe am Ball, dem technisch starken Spielaufbau und seiner taktischen Intelligenz. Auch wenn er immer wieder bei den Profis hineinschnuppern durfte, entschied man sich bei Real, sein Juwel behutsam aufzubauen. Unter Zinédine Zidane reifte der königliche Rohdiamant heran und entwickelte sich zu einem unangefochtenen Leistungsträger in Reals Reserve. Vor Beginn der Spielzeit 2016/17 war Llorente seiner Mannschaft allerdings entwachsen – und drängte selbst auf Einsatzzeiten in Spaniens höchster Spielklasse, weshalb man sich für ein Leihgeschäft zu Aufsteiger Deportivo Alavés entschied. Eine im Nachhinein goldrichtige Entscheidung.

Der neue Sergio Busquets?

In Vitoria offenbarte der Nachwuchsmann neben seinen spielerischen auch überragende defensive Qualitäten und machte sich als quirliger und unnachgiebiger Balleroberer ligaweit einen Namen. Besonders sein Auftritt beim 2:1-Überraschungscoup im Camp Nou blieb dabei im Gedächtnis, als er Lionel Messi und allen voran Neymar den Nerv raubte und sich mit spektakulären Tacklings ins Rampenlicht drängte. Apropos Barça: Da Llorente fortan konstant derartige Leistungen abrief, drängte sich relativ schnell der Vergleich mit einem ganz Großen der Branche auf: einem gewissen Sergio Busquets. Auch wenn zur spielerischen Leichtigkeit und dem taktischen Feingespür des Katalanen sicherlich noch einiges fehlt, erinnert Llorente von seinen Anlagen tatsächlich an den jungen Busquets. Und auf der iberischen Halbinsel hegt man mittlerweile mehr als nur leise Hoffnungen, dass der Madrilene in der Zukunft die Nachfolge des 29-Jährigen antritt. Dass er auch auf internationalem Niveau bestehen kann, bewies Llorente eindrucksvoll bei der U21-EM, als er neben Shootingstar Dani Ceballos zu den besten Spaniern gehörte und einmal mehr durch seine Ruhe am und sein emsiges Spiel gegen den Ball imponierte.

Zunächst gilt es allerdings, sich bei Real Madrid für regelmäßige Einsätze zu empfehlen und von Platzhalter Casemiro zu lernen. So, wie er es einst von Vorbild Xabi Alonso tat. In den nächsten Wochen dürften sich Llorente einige Möglichkeiten bieten, sich regelmäßig zu zeigen und für höhere Aufgaben zu empfehlen. Dass er mittelfristig Casemiro womöglich sogar ablöst, scheint dabei nicht undenkbar. Das Vertrauen der Verantwortlichen dafür besitzt er, wie die kürzliche Vertragsverlängerung bis 2021 bewies. Die fußballerischen Qualitäten bringt der Junge aus Las Rozas ebenso mit. Genauso wie die nötige Kämpfermentalität. Und dann ist da ja noch eine Familientradition, die es fortzuführen gilt.

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Reportage
Rückkehrer Marcos Llorente: Für Real geboren
Er galt bis zum Ende der Transferperiode als Wackelkandidat, doch letzten Endes verhinderte sogar Zinédine Zidane höchstpersönlich einen Wechsel. Nun will Marcos Llorente nach seinem erfolgreichen Jahr bei Deportivo Alavés auch bei Real Madrid durchstarten und sich im hochdotierten Star-Ensemble der Königlichen einen Platz erkämpfen. Der Canterano schickt sich dabei an, in gigantische familiäre Fußstapfen zu treten – und soll eigentlich auch in der Nationalmannschaft mal einen ganz Großen beerben.
http://www.realtotal.de/rueckkehrer-marcos-llorente-fuer-real-geboren/
14.11.2017, 08:59
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