Vom Campo de la Estrada bis zum O’Donnel Stadion

In den Anfängen des zwanzigsten Jahrhunderts wurde auf dem Bauplatz eines Marmorhändlers, durch eine Gruppe junger Fußballer, der bekannteste und erfolgreichste Fußballclub der Welt gegründet. 1912 wurde nach kurzer Zeit das erste echte Stadion in der Nähe der alten Plaza de Toros eingeweiht. Das Estadio O’Donnel.

Anfang 1897 gründeten Studenten der Institución Libre Enseñanza eine Sportgruppe, der sie den englischen Namen Football Club Sky gaben. Dieser stellte den eigentlichen Ursprung des Madrid Football Clubs dar. Unter diesen befreundeten Studenten, die nicht nur aus der Madrider Umgebung kamen, waren Namen wie die der Gebrüder Padrós, Palacios, Giralt, Gorostizaga, Neyra, Varela, Meléndez…, alles spätere Gründungsmitglieder des Madrid Football Clubs.

Campo de la Estrada

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts teilte sich Sky auf. Es entstanden einerseits unter dem Präsidenten Manuel Vallarino der New Football Club und andererseits, unter dem Präsidenten Julián Palacios und unterstützt durch eine Gruppe unruhiger junger Mitglieder, der Madrid Football Club.

Bedingt durch die Trennung und der Nähe zum Studienplatz, zog man auf das Grundstück des Marmorherstellers Estrada. Im primitiven Campo de la Estrada und unter der Führung des ersten Präsidenten Julián Palacios begann der Werdegang des noch inoffiziellen Vereins.

Gründung und Umzug

Im Dezember 1901 musste dieser Platz verlassen werden und der Verein zog in das neu entstandene Viertel de Pardiñas, direkt neben der Plaza de Toros. Für einen symbolischen Preis ,von jährlich 150 Peseten, wurde seinerzeit der Platz von Königin Cristina (Mutter von Alfonso dem XIII) gemietet.

In der neu entstandenen Calle de Alcalá gab es das Gebäude Casa de las Bolas (Haus der Bälle). In diesem befand sich die Taverne La Taurina. Hier wurden nicht nur die Pfosten der Tore aufbewahrt, sondern dort durften sich die Spieler auch umziehen.

Am 6. März 1902 war es dann endlich soweit. Unter dem Präsidenten Juan Padrós Rubio erfolgte die offizielle Anerkennung des Madrid F.C.. Drei Tage später wurde in der Zeitung `Heraldo del Sport´ folgende Meldung veröffentlicht:

„Am Sonntag den neunten des laufenden Monats (gemeint ist der 9 März) fand auf dem Platz in der Nähe der Plaza de Toros ein Fußballspiel statt, mit dem sich der Verein Madrid Football Club und sein erstes Team vorstellte.“

O’Donnell Stadion

Schon in der Spielzeit 1911/12 besaß der Madrid Football Club den besten Fußballplatz des Stadtteils Villa y Corte Madrileña. Die kontinuierliche Vergrößerung des Viertels und der damit einhergende Anstieg der Mitgliederzahl, zwang den Verein zu einem erneuten Umzug. Der neu ausgesuchte Platz befand sich zwischen den Straßen Duque de Sesto, Fernán González, Narváez und O´Donnell.

Das erste Stadion wurde in Eigenarbeit erbaut. Der Großteil der Mitglieder, unter ihnen Santiago Bernabéu und sein Bruder Marcelo, sowie ihre Freunde Pedro Parages, Julio Chulilla, Carlos Aparici, Bernardo Meléndez, José Irureta, Luis Saura…, legten bei der Planierung des Rasens, als auch beim Aufbau und der Befestigung der Sitze, selbst Hand an. Die hohen Zuschauerzahlen machten die Anbringung eines Schutzwalls von Nöten, der die Spieler von den Zuschauern trennen sollte. Das hierfür benötigte Geld musste von den Mitgliedern, sowie vom Präsidium, eigens aufgenommen werden. Mit Hilfe des französischen Holzvertreters Adrián Piera wurde eine weiße Holzwand um den Platz gezogen, die das Eindringen der Zuschauer aufs Spielfeld verhinderte. Der Spielbelag bestand, üblich für die damalige Zeit, nicht aus Rasen sondern nur aus Sand.

Schon vor der offiziellen Eröffnung des O’Donnel Stadions wurden mehrere Fußballspiele ausgetragen. Unter anderem im Juli 1912 gegen Español Barcelona. Die offizielle Einweihung fand dann am 31. Oktober 1912 mit einem Spiel gegen Sporting de Irún statt.

Das Modernste seiner Zeit

1914 wurde, verbunden mit einer hohen Investition, eine große Tribüne für die VIPs, die Familien der Spieler, sowie die Präsidentschaft gebaut. Diese bot 216 Personen Platz. Ebenso wurden in der Tribüne Metallsitze für ca. 600-800 Personen installiert. Das war bei einer Mitgliederzahl von 400 ‚Socios‘ großzügig bemessen.

1916 wurde eine neue Tribüne eingeweiht. Diese hatte 6.000 Plätze. Ebenso wurde für 7.000 Peseten ein vorfabriziertes, kleines Umkleidehäuschen aufgestellt. Diese, mit Duschen und Toiletten ausgestattete Umkleide, wurde schnell zum Neidobjekt der restlichen Madrider Fußballwelt. Nachdem man noch elektrisches Licht installiert hatte, betrugen allein die monatlichen Unkosten 25 Peseten.

Auch wurde zur damaligen Zeit vor jedem Spiel ein einzigartiges Ritual durchgeführt. Die Spieler trugen die Torpfosten zu eigens im Boden eingelassenen Metallschienen und befestigten die Netze eigenhändig. Trotzdem war das Stadion eines der modernsten seiner Zeit.

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