Von der Einweihung bis zur Weltmeisterschaft ´82

Sieben Jahre nach seiner Einweihung wurden die letzten Bauarbeiten beendet. Mit einem Fassungsvermögen von 125.000 sollte dieses Stadion ein Jahr später den Namen des besten Präsidenten in der Geschichte des Fußballs erhalten. In den folgenden Jahrzehnten sollten dort die größten sportlichen Erfolge erzielt werden. 1978 starb Bernabéu, vier Jahre bevor die Weltmeisterschaft in Spanien das Gesicht des Stadions wieder verändern sollte.

Von der Entstehung des Stadions bis zu Veränderung zur WM `82

Schon vor der Einweihung des neuen Stadions bekam Santiago Bernabéu viele Glückwünsche aus allen Teilen der Welt. Andere hätten sich mit dem Erreichten zufrieden gegeben und sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht, aber er nicht. Er hatte noch viele Ideen, die er umzusetzen gedachte. In seiner Vision (und die Zeit sollte ihm Recht geben) sollte Real Madrid mit seinen Mitgliedern eine innige Verbindung eingehen. Er glaubte, dass bedingt durch die stetig ansteigende Anzahl der Anhänger, auch dieses Stadion zu klein werden könnte. Deshalb trieb er die Fertigstellung der zweiten Phase besonders an. Diese sollte das Fassungsvermögen des Stadions auf die unglaubliche Zahl von 125.000 Zuschauern steigern.

Obwohl erst für den 24. März 1953 angesetzt, fing man kurz vor dem fünfzigjährigem Vereinsjubiläum, am 6. März 1952, mit den Bauarbeiten für den zweiten Abschnitt an. Beendet wurden diese am 19. Juli 1954. Damit hatte der Bau des Stadions die unglaubliche Anzahl von 26.000 Kubikmeter Beton, 2.000 Tonnen Eisenträgern und 6.000 Tonnen Zement verschlungen. Allein für die Verschalung wurden 131.000 Quadratmeter Holz benötigt. Die restliche Finanzierung wurde abermals durch Anleihen bei den Mitgliedern realisiert. Die Kosten die sich damit insgesamt auf 125.000 Pesetas beliefen, wurden von den 43.000 Mitgliedern aufgebracht. Am 15. Mai 1972 wurde die letzte Rate zurückgezahlt.

Mit 125.000 Zuschauern eine gelungene Einweihung

Am 19. Juli 1954 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen und mit einem Freundschaftspiel gegen Athletic Bilbao gefeiert. Die 125.000 Plätze verteilten sich auf 7.149 überdachte Sitzplätze, 24.079 offene Sitzplätze, 19.000 überdachte Stehplätze und 74.772 offene Stehplätze. Damit konnte man von sich behaupten das größte und modernste Stadion des Kontinents zu besitzen. Dieses wurde auch durch den berühmten englischen Architekten M. Williams bestätigt, als dieser zur Einweihung eingeladen wurde. „Dieses ist ohne Frage das modernste Stadion in ganz Europa“ sollen seine überlieferten Worte gewesen sein. Als architektonische Meisterleistung ist hier die erstmalige Konstruktion der wie ein Y geformten, hochaufragenden Tribüne zu sehen.

Dem Stadion fehlte nur noch der Name. In der Debatte, die am 4. Januar 1955 stattfand, wurden Namen wie “Neues Stadion Chamartín” oder “Castellana” vom Präsidenten selbst eingebracht. Allerdings hatten die Mitglieder eine klare Vorstellung wie der Name lauten sollte. “Estadio Santiago Bernabéu” wurde einstimmig ausgewählt. Ein Namenswechsel, der den Präsidenten niemals begeisterte.

In den nachfolgenden Jahren ragte die Arbeit am Flutlicht am meisten heraus. Diese Aufgabe wurde am 10. Januar 1957 der Firma Industrial Eléctricas Benito Delgado übergeben. Sie sollten aus dem Estadio Santiago Bernabeú das hell erleuchtetste Stadion machen. Das neue Flutlicht von 1.050 Lux übertraf  die 1.000 Lux des Stadions in Los Angeles, welches bis dato das hellste der Welt gewesen war.

Die Kapelle des Stadions

Mit einer heiligen Messe wurde am 7. April 1957 eine kleine Kapelle, welche sich unter den Aufgängen im Patio de Columnas befindet, eingeweiht. In ihr finden 500 Gläubige Platz.

1965 wurden die weit außerhalb gelegenen Büros in das Stadion integriert. Damit hatte man die ganze Administration unter einem Dach vereinigt. Als Anekdote sei zu bemerken, dass die erste offizielle „Sekretärin” in einem Café unterhalb der Wohnung des damalige Präsidenten Pedro Parages untergebracht war.

Am 14. Dezember 1972, zum 25. Jubiläum des Stadions, sollte ein Freundschaftspiel ausgetragen werden. Wieder wurde der Verein OS Belenenses aus Lissabon eingeladen. Dieses Spiel diente auch Francisco Gento als Abschiedspiel. Wiederum schrieb man Geschichte, indem man bei diesem Spiel, als erstes Stadion in Spanien, eine elektrische Spielstandsanzeige einführte.

Am 2. März 1977 wurden die Feiern für das 75. Jährige Jubiläum des Vereins im Stadion abgehalten.

Das Projekt von 1973: ein Stadium das nie gebaut wurde

Es ist seltsam, aber 1973 wurde beschlossen das Stadion einzureißen und ein neues, im Norden Madrids, zu erbauen. Diese Pläne aus dem Jahre 1964 wurden mit den hohen Haltungskosten eines Stadions, das seit 1953 keine großen Veränderungen erhalten hatte, begründet. Das Projekt wurde aber durch den damaligen Bürgermeister von Madrid, Arias Navarro, verhindert.

Abschied von Bernabéu, dem besten Präsidenten aller Zeiten

Der 2. Juni 1978 sollte ein trauriger Tag im Leben aller Real Fans sein. Santiago Bernabéu, seit 1943 Präsident und Gestalter von dem, was Real Madrid in der Welt darstellt, ist tot. Zu seinem Gedenken wird im Stadion, welches schon zu seinen Lebzeiten seinen Namen getragen hatte, eine ewige Flamme aufgestellt.

Am 3. September wird Luis de Carlos zum neuen Präsidenten ernannt. Jedoch passte der sichtbare Verfall, des in die Jahre gekommenen Stadions, nicht zu den sportlichen Erfolgen in den 80er Jahren. Da kam die nächste Weltmeisterschaft, die in Spanien stattfinden sollte, gerade Recht. Manche befassten sich mit der Idee, ein neues Stadion, eines wie es Bernabéu gefallen hätte, zu erbauen.

MOB bottom
  Copyright © 2017REAL TOTAL
Nach oben