Das einzige, das uns Barca voraus hat, ist ein eingespielteres Team und vielleicht noch hungrigere Spieler. Das ist aber auch keine Kunst, wenn man bedenkt, dass wir faktisch fast keine Vorbereitung hatten und immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen haben.
Das klingt nach wenig, ist doch aber viel. Alonso galt bereits im Mai/Juni als sicher, kam mit Unmengen Vorschusslorbeeren und sollte nicht weniger tun als den Madridismo von Carlos Schlafwagenfußball erlösen. Dann lagen wir alle falsch und den Hype hätte es nie geben dürfen. Hinzu kamen Transfers für 167 Millionen EUR - wie viele ehemalige Realtrainer wurden direkt bei ihrer Ankunft mit so vielen Neuzugängen ausgestattet? Die dürfte man an einer Hand abzählen können. Zur Abwechslung gab es hier auch mal nicht den 523. neuen Neymar, sondern wie du richtig sagst, wurde vor allem in der Abwehr perspektivisch nachgebessert. "Faktisch fast keine Vorbereitung" war im Sommer ebenfalls kein Anlass zum Ärger - hatte man sich doch auf die lukrative Klub-WM gefreut und die Spiele als richtige Tests gesehen, statt wieder irgendeine Asientour zu machen, die am Ende vielleicht kräftezehrender, aber weniger aussagekräftig sei. Verletzungen sind nirgendwo planbar, können aber sogar auf einen Trainer zurückzuführen sein, denn der bringt in der Regel seine bevorzugtes Team mit und falls nicht, ist er immer noch derjenige, der die Intensität in den Trainings vorgibt und bei dem alle Daten über die Verfassung der Spieler zusammenfließen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Alonso bloß in den Trainingseinheiten sagt, was wie gemacht wird, und all das Drumherum, also Regeneration, Belastungssteuerung, Ernährung, Kontrolle etc. steuern nicht seine Leute, sondern z.B. "Team Pérez". Das gibts nicht, das muss Hand in Hand gehen.
Das unser namenhaft so gut besetztes Mittelfeld so abschmiert, war dann eher schwer vorauszusehen. Ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass noch so viel Budget vorhanden war, um noch einen Topspieler fürs Mittelfeld holen zu können. Man hat ja auf RA mit Franco auch nochmal in die Zukunft investiert.
Eigentlich hätte man direkt nach dem Abgang von Toni Kroos handeln müssen. Allerdings vermute ich, dass in diesem Jahr das ganze Budget für Mbappés Handgeld draufgegangen ist.
Ich vermute, dass sich ein Transfer eines Mittelfeldspielers nur hätte realisieren lassen, wenn wir auch einen aus dem Mittelfeld verkauft hätten. Aber wen hätten wir vor zwei Jahren oder dieses Jahr aus dem Mittelfeld abgeben sollen? Richtig Kohle hätten da vermutlich nur Fede oder Tchouameni gebracht.
Guter Punkt mit dem Budget - kann ich mir vorstellen. Definitiv hätte ein technisch beschlagener, kreativer Mittelfeldspieler uns zwischen all den Athleten, die zwar kämpfen und laufen, aber kaum einen Angriff einleiten oder das Tempo vorgeben können, gut getan. Vermutlich ist die Vereinsführung hier sogar weitsichtiger als wir alle und peilt so einen Transfer bereits für die nächste Sommerpause an - was vermutlich auch bedeuten würde, dass Alonso von Anfang an die jetzige als Übergangssaison bekommt, wo Hinfallen quasi erlaubt ist. Denkt Pérez so? Ich weiß es nicht. Auf der anderen Seite ist es auch schwer vorstellbar, nach einer titellosen Saison direkt noch eine titellose Saison inkauf zu nehmen, "bloß" weil der junge Trainer noch Zeit braucht. Dafür muss Alonso schon wirklich Pérez Lieblingsschwiegersohn oder sowas sein.
Fakt ist leider: Die Hälfte der Saison ist jetzt vorüber und weder die Mannschaft noch einzelne Spieler haben unter Alonso einen nennenswerten Schritt nach vorn gemacht. Man zeigt sich phasenweise noch biederer als unter Ancelotti und ist ironischerweise abhängig von den Toren eines Mbappé, der große Anteile daran hat, dass das Mannschaftsgefüge nicht stimmt und nun irgendwo irgendwer entfernt werden
sollte, damit es wieder flutscht. Anzeichen für eine Wende gibt es fast nicht, außer man nimmt jetzt "Diesmal haben wir uns nicht abschießen lassen und nur knapp gegen Barca verloren".
Ob Alonso jetzt schlecht ist und weg muss, der Milliardenkader mit 167 Millionen EUR Verstärkungen immer noch zu schlecht ist, oder Pérez überall da, wo es geht, interveniert (warum auch immer), will ich schon gar nicht mehr beurteilen. Es darf auch so einfach nicht passen und danach sieht es aus. Die wirklich guten Spiele sind schnell aufgezählt und bleiben zum heutigen Tag nur Ausnahmefälle.