Aber inwiefern Fehlentwicklung? Läuft es nicht exakt wie schon immer in diesem Jahrhundert? Trainer funktioniert nicht dann weg und der nächste soll sein Glück probieren. Es ist halt eine Strategie die einem gefallen kann oder nicht. Das ist eine subjektive Präferenz. Objektiv gesehen kann man dem aber nichts entgegnen denn es funktioniert.
Würde man eine andere Strategie fahren, z.B. einen Trainer zu holen, diesen für 3 Jahre einzuplanen, ihm freie Hand bei Transfers lassen. Angenommen der Trainer fruchtet nicht was dann? Steht man mit nem Kader da mit dem ein neuer Trainer nichts anfangen kann und alles wieder von 0 aufrollen muss. Kaderleichen, Ausgaben.
Wenn man sowas macht dann muss man schon immenses Vertrauen in den Trainer haben und da reicht eine gute Saison am Anfang der Karriere halt einfach nicht.
Jede Strategie hat seine Vor- und Nachteile. Aktuell sprechen die Erfolge klar für den Weg den wir nun so lange schon fahren, bei dem solche Szenarien wie wir sie gerade erleben schon etliche Male vorkamen und es nichts daran geändert hat. Da draussen gibt es noch viele weitere Trainer, alle mit ihren Pros und Contras und darunter kann auch einer sein der das Ruder wieder rumreisst, so wie es bisher auch immer geklappt hat.
Nur weils mit Xabi nicht geklappt hat bedeutet das gar nichts.
Ja, das tut es, aber genau darin liegt der Knackpunkt für mich. "Es funktioniert schon" ist für mich kein Freifahrtschein, jede Entwicklung automatisch als richtig oder zukunftsfähig zu erklären. Mir fehlt einfach die Strategische Weitsicht.
Ich finde, dass sich der Fußball und die Konkurrenz in diesem Jahrhundert massiv verändert hat. Der Erfolg der letzten Jahre, und auch das soll jetzt kein Hate gegen die damaligen Trainer sein, kam nicht wegen der Trainerwechsel zustande, sondern trotz dieser. Wir müssen uns halt auch einfach eingestehen, dass unser Erfolg - zumindest in den letzten 13 Jahren - oft von außergewöhnlichen Spielergenerationen, Einzelqualitäten und einer finanziellen Überlegenheit zustande kam, die heute eben nicht mehr selbstverständlich ist. Früher hätten wir uns vor dieser Saison wahrscheinlich einfach Vitinha, Nuno Mendes und Co. gekauft und wären allein aufgrund der absurd hohen individuellen Qualität wettbewerbsfähiger. Heute werfen die ganzen Premier League, Scheich und Oligarchenvereine mit Geld um sich, als gäbe es kein morgen mehr. Da es nicht mehr selbstverständlich, dass die besten Spieler immer zu uns kommen.
Natürlich besteht die Gefahr, dass man bei langfristigen Planungen später einen unpassenden Kader hat. Aber genau das passiert doch jetzt auch schon. Wenn Trainer häufig wechseln, kann kein spielerisches Grundgerüst entstehen. Spieler werden für unterschiedliche Profile geholt, Rollen und Aufgaben ändern sich ständig und Automatismen fehlen. Das Ergebnis ist dann eben kurzfristiger Pragmatismus a la Ancelotti, statt nachhaltiger Dominanz. Die letzte Meisterschaft konnten wir 07/08, mithin vor 17 Jahren verteidigen.
Außerdem heißt Vertrauen ja nicht, dass man blind auf Shoppingtour gehen soll und alles das machen soll, was der Trainer will. Für mich heißt das, dass man sich gemeinsam hinsetzt, eine klare gemeinsame Idee definiert und diese bestmöglich, je nach Rahmenbedingungen, verfolgt.
Was du auch nicht vergessen darfst, ist, dass unsere Strategie nur rückblickend gut funktioniert. Wie viele Übergangsjahre, spielerisch schwache Phasen und Abhängigkeiten von individuellen Ausnahmespielern gab es denn in den letzten Jahren. Wann hat Real Madrid das letzte mal konstant guten und ansehnlichen Fußball als Mannschaft gespielt? Sobald die individuellen Ausnahmespieler mal nicht liefern, wie das seit eineinhalb Jahren der Fall ist, wird die Strategie deutlich risikoreicher. Darauf zu reagieren, bevor es dann komplett den Bach runter geht, ist für mich Strategische Weitsicht.
Zu Xabi nochmal: Für mich geht es da nicht um die Person an sich und das er der neue Messias geworden wäre. Mir geht es darum, dass wir das wohl begehrteste Trainertalent der Welt hatten und es nicht mal versucht haben, einen anderen Weg einzuschlagen. Und das sagte ich vorher schon: Immer kurzfristig zu reagieren wirkt irgendwann mehr wie Schadensbegrenzung als wie ein Plan bzw. strategisches Denken.
Wir können die Zeit nicht zurückdrehen und schauen, was bei einer anderen Herangehensweise am Ende rausgesprungen wäre.
Mir bereitet jedenfalls sorgen, dass wir uns die individuelle Klasse nicht mehr nach belieben dazukaufen können, weil es zwischenzeitlich eben Vereine gibt, die kein finanzielles Limit haben, was die Transferausgaben betrifft. Da unser bisheriges Erfolgsrezept aber darauf beruhte, sollten wir uns meiner Meinung nach mal einen Plan B für die Zukunft überlegen.