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wir haben jetzt erstmal genug sensible Südamerikaner zur Betreuung aufgenommen.
Da musste ich schmunzeln
Völlig richtig, ebenso wie deine Betrachtungen davor, die ich aus Platzgründen mal bewusst ausklammere. Eben darum ist es mir mittlerweile einerlei, ob Alonso "weg muss" oder nicht - das kann man sich aus den aktuellen Gegebenheiten ableiten, wenn man will, aber ich mache das nicht mehr zu meinem Kern der Debatte.
Auf der anderen Seite halte ich es für ebenso nicht weitsichtig genug, Alonso "reinzuwaschen", indem man ihn bei solchen Analysen übergeht und die Verantwortung durchweg bei der Vereinsführung sucht. "Pérez kauft nach Namen und nicht nach Notwendigkeit" ist im Kern ebenso Einzelkritik, mit der das Gesamtbild nicht gemalt wird. Du sagst ja selbst, dass er nicht frei von Fehlern ist. Ich sage: Die ausgewürfelt wirkenden Startformationen seit Monaten, die oft nicht nachvollziehbaren Wechsel im Spiel, die nur zu Saisonbeginn kurz aufgeflammten Ansätze eines Konzepts, die fragwürdige Laufleistung/Fitness der Spieler, die offensichtlich fehlende Konsequenz im Umgang mit gewissen Spielern, der fehlende Mut in Partien wie der gestrigen - das alles würde weder verschwinden, wenn Pérez plötzlich nicht mehr da wäre, noch wenn der Kader erneut hier und da aufgehübscht würde. Vielleicht ist Alonso auch genau jetzt in diesem Chaosklub gelandet und muss immer wieder zittern, eben weil bereits das große Bild seit Jahren nicht mehr stimmt? Nur dass Minus und Minus in unserem Fall mal nicht Plus ergibt.
So gut wie jede Position ist doppelt besetzt, zusätzlich gibt es hungrige Nachwuchsspieler. Sowas wie "Vinicius und Mbappé passt nicht, dafür kann Alonso nichts, die Misere liegt an Pérez" greift für mich genau so zu kurz wie die andere Seite, die meint, Alonso muss sofort weg, weil gestern Alaba reinkam.
Ich bin seit jeher hier im Forum wahrscheinlich einer der größten Kritiker im Hinblick auf Entscheidungen, die Trainer hier treffen.
Es gab noch keinen Trainer, den ich nicht kritisch angegangen bin und auch Alonso kritisierte ich direkt in der ersten Woche bei der Club WM hier im Forum und musste mir (verständlicherweise) etwas anhören.
Aber jetzt auf den Trainer draufzuhauen und die Community zu spalten, ist nicht die Lösung.
Vielmehr kennen hier alle die Ereignisse rund um unsere Diven. Jeder weiß, dass der Verein den Spielern viel zu viel Macht eingeräumt hat und infolgedessen die Mannschaft untrainierbar geworden hat.
Nun sitzt Xabi auf der Bank, hatte zu Beginn den erhofften Einfluss und alle waren glücklich, dass endlich eine Veränderung zu sehen ist.
Es gab den Bruch.
Nun gibt Xabi aber nicht auf. Stellt sich regelmäßg vor die Mannschaft und zeigt Größe. Er hat zwar langweilige Pressekonferenzen abgehalten, aber auch dafür gesorgt, dass die Flamme erlischt. Er hat nicht auf die Spieler eingeschlagen und blieb der Fels in der Brandung, egal wie stürmisch es wurde. Selbst Mourinho wurde in solchen Situationen schon nervös, dabei war er mal ein Genie, was den Umgang mit den Medien betrifft.
Jetzt zeigt nach einiger Zeit auch die Mannschaft, dass sie zurück zu diesem Erfolg will. Also sind die Mannschaft und Alonso auf dem Weg sich wieder zu finden um sich einen zu können.
Das benötigt aber Zeit und diese Zeit sollte man für einen Umbruch, einen derart brachialen, dem Trainer durchaus einräumen.
Ich bin nämlich der Überzeugung, dass ein Trainer wie Alonso diesem Team viel mitgeben kann.
Ja, vielleicht ist er etwas von seinen anfänglichen Plänen zurückgerudert und verfolgt sein System nicht mehr mit aller Vehemenz.
Aber denkt ihr nicht auch, dass das tägliche Training mit Alonso, der akribisch jede Trainingssituation beobachtet, studiert und direkt lauthals bewertet die Spieler spielerisch verbessern wird? In den letzten Jahren haben sich unsere jungen Talente zu wenig vom Trainer anhören müssen und zu sehr an gestandene Profis wie Kroos, Modric oder Benzema orientiert. Natürlich sollte man das irgendwo auch tun, aber denkt ihr nicht auch, dass beispielsweise Vini, Rodrygo und Camavinga dadurch, dass sie sich an über 30-jährige orientierten – die aufgrund jahrelanger Erfahrung sehr genau wussten, wie sie ihre Kräfte zu schonen haben – ein falsches Bild davon haben, wie viel Intensität man auf den Platz bringen sollte. Sie haben weniger Erfahrung und Expertise und Spielen weniger konstant weltklasse, wollen aber nur genauso viel laufen, wie es Kroos oder Benz es getan haben.
Und genau das könnten sie langsam, Stück für Stück lernen. Es braucht nun einmal Zeit, festgefahrene Strukturen aufzubrechen. Und jetzt schreibe ich diese Zeilen zu Ende, während ich erfahre, dass man Alonso dennoch rausswirft, aber es ändert nichts an meiner Überzeugung.
Der Verein hat eine absolut falsche Entscheidung getroffen und dabei bleibe ich, auch wenn der nächste Mann erfolgreicher sein sollte als es Xabi war.