Ich bin kein Mopedfahrer und weiß über Chicago nur, dass dort ein See in der Nähe ist, aber Mourinho damals war alles andere als durchaus unerwartet oder nicht gänzlich nachvollziehbar. 1. machte ihn Pérez mit zunächst 10 und später 16 Millionen EUR Jahresgehalt zum mit Abstand bestbezahlten Fußballtrainer seiner Zeit (mehr als Alonso heute verdient!) und 2. brauchte man nach der Galáctico-2.0-Shoppingtour "nur" noch einen fähigen Trainer, der bereits mit Stars umzugehen weiß. Ganz nebenbei war Mourinho ein Meister im Umgang mit der Presse, der die Rolle des bad guy (im Vergleich mit Guardiola) dankend annahm. Mittlerweile dürfte Geld eindeutig ein größerer Antrieb für die meisten Spieler sein als irgendein Vereinsprestige, aber...
... das ist richtig, doch heißt das im Kern nicht einfach: Im Fußball ist immer alles möglich?! Dann können wir uns auch wieder seriös mit Lennart Karl befassen oder den Thread schließen
Naja. Der Fall Mourinho ist schon nicht so eindeutig, wie du es darstellst.
Zum einen gab es schon damals verhältnismäßig viele Stimmen (manche aus dem Vereinsumfeld (zB Jorge Valdano), manche von vereinsnahen Medien, auch ziemlich viele aus der Fanszene; aber natürlich keine aus dem Bereich "neutrale Fußballexperten/Kommentatoren", warum auch, die wussten/erkannten ja, dass Mous Weg die Barca-Dominanz brechen könnte), die gegen Mous Verpflichtung waren. Die Argumentation begann bei "lässt unattraktiv spielen" über "ist kein Gentleman und passt damit nicht zu Real Madrid" und landete bei "hinterlässt immer nur verbrannte Erde und die Klubs waren bei seinem Abgang hinterher immer schlechter als vor seinem Antreten".
Auch was den medialen Aspekt anlangt: Mou hat keineswegs die Rolle des "bad guy" gesucht und auch nicht "dankend angenommen". Er wollte natürlich zum Teil provozieren und polarisieren, aber nicht im Sinne eines "bad guy", sondern im Sinne eines "special one". Wenn man seine PKs zu Porto-, Chelsea- und Inter-Zeiten erinnert, dann waren die immer mal wieder auch mit einem humorigen Ansatz verbunden. Diese humorig-satirische Ader hat man in Spanien sehr bald nicht mehr gesehen. Die ekelhafte spanische Sportpresse hat ihm das Leben dann auch zur Hölle gemacht (inkl. Interna via Casillas, Valdano und Co.) - mit dem Resultat, dass quasi jede PK ein Spießrutenlauf war, geprägt von feindselig-stichelnder Atmosphäre. Und Mou hatte dann ja auch sichtbar keinen Bock mehr auf den Medienkram.
/Vergangenheitsbewältigung
-->Joa, ich denke, vieles ist heute schon möglich. Wie ich schon sagte: Real Madrid ist heute finanziell sicher nicht mehr automatisch der "Meistbietende", weder in Sachen Ablöse noch in Sachen Gehalt. Aber wir sind weiterhin ökonomisch auf CL-Niveau unterwegs. Kein (potentieller) Spieler verarmt hier. Wir sind umsatzmäßig ein Top-3-Verein der Welt. Wir haben eine unfassbare Legacy anzubieten. Wir haben weltweit die meisten Fans. Wir sind der größte Fußballklub der Welt. Wir haben soft power ohne Ende (meilenweit mehr wie die Arsenals, Chelseas, Napolis, Dortmunds und Co.) und sind auch bei der hard power weiterhin vorne dabei.
Unser Ansehen, unser Ruf, unsere Legacy knickt nicht um, weil wir mal 2-3 Jahre keinen CL-Titel holen. Eher problematisch ist, wenn wir durch unser Verhalten unsere "soft power" verlieren. Das ist mittel- und langfristig wirklich schädlich, sowohl bei der Fanszene weltweit wie auch bei potentiellen Spielern weltweit, denn keiner wird sich das antun wollen, medial regelmäßig zerfetzt zu werden. Dazu gehört: dass wir nicht bei der Ballon d'Or Verleihung auftreten, ein übermäßiges Schiri-Bashing via RM-TV, die teils dümmliche Super-League-Agitation von Pérez usw.
Kurzum: Außer denen, die schon in der Kindheit klare Barca- oder Atléti-Anhänger waren oder sportlich keinen großen Anspruch haben und mit $$$ zufrieden sind, sehe ich keinen Grund für einen Fußballer von Weltklasseformat, nicht lieber zu Real zu wechseln als gleich nach Saudi-Arabien, zu Bayern oder zu Arsenal zu gehen.
Allein, dass wir so häufig als "Transfergerücht-clickbait" ge- oder missbraucht werden, zeigt schon an, welchen Stellenwert wir weiterhin haben. Und jeder ernsthafte Kontakt zwischen Agenten und dem Verein war bis jetzt auch immer eine "Ehre" für die jeweiligen Spieler. Hab da nie was anderes vernommen... (man nehme nur den Umgang mit dem Lennart-Karl-Interview: auch da gilt, dass nach Bayern nicht mehr viel kommt. Es gäbe wohl keine Aufregung, höchstens Gelächter, wenn Karl sich hinstellt und sagt: "ach übrigens, irgendwann will ich mal bei Newcastle spielen")