Kommentar

Intransparent, gierig, abgehoben – wie Real Madrid sich von sich selbst entfernt

Nicht nur sportlich bricht Real Madrid in den letzten Jahren Rekorde, sondern auch und vor allem wirtschaftlich. Das umgebaute Estadio Santiago Bernabéu ist dabei einer der entscheidenden Faktoren, die Umsätze steigen von Jahr zu Jahr, aber auch die Ticketpreise. Nicht nur deshalb droht der mitgliedergeführte Verein, sich von seiner Basis zu entfernen und die Bodenhaftung zu verlieren. Ein Kommentar von REAL TOTAL-Redakteur Edin Soso zur allgemeinen, teilweise besorgniserregenden Entwicklung bei den Königlichen.

8.7k

Nicht nur wegen der horrenden Ticketpreise empfindet REAL TOTAL-Redakteur die allgemeine Entwicklung bei Real Madrid als besorgniserregend – Foto: David Ramos/Getty Images

Als Dienstagsfrüh die Ticketpreise für den kommenden Clásico (26. Oktober, 16:15 Uhr) veröffentlicht wurden, war ich keineswegs überrascht, geschweige denn geschockt. Dass es innerhalb weniger Tage einen zweiten Ticket-Preisrekord bei Real Madrid gibt, nachdem schon das kommende Champions-League-Heimspiel gegen Juventus (22. Oktober, 21 Uhr) die Schallmauer von mindestens 100 Euro pro Eintrittskarte durchbrochen hatte, war zu erwarten. Und das Ende der Fahnenstange ist längst nicht erreicht. Dabei ist das Estadio Santiago Bernabéu seit dem Umbau noch kein einziges Mal ausverkauft gewesen – der Zuschauerschnitt im bisherigen Verlauf der Saison 2025/26 beträgt gerade einmal 72.447 Zuschauer, was im Umkehrschluss bedeutet, dass pro Spiel im Schnitt ungefähr 10.000 Plätze im Bernabéu frei bleiben. Und trotzdem geben die Zahlen der Ticket-Preispolitik von Klubpräsident Florentino Pérez – rein wirtschaftlich – Recht. Wie passt das zusammen? Nicht nur durch die hohen Kartenpreise, sondern auch mittels künstlicher Verknappung der begehrten Tickets erzielen die Königlichen mittlerweile einen Umsatzrekord nach dem anderen. Wenn Fans aus dem Ausland Planungssicherheit haben wollen, bleibt Ihnen heutzutage praktisch nur eine Möglichkeit – die teuren VIP-Tickets, die man auch monatelang im Voraus erwerben kann. An die normalen Tageskarten kommt man zwar ran, allerdings nur mit ganz viel Glück und noch mehr Geduld, auch wegen des technisch instabilen und der Größe des Klubs unwürdigen Online-Ticketshops. Wo ist also dann das Problem, wenn das Ganze wirtschaftlich mehr als aufgeht?

In meinen Augen liegt in der Intransparenz und der scheinbar unendlichen Gier bei der Ticketvergabe die Gefahr, dass Real Madrid sich noch mehr von seiner Basis entfernt, als es ohnehin schon der Fall ist. Normalverdiener, Familien mit Kindern, also normale Fans, sei es aus dem europäischen Ausland, Spanien oder eben auch aus der Stadt Madrid selbst können sich einen Besuch im Bernabéu schlichtweg kaum noch bis gar nicht mehr leisten. Es wachsen gerade neue Generationen von Madridistas heran, für die der Traum, wenigstens ein Real-Heimspiel im neuen Fußballtempel zu erleben, zu einem großen Teil nur ein Traum bleiben wird. Woche für Woche sieht man dafür immer mehr zahlungskräftige Touristen aus aller Welt im Stadion, und immer weniger echte, langjährige Fans. Grundsätzlich ist die Entwicklung nachvollziehbar und verständlich, denn der (in der Theorie) immer noch mitgliedergeführte Klub muss jede Einnahmequelle in Betracht ziehen, um mit den von Milliardären, Scheichs oder sogar ganzen Staaten finanzierten Top-Klubs aus dem Ausland Schritt halten zu können. Real Madrid ist aber gerade dabei, das Rad zu überdrehen.

Wenn es ein Real-Fan aus Madrid beispielsweise nie ins Bernabéu schafft und dann wenigstens mal die Castilla im Estadio Alfredo Di Stéfano sehen möchte, geht das in der Regel auch nicht – es sei denn, man ist Socio, sprich vollwertiges Vereinsmitglied. Nur diese können nämlich Tickets für Castilla-Heimspiele (natürlich) käuflich erwerben, alle anderen müssen draußen bleiben. Heißt in meinem konkreten Fall, dass ich persönlich nur dank REAL TOTAL und und der entsprechenden Akkreditierung Spiele der zweiten Mannschaft sehen kann. Warum das so ist? Nun, wie bei so vielen Aspekten agiert Real Madrid auch hier intransparent und verschlossen, aber vielerorts wird hierbei Angst vor kritischen Stimmen, die es im Umfeld des Klubs gerade in Madrid durchaus gibt, vermutet. Zumindest würde die Erklärung zur immer und überall um absolute Kontrolle bemühten Vereinsführung um Florentino Pérez passen.

Aufgrund horrender Ticketpreise spielen Reals Basketballer auch in der EuroLeague teilweise vor halbleeren Rängen – Foto: REAL TOTAL

Gut, Real Madrid besteht ja nicht nur aus Fußball, man könnte ja auch zum Basketball gehen, immerhin gehören die Blancos auch in dieser Sportart seit Jahrzehnten zur absoluten Weltspitze. Tatsächlich ist es relativ einfach, an Tickets für Heimspiele von Real Madrid Baloncesto zu kommen. Die Movistar Arena, ähnlich wie das Bernabéu mitten in der Innenstadt gelegen, ist selten ausverkauft und komischerweise funktioniert auch der Online-Ticketshop meist tadellos. Aber zu welchem Preis kommt man in Madrid in den Genuss, europäischen Spitzenbasketball zu sehen? Beim letzten EuroLeague-Heimspiel gegen den französischen Klub Asvel Villeurbanne, eines der schwächsten und unattraktivsten EL-Teams, lag der Einstiegspreis bei 35 Euro – für einen Platz direkt unter dem Dach der Arena. Für einen einigermaßen attraktiven Platz im Oberrang musste man schon 50 Euro ausgeben, während die Preise für den Unterrang zwischen 85 und 95 Euro lagen. Bei Spitzenspielen wie den Clásicos oder gegen europäische Eliteteams steigen die Preise exponentiell. Für die meisten normalen Fans, die schon beim Fußball, sei es bei Tickets oder Fanartikeln, gerupft werden, ist das dann ebenfalls in der Regel unerschwinglich. Ergebnis: Mit gut 7.000 Zuschauern war die Halle gegen Asvel gerade einmal zur Hälfte gefüllt, und die Stimmung auch dementsprechend.

Apropos Intransparenz – ein Begriff, der im Zusammenhang mit Real Madrid immer wieder und immer häufiger fällt: Seit Monaten wird unter Fans und auf Social-Media-Plattformen darüber diskutiert, wie denn nun Reals Stadion künftig heißen wird. Bliebt es beim traditionellen Estadio Santiago Bernabéu oder wird eher die verkürzte, besser zu vermarktende Variante gewählt? Nun, die Entscheidung ist längst gefallen, das Stadion in Chamártin heißt quasi schon offiziell einfach nur – Bernabéu. Das ist nicht nur im Stadioninnern längst sichtbar, sondern auch auf der offiziellen Webseite des Klubs. Als Fan muss man mittlerweile schon froh sein, dass der Kelch respektive das Monster namens The Bernabéu an einem vorbeigegangen ist, aber insgesamt passt auch hier die Vorgehensweise des Klubs zum allgemeinen Verhalten in den letzten Jahren: Still, heimlich und schleichend hat man hier einfach schon Fakten geschaffen, ohne die Anhängerschaft in irgendeiner Art und Weise zu informieren, geschweige denn einzubeziehen. Gleiches beim Abschaffen der ersten, ursprünglichen Vereinshymne, die bis vor zwei Jahren zumindest noch nach Abpfiff lief. Demokratie und Transparenz sehen anders aus. Was bei einem zu 100 Prozent mitgliedergeführten Verein eigentlich selbstverständlich und dringend geboten gewesen wäre. Nicht nur ich befürchte, dass die Namensänderung nur der erste Schritt zu einem künftigen XYZ-Bernabéu ist, mit einem Sponsorennamen davor und dicken Vertrag dahinter. Vielleicht, ja sogar wahrscheinlich ist auch ein solcher Schritt aus ökonomischer Sicht unumgänglich, es wäre aber einfacher damit umzugehen, wenn man Fans, vor allem aber die Mitglieder in diese Prozesse involvieren würde. Was – und da wiederhole ich mich gerne – bei einem Verein, der nur seinen Mitgliedern gehört, selbstverständlich sein müsste.

Im Stadioninnern und auf Reals Webseite heißt das Stadion längst nur noch Bernabéu – Foto (oben): REAL TOTAL

Bei allen Erfolgen, Titeln, Stars und Spektakeln macht in meinen Augen vor allem eins die Faszination und den Mythos Real Madrid aus – die Nähe zur Basis, eine gewisse Bodenständigkeit. Bei aller Noblesse, die diesen Klub schon immer umgeben hat, war Real immer auch nahbar, greifbar. Ein Weltklub, eine Weltmarke zum Anfassen. Nicht nur für Mitglieder, sondern auch für normale Fans. Davon ist leider nicht mehr viel zu sehen, und es wird gefühlt von Tag zu Tag weniger. Damit würde aber ein wesentlicher, für mich fast schon essentieller Teil der Vereinsidentität verloren gehen. Und oft sind es nur (scheinbare) Kleinigkeiten, die diesbezüglich ein besorgniserregendes Gesamtbild ergeben. So versäumt es Real in den letzten Jahren beispielsweise nie, über seine Social-Media-Kanäle das Chinesische Neujahrsfest oder andere große Feiertage zu zelebrieren oder zu gratulieren, was angesichts der riesigen Anzahl an Fans weltweit verständlich und auch begrüßenswert ist. Gleichzeitig kam am vergangenen Sonntag kein einziger Post, keine einzige Silbe seitens des Aushängeschilds Spaniens zum Día de la Hispanidad, dem spanischen Nationalfeiertag. Persönlich kann ich bezeugen, dass dieser Umstand unheimlich vielen Madridistas in Spanien – gelinde ausgedrückt – sauer aufgestoßen ist. Spanische Flaggen sieht man ohnehin nicht mehr im Bernabéu, von Fanklub-Bannern außerhalb der Grada ganz zu schweigen. Das Misstrauen ins Vorgehen von Pérez und Co. wächst von Tag zu Tag und so halten sich in der spanischen Hauptstadt seit Wochen hartnäckig Gerüchte über angebliche Pläne der Vereinsspitze, die Rechtsform des Klubs in eine Kapitalgesellschaft ändern zu wollen, um Türen für Investoren öffnen – zumindest bis zu 49 Prozent. Rein rechtlich nicht ganz einfach, denn gemäß Vereinssatzung wäre dafür eine absolute Mehrheit auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung notwendig, was zumindest derzeit sehr unwahrscheinlich erscheint. Andererseits aber: Wer kann hundertprozentig ausschließen, dass Florentino Pérez, der als Präsident ohnehin zuletzt immer wieder konkurrenzlose Wahlsiege einfuhr dank der einen oder anderen Anpassung, und Co. still, heimlich und schleichend nicht längst an einer Lösung daran arbeiten respektive bereits eine haben? Ich kann es nicht…

4.38 avg. rating (87% score) - 8 votes
Kommentare
Lieber Edin Soso

Die Thematik ist wirklich extrem simpel. Wenn du Mbappé, Vinicius und Arda Güler auch in 5 Jahren noch für Real Madrid auflaufen sehen willst, dann ist die von dir genannte "Gier" oder "Entfernung von sich selbst" der einzige Weg.

Wenn dir hingegen Gonzalo Garcia, Brahim Diaz und Lucas Vazquez als Starspieler genügen, dann müssen die Ticketpreise und das Marketing sofort wieder auf ihre Wurzeln reduziert werden.
Ich bin zu 100% davon überzeugt, dass dem nicht so ist. Zu Zeiten der ersten Galacticos waren die Ticketpreise auch noch geringer, obwohl man finanziell im Vergleich dazu schlecht da stand. Ich würde verstehen, wenn wir am Sand wären und höhere Ticketpreise unumgänglich aber dem ist ja nicht so, ganz im Gegenteil.

Perez hat dem Verein viel gegeben aber ihn auch immer als persönlichen Spielball und Cashcow genutzt mit seiner Baufirma. Und seit ein paar Jahren ist er imho ganz unabhängig vom sportlichen Erfolg untragbar geworden für diesen einst so stolzen Club.

Real Madrid verkauft langsam aber sicher seine Seele und ich bin froh, dass die kritischeren Stimmen mittlerweile etwas lauter werden.
 
Ich seh das ein klein bisschen anders. Ich war bisher nur einmal in Rom im olympico und ein paar mal im Olympiastadion in München. Warum nicht öfter.....weil ich die spiele in Ruhe sehen will mit 1-2 Freunden.
Bin mir gerade nicht sicher, ob dein Beitrag Satire ist oder ernst gemeint.
 
Bin mir gerade nicht sicher, ob dein Beitrag Satire ist oder ernst gemeint.
Warum satire? Ich kenn viele denen es weniger gefällt in einem lauten Stadion zu sein als das Spiel zu Hause zu verfolgen. Glaube jeder ist da etwas anders. War auch nie auf einem Festival, bin viel lieber auf ein kleines Weinfest.
Das einzige was laut sein muss ist mein Auto natürlich incl ps :p
 
Ich bin zu 100% davon überzeugt, dass dem nicht so ist. Zu Zeiten der ersten Galacticos waren die Ticketpreise auch noch geringer, obwohl man finanziell im Vergleich dazu schlecht da stand. Ich würde verstehen, wenn wir am Sand wären und höhere Ticketpreise unumgänglich aber dem ist ja nicht so, ganz im Gegenteil.

Perez hat dem Verein viel gegeben aber ihn auch immer als persönlichen Spielball und Cashcow genutzt mit seiner Baufirma. Und seit ein paar Jahren ist er imho ganz unabhängig vom sportlichen Erfolg untragbar geworden für diesen einst so stolzen Club.

Real Madrid verkauft langsam aber sicher seine Seele und ich bin froh, dass die kritischeren Stimmen mittlerweile etwas lauter werden.

Ja weil du eben alles nur mit der Romantikerbrille und ohne betriebswirtschaftlichen Hintergrund betrachtest. In der damaligen Galactico Zeit gab es für Real Madrid keine ernst zu nehmende Konkurrenz auf finanzieller Ebene. Heute streiten wir uns mit Liverpool, Paris, City, Arsenal und wie sie alle heissen um unseren Wunschspieler.

Was denkst du denn was der Grund ist, warum es finanziell so super läuft? Denkst du ernsthaft, Kylian wäre ohne Monstergehalt hierher gekommen? Oder Vinicius würde bei uns verlängern wenn wir auf einmal nur noch die Hälfte bezahlen? Oder Arda? Oder Trent oder Bellingham? Und als Begründung "aber unsere Tickets und Merch ist so günstig bitte unterschreibe!" Vergiss es, so läuft das nicht. Natürlich profitieren wir (auch) von der Strahlkraft des Clubs. Ab einem gewissen Punkt zählt aber vorrangig die Kohle.

Der moderne Fußball ist pures Business. Und ohne Perez hätten wir diesbezüglich je nach Alternative ein dickes Problem.
 
Toller Artikel. Kritisieren soll man und muss man, wenn es was zu kritisieren gibt. Und alles Geschriebenes ist schon eine berechtigte Kritik.

Aber...

Was wollen Madridistas? Erfolg!!! Und wie hat man Erfolg? Man muss gewinnen! Und wie gewinnt man? Man muss die besten Spieler und Trainer haben. Wie kriegt man sie? Ja, zum 90% kauft man diese...
Und wo kriegt man das Geld her, wenn die Tickets günstig sind, kein Kapital von Investoren nimmt usw?
Ich finde Real Madrid trotzdem, um Meilen weiter als alle anderen Clubs in Europa. So ein Stadion, mitten in City, so viele Erfolge und trotzdem keine dubiosen Schulden. Keine dubiosen Deals werden einfach so akzeptiert (CVC).
Normale Schulden, Finanzierungen gehören natürlich zu Normalität weil moderne Wirtschaft halt so funktioniert.

Also jeder Madridista soll erstmal darüber nachdenken, wie er Real Madrid sieht und was ihm wichtig ist. Real Madrid ist Real Madrid und kein Sankt Pauli oder West Ham. Das ist der beste und größte Club in der Fußball-Geschichte.
 
Ich seh das ein klein bisschen anders. Ich war bisher nur einmal in Rom im olympico und ein paar mal im Olympiastadion in München. Warum nicht öfter.....weil ich die spiele in Ruhe sehen will mit 1-2 Freunden.
Ich nenne nur mal 2 profane Beispiele....vor 3-4 Jahren kostete Rumpsteak 16-20€ das Kilo, heute das doppelte. Ein döner 3,50 heute 6 € oder mehr usw.
Wer einen kylian, vini oder Jude haben möchte muss den Umsatz steigern solange die Spirale nach oben geht. Ob mir das gefällt? Nein! Jeder sollte sich ein Ticket leisten können.
Noch ein Vergleich.....bin früher oft Ski gefahren, Ticket 25-30€ , zimmer 4 Sterne 110€ dazu bier 3,50.. heute alles das doppelte
wo gibt es denn Döner für 6€? :)
 
Bei mir aber das ist auch tiefstes Franken :p
 
Finde es persönlich schade, dass die Ticketpreise so in die Höhe gehen. Peinlich, dass Madrid auch so einen Online-Shop hat. Es wäre für mich toll mal ein Spiel im Bernabeu live zu sehen, fakt ist ich will den Preis nicht zahlen. Flug nach Madrid, Übernachtung und dann noch solch horrende Ticketpreise - dann doch weiterhin vor dem Bildschirm zuschauen.

Ich denke, die ganze Fussballwelt spielt verrückt! Der Traum von Familien die ins Stadion gehen o.ä, ist romantisch aber leider eben ein Traum! Aktionen wie Reals Gastspiel in Österreich im Sommer sind wohl das höchste der Gefühle für eine "normale Familie". Die Vereine sind ganz klar auf Gewinnmaximierung aus und dies Länderübergreifend. Ein Verein wie Real will on Top sein und on Top bleiben, es will auch Klientel ab der oberen Mittelschicht ansprechen und - so hart es klingt - es schert sich nicht um die Kleinen.

Ist das ganze Zukunftsträchtig? Wahrscheinlich schon, solange alles ausgequetscht wird was geht, die hedonistische Einstellung der Gesellschaft weiterlebt und der Verein on Top bleibt. Zudem hat Perez den Verein sehr gut aufgestellt. Wenn's eine Kehrtwende geben muss, werden sie's auch hinkriegen, siehe Covid-Zeiten.

Ob der Verein weiterhin Fans hat? Man nehme MANU als Beispiel, erfolglos, Investorgeführt und dennoch riesige Fanbase. Weiter kann ich mir künftig eine andere Art Fan vorstellen. Eher Spielerorientiert oder auch nur als Vereinssymphatisant.
 
Toller Artikel. Kritisieren soll man und muss man, wenn es was zu kritisieren gibt. Und alles Geschriebenes ist schon eine berechtigte Kritik.

Aber...

Was wollen Madridistas? Erfolg!!! Und wie hat man Erfolg? Man muss gewinnen! Und wie gewinnt man? Man muss die besten Spieler und Trainer haben. Wie kriegt man sie? Ja, zum 90% kauft man diese...
Und wo kriegt man das Geld her, wenn die Tickets günstig sind, kein Kapital von Investoren nimmt usw?
Ich finde Real Madrid trotzdem, um Meilen weiter als alle anderen Clubs in Europa. So ein Stadion, mitten in City, so viele Erfolge und trotzdem keine dubiosen Schulden. Keine dubiosen Deals werden einfach so akzeptiert (CVC).
Normale Schulden, Finanzierungen gehören natürlich zu Normalität weil moderne Wirtschaft halt so funktioniert.

Also jeder Madridista soll erstmal darüber nachdenken, wie er Real Madrid sieht und was ihm wichtig ist. Real Madrid ist Real Madrid und kein Sankt Pauli oder West Ham. Das ist der beste und größte Club in der Fußball-Geschichte.
Das stimmt natürlich, dass jeder selber beurteilen muss, wie er sich als Fan sieht und wie er sich den Club wünscht. Da soll ja jeder auch seine eigene Meinung haben.

Ich für meinen Teil, merke wie länger wie mehr, dass mir eine nähere Beziehung zwischen Club und Fan immer wichtiger wird. Ich will mich mit dem Verein, dem Stadion und dem Fussball identifizieren können. Fussball gehört den Menschen und nicht nur einer Schicht (ich weiss, leider schon lange nicht mehr der Fall), von dem her ist diese Ticketpreisentwicklung für mich besorgniserregend. Das Wir-Gefühl verschwindet aus meiner Sicht fortlaufend schleichend und nicht nur wegen den Preisen ( Edin erwähnte die fehlenden spanischen Flaggen, der verkürzte PR-Stadionname, kein Zugang zu Castilla-Spielen, die Ticketvergabe etc.). Der Verein ist unantastbar und jetzt langsam auch für uns Fans..

Da stellen sich mir schon die beiden folgenden Fragen:

- Wenn es so weiter geht und Real auch weiterhin Erfolge feiern wird (und das wird es), freue ich mich dann für oder mit Real Madrid?
- Brauchen wir dann immer die besten Spieler?
-> Gerade Reals Geschichte hat ja schon mehrmals eindrücklich gezeigt, dass Stars dir eben nicht immer Erfolg sichern, sondern der Mix und vor allem die Teamzusammenstellung.

Aber wie gesagt, dass ist einfach meine Sichtweise, das kann natürlich jeder so sehen, wie er oder sie möchte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Warum satire? Ich kenn viele denen es weniger gefällt in einem lauten Stadion zu sein als das Spiel zu Hause zu verfolgen. Glaube jeder ist da etwas anders. War auch nie auf einem Festival, bin viel lieber auf ein kleines Weinfest.
Das einzige was laut sein muss ist mein Auto natürlich incl ps :p
Ich kann persönlich schon nachvollziehen, dass man nicht unbedingt scharf darauf ist, sich in Menschenmengen zu baden. Aber in ein Fußballstadion mit 80.000 Sitzplätzen gehören einfach 80.000 Fußballfans =) Vor allem weil unter den wenigen ja aktuell nicht die Durchschnittsfamilie sitzt, sondern irgendwelche reichen Touristen.
Ja weil du eben alles nur mit der Romantikerbrille und ohne betriebswirtschaftlichen Hintergrund betrachtest. In der damaligen Galactico Zeit gab es für Real Madrid keine ernst zu nehmende Konkurrenz auf finanzieller Ebene. Heute streiten wir uns mit Liverpool, Paris, City, Arsenal und wie sie alle heissen um unseren Wunschspieler.

Was denkst du denn was der Grund ist, warum es finanziell so super läuft? Denkst du ernsthaft, Kylian wäre ohne Monstergehalt hierher gekommen? Oder Vinicius würde bei uns verlängern wenn wir auf einmal nur noch die Hälfte bezahlen? Oder Arda? Oder Trent oder Bellingham? Und als Begründung "aber unsere Tickets und Merch ist so günstig bitte unterschreibe!" Vergiss es, so läuft das nicht. Natürlich profitieren wir (auch) von der Strahlkraft des Clubs. Ab einem gewissen Punkt zählt aber vorrangig die Kohle.

Der moderne Fußball ist pures Business. Und ohne Perez hätten wir diesbezüglich je nach Alternative ein dickes Problem.

Real Madrid hat aber nach wie vor mehr Umsatz als Liverpool, Arsenal und Co.
Glaubst du wirklich, ohne Ticketerhöhung könnten wir uns Mbappe nicht leisten?

Ich verlange nicht, dass wir plötzlich nur noch für die Galerie spielen und all unsere Einnahmen an Unicef spenden und mir ist klar, dass man sich ein Stück weit verbiegen muss, um oben mitzuspielen. Aber wir verbiegen uns nicht nur ein bisschen, sondern so weit, dass längst kein Rückgrat mehr da ist.

Ich hab zum Beispiel Verständnis dafür, dass man das Stadion als Mehrzweckhalle nutzen will. Das halte ich nach wie vor für einen legitimen und wirtschaftlich nachhaltig schlauen Move (wenn es denn funktioniert). Aber ich hab kein Verständnis dafür, die Ticketpreise so weit zu erhöhen, dass sich Madridistas keine Karten mehr leisten können.
 

Verwandte Artikel

Kommentar zum Brodeln: Wird Alonso mehr Ancelotti oder Mourinho?

Es brodelt weiter. Während Vinícius Júniors Vertragsverhandlungen scheinbar auf Eis liegen, wirkt...

SAD

Vor Real Madrids Jahreshauptversammlung am Sonntag gibt es eine große Frage: Wird...

Richtungsweisender Sieg: Dieser Clásico lässt auf Großes hoffen

Mit dem Triumph im Clásico besiegte Real Madrid auch die ungewohnt lange...

Kommentar nach Oviedo: Real muss Vinícius schützen

Während Real Madrids Gastspiels in Oviedo waren bereits vor dem Spiel, insbesondere...