Interview

„Real Madrid hat Barcelonitis“: Laporta kontert Pérez

Joan Laporta schlägt gegen Florentino Pérez zurück. Nach den deutlichen Worten des Präsidenten von Real Madrid hinsichtlich der dubiosen Karten-Differenz zwischen beiden Klubs spricht der Boss des FC Barcelona von einer Barça-Besessenheit bei den Königlichen. Zudem dreht Laporta den Spieß der vermeintlichen Schiedsrichter-Bevorzugung um.

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Florentino Pérez Joan Laporta FC Barcelona Real Madrid
Pérez und Laporta Ende Oktober beim Clásico im Bernabéu – Foto: David Ramos/Getty Images

Dubioser Unterschied an Roten Karten in LaLiga

ANDORRA. „Ich hatte noch nicht die Möglichkeit, die Aussagen zu kommentieren“, so Joan Laporta: „Jetzt tue ich das.“ Der FC Barcelona hat mit seiner Reaktion auf die kritischen Worte von Florentino Pérez in Real Madrids Jahreshauptversammlung am letzten Sonntag lange auf sich warten lassen – am Freitag war es nun so weit.

Pérez hatte darauf aufmerksam gemacht, wie ungleich Real und Barça während der 17 Jahre, in denen die Katalanen am Ende knapp 8,4 Millionen Euro an den damaligen Vizepräsidenten des spanischen Schiedsrichterkomitees, José María Enríquez Negreira, zahlten, behandelt wurden. Einerseits: zwischen 2001 und 2018 lag das Barça-Saldo an Roten Karten bei +49, bei Real hingegen bei -1. 50 Platzverweise Unterschied.

Nicht untypisch für Laporta in der seit Februar 2023 gärenden Causa Negreira: Er geht nicht konkret auf Zahlen und Vorwürfe ein, behauptet ein ums andere Mal einfach, es seien Lügen und leere Behauptungen in Umlauf. Ähnlich auch jetzt wieder. Der 63-Jährige will bezüglich der Pérez-Rede offensichtlich den Eindruck vermitteln, als wäre der Kontrahent so etwas wie nicht zurechnungsfähig, als würde er immer nur mit dem Finger auf den Rivalen zeigen wollen. Nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.

„Barça? Sie haben immer Real Madrid bevorzugt“

„Das zeigt die Barcelonitis, die Real Madrid hat. Anscheinend müssen sie über Barça reden, um irgendetwas zu rechtfertigen. Sie sind ständig in die juristischen Auseinandersetzungen um den Negreira-Fall verwickelt, die sie endlos in die Länge ziehen, weil sie wissen, dass da nichts dran ist. Aber es ist ein Vorwand, um etwas zu rechtfertigen, das nicht stimmt: Barça hat nie einen Schiedsrichter bestochen und Schiedsrichter bevorzugen Barça im Allgemeinen nicht. Sie haben immer Real Madrid bevorzugt“, zitiert die Sportzeitung MARCA Laporta, der im Rahmen einer Buchpräsentation in Andorra Stellung bezog.

Oben: Bei Barça-Spielen in LaLiga wurden von 2000 bis Mitte 2025 auffällig viele Rote Karten den Gegnern gezeigt, in der Champions League ist die Bilanz hingegen nahezu gleichauf – unten: Unterschied konkret während Negreira-Amtszeit

Anders als Pérez: Laporta spricht gut über Tebas

Schließlich zog er zwei Beispiele heran, die seine These untermauern sollen: „Am vergangenen Spieltag hat Madrid zwei Tore erzielt, wo für mich klar ist, dass (Jude) Bellingham den Ball mit dem Arm berührt und Vinícius (Júnior) die Nase von Iñaki (Peña) bricht. Diese beiden Tore hätten nicht zählen dürfen, sodass Barça die Tabelle in LaLiga jetzt anführen würde.“ Real glich am Sonntag beim FC Elche zwei Rückstände aus, spielte am Ende 2:2 und behielt allein dadurch Platz eins.

So wie Barça bekam von Pérez übrigens auch Javier Tebas sein Fett weg – mal wieder. Laporta teilt die massive Kritik am Chef des spanischen Ligaverbands LFP derweil nicht: „Nach den Äußerungen gegen den LaLiga-Präsidenten befürchte ich das Schlimmste. Ich hatte meine Höhen und Tiefen mit Javier Tebas. Er ist ein edler Mensch, der sich mit großer Leidenschaft für seine Position einsetzt. Wir haben ein normales Verhältnis, kein privilegiertes, das wir auch nicht anstreben – ein normales Verhältnis. Real Madrid hingegen pflegt ein konfrontatives Verhältnis zu LaLiga und ist besessen davon, ihn loszuwerden und jemand anderen einzusetzen. Diese Strategie weckt in mir kein Vertrauen. Tebas tut alles, was er kann, um das Beste für LaLiga zu erreichen. Daher vermute ich, dass Real Madrid versucht, ihn abzusetzen, um jemand anderen zu installieren.“

Was Pérez hierauf antworten würde, kann man sich bereits denken. Der 78-Jährige sagte vor den Mitgliedern schon: „Viele Vereine leben von der Hand in den Mund. Wir alle wissen, besonders in LaLiga, dass das Leben einfacher ist, wenn man sich an die Entscheidungen des Präsidenten hält.“ Barça habe irgendwann Abstand davon genommen, sich gegen den von Tebas eingefädelten Deal mit LaLiga-Investor CVC zu wehren. „Ich muss leider erwähnen, dass auch Barcelona dagegen war, die Klage aber – rein zufällig – fallen ließ, als LaLiga ihnen die Spielerregistrierung erlaubte“, berichtete Pérez. Die Katalanen sind angesichts ihrer wirtschaftlich heiklen Lage darauf angewiesen, sich mit der LFP und der UEFA gut zu stellen, um eigene Interessen durchzusetzen.

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von
Filip Knopp

Begleitet den Mythos Real Madrid als Fan seit der Ära der „Galácticos“ und journalistisch bei REAL TOTAL seit Mitte 2011. Erfahrungen auch bei SPORT1 und SPOX, zudem Autor von »111 GRÜNDE, REAL MADRID ZU LIEBEN«.

Kommentare
War PR-technisch eine Idiotie auf der eigenen Jahreshauptversammlung über Barca zu sprechen. Umgekehrt würden wir alle Tränen lachen.

Naja, wenigstens haben wir einen Nebenkriegsschauplatz und ein paar werden von Vini & Co. abgelenkt.
Finally! Dachte schon, ich bin der Einzige der versteht, dass auf die grösse von RM nur geschwächt wird, wenn man auf der eigenen JHV von Barca spricht!
 
War PR-technisch eine Idiotie auf der eigenen Jahreshauptversammlung über Barca zu sprechen. Umgekehrt würden wir alle Tränen lachen.

Naja, wenigstens haben wir einen Nebenkriegsschauplatz und ein paar werden von Vini & Co. abgelenkt.
Ernst gemeinte Frage: Wann wäre denn der beste Zeitpunkt und der beste Rahmen um endlich mal klar Stellung zu beziehen zu dieser elenden Sauerei?
 
Ernst gemeinte Frage: Wann wäre denn der beste Zeitpunkt und der beste Rahmen um endlich mal klar Stellung zu beziehen zu dieser elenden Sauerei?
Ich würd sagen, RM hätte ein „Comunicado Oficial“ rauslassen können. Zeitpunkt.. naja, hätte von den Tatsachen auch schon vor 2 Monaten sein können..
 
Wie sie den Spiess jetzt einfach umdrehen…
 
Wie sie den Spiess jetzt einfach umdrehen…
Sie versuchen es.hat aber Kindergartenniveau finde .du bist blöd….ne du bist.aussagen die Perez tätigte wurden ja durch Statistiken belegt.ergo ? Was soll Laporta da gross gegen sagen.Störend ist halt die arschkriecherei seitens der Katalanen in Richtung laliga .aber jeder wie er meint
 
Ernst gemeinte Frage: Wann wäre denn der beste Zeitpunkt und der beste Rahmen um endlich mal klar Stellung zu beziehen zu dieser elenden Sauerei?
Wenn du mich persönlich fragst: In einem (Kurz-)Interview mit einem wohlgesonnenem Reporter in einer wohlgesonnenen Zeitung. So scheinen es auch ausnahmslos alle anderen (Welt-)Clubs zu machen.

Ich bin ein großer Fan von unserem "never complain, never explain"-Ansatz - aber in der heutigen Zeit, wo man mit der richtigen Kommunikation mehr beeinflussen kann, als jemals zuvor, würde ich mir hin und wieder eine smartere Strategie wünschen.

Wie gesagt, kein Drama, aber meiner Meinung einfach unnötig und eher idiotisch als smart.
 
Wenn du mich persönlich fragst: In einem (Kurz-)Interview mit einem wohlgesonnenem Reporter in einer wohlgesonnenen Zeitung. So scheinen es auch ausnahmslos alle anderen (Welt-)Clubs zu machen.

Ich bin ein großer Fan von unserem "never complain, never explain"-Ansatz - aber in der heutigen Zeit, wo man mit der richtigen Kommunikation mehr beeinflussen kann, als jemals zuvor, würde ich mir hin und wieder eine smartere Strategie wünschen.

Wie gesagt, kein Drama, aber meiner Meinung einfach unnötig und eher idiotisch als smart.
Ja, überzeugt. Das wäre tatsächlich smarter gewesen.
 
Wenn du mich persönlich fragst: In einem (Kurz-)Interview mit einem wohlgesonnenem Reporter in einer wohlgesonnenen Zeitung. So scheinen es auch ausnahmslos alle anderen (Welt-)Clubs zu machen.

Ich bin ein großer Fan von unserem "never complain, never explain"-Ansatz - aber in der heutigen Zeit, wo man mit der richtigen Kommunikation mehr beeinflussen kann, als jemals zuvor, würde ich mir hin und wieder eine smartere Strategie wünschen.

Wie gesagt, kein Drama, aber meiner Meinung einfach unnötig und eher idiotisch als smart.
Also am besten weiterhin hinter vorgehaltener Hand ,schön tuschel tuschel ,das es keiner mitbekommt. Das ergebniss wäre das selbe der dicke katalanische präsi würde sich ,mit Unterstützung von uefa und tebas ,über Real lustig machen und so tun,als hätte er keinen dreck am stecken .
 
Also am besten weiterhin hinter vorgehaltener Hand ,schön tuschel tuschel ,das es keiner mitbekommt. Das ergebniss wäre das selbe der dicke katalanische präsi würde sich ,mit Unterstützung von uefa und tebas ,über Real lustig machen und so tun,als hätte er keinen dreck am stecken .
Gehört zu einer smarten Kommunikation dazu, dass Aussagen in einem gewissen Rahmen stattfinden. Genauso wie ich bei einer Rede auf der Hochzeit eines Verwandten nicht Anfange über aktuelle politische Gegebenheiten zu schimpfen, rede ich als Verein nicht auf der eigenen JHV über einen Rivalen.

Die Aussagen werden dadurch nicht falscher, aber anders ausgelegt - und wir sehen ja, wie negativ uns das aktuell medial ausgelegt wird. Laporta redet mindestens monatlich über uns (wenn nicht noch häufiger) und es wird ihm kaum negativ ausgelegt - Perez sagt 1x was, und medial findet fast nur der Konter von Laporta Beachtung. Keiner redet oder schreibt über die Causa Negreira, nur darüber, dass wir über Barca "jammern". Ich habe nicht das Gefühl, dass wir explizit schlechte Publicity für uns selbst wollten.

Nochmal: ist kein Drama, aber ich werde nicht so tun, als wäre das eine Masterclass gewesen.
 

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