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Investoren-Einstieg? Pérez kündigt Referendum an – Real bleibt Verein

Real Madrid plant ein Referendum zu einem möglichen Investoren-Einstieg. Florentino Pérez erklärt bei der Jahreshauptversammlung, warum dieser Schritt aus seiner Sicht nötig ist und welche Kriterien potentielle Anteilseigner erfüllen müssen. Es geht um den Verkauf von maximal zehn Prozent. Eine Umstrukturierung des Klubs in eine Sport-AG ist offenbar kein Thema.

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Florentino Pérez am Sonntag bei der Mitgliederversammlung – Screenshot: Realmadrid TV

Abstimmung bei Real Madrid über Investoren

MADRID. Jetzt nimmt die Umstrukturierung des Vereinsmodells bei Real Madrid auch offiziell konkretere Züge an. Die Königlichen bleiben entgegen einiger Befürchtungen zwar ein eingetragener Verein, zeigen sich in Person von Florentino Pérez allerdings offen für den Einstieg von Investoren. Das hat der Präsident am Sonntag in der Jahreshauptversammlung bekräftigt. Den konkreten Vorschlag dazu wolle man demnächst präsentieren.

„Anschließend werden wir ein Referendum abhalten, damit alle Mitglieder ihre Meinung äußern können. Diese Angelegenheit bedarf einer ausführlichen Erläuterung in einer außerordentlichen Versammlung, die wir so bald wie möglich einberufen werden. Die Gründe für die Reform sind im Wesentlichen zweierlei: den Verein vor externen und internen Angriffen auf unser Vermögen zu schützen und dessen Wert hervorzuheben, damit wir uns alle des Erbes bewusst sind, das wir, die Mitglieder, in Händen halten“, so der 78-Jährige.

Pérez: „Werden unsere Vereinsstruktur beibehalten“

Pérez: „Selbstverständlich werden wir unsere bestehende Vereinsstruktur beibehalten: unsere Versammlung mit ihren Befugnissen, unser System zur Wahl des Präsidenten und des Vorstands. Ich habe gelesen, dass es ohne Wahl beschlossen werden soll, obwohl ich vor einem Jahr in dieser Versammlung bereits erklärt hatte, dass es nie so weit kommen wird. Viele Lügen, alle mit derselben Absicht. Diese Angriffe sind nichts weiter als ein kindischer Versuch, den Verein zu destabilisieren, indem man die Mitglieder für dumm verkauft. Ich erkläre seit Jahren, dass der Klub Feinde hat, die sich unser Vermögen aneignen wollen, wie es auch bei anderen Klubs geschehen ist. Unsere wirtschaftliche und institutionelle Stärke, die auf der Einheit aller Mitglieder beruht, ist ein Hindernis für ihre Pläne. Und deshalb sind wir ständigen Angriffen ausgesetzt.“

Es geht um den Verkauf von Vereinsanteilen, die zehn Prozent jedoch nicht übersteigen sollen. „Wir wollen, dass unsere traditionsreiche Struktur den Herausforderungen der Zukunft standhält und brauchen mehr denn je die aktive Unterstützung aller 100.000 Mitglieder als Hüter unseres Erbes. In den vergangenen Monaten habe ich intensiv darüber nachgedacht, wie wir unser Gemeinschaftsgefühl weiter stärken und den Wert von Real Madrid unmissverständlich verdeutlichen können. Und das Ergebnis ist klar: Wir bleiben ein Mitgliederklub, müssen aber eine Tochtergesellschaft gründen, in der alle 100.000 Mitglieder stets die uneingeschränkte Kontrolle behalten. Auf dieser Grundlage könnte diese Tochtergesellschaft beispielsweise eine Minderheitsbeteiligung von fünf Prozent, maximal jedoch zehn Prozent, von einem oder mehreren langfristig engagierten Investoren erhalten, die bereit sind, eigene Mittel einzubringen“, so der gebürtige Madrilene.

„Real Madrid hat das Recht, Anteile zurückzufordern“

Potentielle Anteilseigner haben bestimmte Kriterien zu erfüllen. „Dieser Investor oder diese Investoren müssen unsere Werte respektieren, zum Wachstum des Vereins beitragen und uns helfen, unser Vermögen vor Angriffen von außen zu schützen. Und falls sie ihre Anteile veräußern möchten, hat Real Madrid jederzeit das Recht, diese zurückzufordern. Kurz gesagt: Sie werden ein strategischer Partner sein, niemals Eigentümer“, betonte Pérez.

Das Oberhaupt der Blancos führte aus: „Dieser Schritt sichert, dass unsere Geschichte die nächsten 100 Jahre fortlebt. So wie wir im Jahr 2000 eine Vereinsreform durchgeführt haben, die uns aus einer sehr prekären Lage an die Weltspitze geführt hat, müssen wir heute eine neue Phase einleiten, die uns als wertvollsten, einflussreichsten und angesehensten Verein des 21. Jahrhunderts festigt. Und vor allem darf es unter keinen Umständen in fremde Hände gelangen. Wir halten einen Schatz in unseren Händen und es ist unsere gemeinsame Pflicht, ihn zu schützen und gleichzeitig unsere Werte zu wahren. Mit diesem wohlüberlegten, transparenten Schritt, der der freien Entscheidung aller Mitglieder in einem Referendum unterliegt, werden wir weiterhin das sein, was wir immer waren: der beste Klub der Welt und das Vorbild, dem alle folgen wollen. Zunächst ist es wichtig, dass wir uns alle darüber einig sind, dass unser Vereinsmodell mit seinen 100.000 Mitgliedern, die eine gemeinsame Tradition verbindet, genau die Erfolgsformel ist, die uns dahin gebracht hat, wo wir heute stehen. Ich fürchte, vielen Mitgliedern ist gar nicht bewusst, dass sie die finanziellen Eigentümer des Vereins sind. Vielleicht liegt es daran, dass der Verein bei meinem Beitritt im Jahr 2000 faktisch bankrott war. Wir müssen uns klarmachen, dass wir alle Eigentümer von Real Madrid sind. Und mit dieser Reform werden wir es noch mehr sein. Zu diesem Zweck schlage ich vor, die derzeitigen 100.000 Mitglieder als die wahren Eigentümer des Vereins anzuerkennen und die Mitgliederzahl für die Zukunft festzulegen.“

Real Madrid wird nicht zur Sport-AG

Dass es im Rahmen dieses Mitgliedertreffens nicht bereits zu einer Wahl kommen würde, war spätestens seit Anfang November klar. Real hatte im Zuge der Bekanntgabe des Termins der JHV die Tagesordnung vorgestellt, dabei enthielt keiner der Punkte dieses Thema. Die Umwandlung des eingetragenen Vereins in eine Sport-Aktiengesellschaft steht nicht im Raum, wie medial zuletzt bereits zu vernehmen war. Diesbezüglich soll es im Vorstand zu Meinungsverschiedenheiten gekommen sein, auch rechtliche Komplikationen hätten zu einer Planänderung geführt. Hinzu seien die Zweifel gekommen, ob die Mitglieder eine derartige Umwandlung – Real dachte offenbar an das 50+1-Konzpt der Bundesliga oder an ein ähnliches Modell wie beim FC Bayern München (drei Sponsoren halten je 25 Prozent der Anteile) – überhaupt unterstützen würden.

Schließlich habe Pérez den neuen Plan mit den fünf bis zehn Prozent entwickelt – auch, um den ohnehin schon umsatzstärksten Fußballverein der Welt (1,185 Milliarden Euro in der Saison 2024/25) gegen Top-Konkurrenten etwa aus der Premier League wirtschaftlich für die Zukunft zu stärken. Real hat es als einer der wenigen Klubs, die noch ihren Mitgliedern gehören, im internationalen Spitzenfußball längst mit milliardenschweren Konkurrenten zu tun, die sich im Besitz von Staaten, Scheichs oder Oligarchen befinden.

Die Tageszeitung EL PAÍS erklärte neulich schon: „Der Verkauf eines fünf- bis zehnprozentigen Anteils soll durch die Gründung einer neuen Gesellschaft erfolgen. Laut Quellen, die mit dem neuesten Entwurf vertraut sind, bliebe die bestehende Vereinsstruktur dadurch erhalten. Der Plan des Präsidenten sieht vor, dass Real Madrid seinen Status als ‚juristische Person‘ beibehält.“ Pérez hatte bereits bei der Hauptversammlung im November 2024 offen davon gesprochen, dass eine Überarbeitung aus seiner Sicht notwendig sei. Nun steht das Referendum also bevor – mit welchem Ausgang?

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von
Filip Knopp

Begleitet den Mythos Real Madrid als Fan seit der Ära der „Galácticos“ und journalistisch bei REAL TOTAL seit Mitte 2011. Erfahrungen auch bei SPORT1 und SPOX, zudem Autor von »111 GRÜNDE, REAL MADRID ZU LIEBEN«.

Kommentare
Interessante Diskussion, Jungs. Ich hab auch zuerst an das Bayern Modell gedacht, das auf den ersten Eindruck nicht schlecht schien. Doch @Puskas hat das ganz gut auseinander genommen.

Ich fände es auch interessanter, dass die Socios Aktien kaufen. So wahren wir die Stimmrechte und geben unseren Klub nicht aus der Hand.

BTW: Mein erster Google Prompt war "real madrid mitglied werden" und mein zweiter "spanische staatsbürgerschaft verlängern". Irgendwann werde ich noch Socio und zieh nach Madrid!
 
Bin 100% bei @Puskas :

Liebe Madridistas! Lasst euch nicht täuschen! Pérez' Plan ist der Anfang vom Ende des "Vereins" Real Madrid.

1.) Welche "Werte" stecken in der neu zu gründenden Tochtergesellschaft, von der dann Anteile verkauft werden? Da gibts quasi nur entweder die Spieler der ersten Mannschaft (aka Fußballabteilung) oder das Stadion/Gelände.
2.) Hier wird die klassische Salami-Taktik angewendet: Scheibchenweise wird das Vereinswesen zerstückelt.

Das Ganze wird m.E. auch noch selten kryptisch begründet: wegen "externen Angriffen auf unser Vermögen" müssen wir jetzt also Externe hereinholen, um unser Vermögen zu sichern. WTF? Und wer sollen die "internen Aggressoren" sein, die Real vernichten möchten? Jene Socios, die Pérez kritisch gegenüberstehen?

Ne. Pérez hat dieses Projekt so unglaubwürdig aufgesetzt wie damals die erste Ventilation der SL.
 
Jetzt sind es 10% in zwei jahren 20 usw
Das hört sich nach einem Abtasten an
 
Ich hoffe dass kein einziger Araber einen Anteil bekommt, auch wenn er noch so klein ist
 
Gleichzeitig werden unsere Freunde aus Katalonien einfach 0%-Anleihen mit 50jähriger Laufzeit an ihre Fans ausgeben und weiter "mes que un club" auf jeden Merchandise-Artikel drucken. Es ist einfach unfassbar.
Ja finanziell sind die Katalanen ja das Maß der Dinge.an diese Geldmaschine kommt kein anderer europäischer Club ran.Erfolgreich ,transparent und unerschöpfliche Ressourcen,seriös. Da sollte mal Pérez hospitieren gehen…..
 
- EDIT: jede Diskussion zu seiner Zeit -
 
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