Madrid braucht einen neuen "Kaka".
Am Ende der Saison 2009/10 war für Manuel Pellegrini nach nur einer Spielzeit als Trainer von Real Madrid schon wieder Schluss. Obwohl man in der Liga einen Clubrekord aufstellte, blieb der zählbare Erfolg aus. Der Hauptgrund dafür, zumindest aus meiner Sicht:
ein unausgewogener Kader. Während Arbeloa, Xabi Alonso und vor allem Cristiano Ronaldo sofortigen Impact hatten, blieb der Brasilianer Kaka bis zum Ende blass. Auf das Warum gibt es mit Sicherheit mehr als nur eine Antwort (andere Liga, andere Spielstil, Verletzungen, …). Fakt war aber jedenfalls: Kaka half dem Team nicht so, wie man es von einem ehemaligen Weltfußballer erwarten würde, konnte selten glänzen und wirkte oft wie ein Fremdkörper.
Gleichzeitig waren sich aber alle einig, dass sein Name zu groß war, um ihn auf der Bank zu setzen. Alle? Naja, nicht ganz. Pellegrinis Nachfolger Jose Mourinho holte mit Mesut Özil einen ganz anderen "10er" und wagte es, Kaka zu benchen. Nur um die Dimension einzuordnen: das wäre aus heutiger Sicht etwa so, als ob Xabi einen Vini Jr., Kylian Mbappe oder Jude Bellingham auf die Bank setzen würde. Der Erfolg gab dem Portugiesen, wie wir wissen, Recht. Mesut Özil avancierte zum unangefochtenen Stammspieler und war mit seinen vielen Vorlagen für Benzema und vor allem C. Ronaldo über Jahre hinweg Schlüsselspieler.
Mitten in der Saison 2015/16, genauer gesagt am 04.01. 2026, übernahm Vereinslegende Zinedine Zidane das Traineramt bei Real Madrid. Er erbte von Vorgänger Rafa Benitez einen Starbesetzten – aber unausbalancierten – Kader. Während Benitez’ Motto noch lautete: Angriff ist die beste Verteidigung, machte Zizou einen Move, der nicht nur extrem bold war, sondern auch den Grundstein legte für eines der dominantesten Mittelfeld-Trios der Geschichte. Er benchte James Rodriguez und installierte dafür "Staubsauger" Casemiro hinter Toni Kroos und Luka Modric. 6 Mio Euro statt 80 Mio Euro Marktwert.
Nur um die Dimension einzuordnen: das wäre aus heutiger Sicht etwa so, als ob Xabi einen Vini Jr., Kylian Mbappe oder Jude Bellingham auf die Bank setzen würde.
Saison 2024/25. Wieder einmal hat Perez es übertrieben mit den großen Namen und wieder einmal bezahlte dafür ein Trainer. Mbappe kam – und tat sich lange schwer. Zwar kam der Franzose in der zweiten Saisonhälfte endlich an und wurde sogar Torschützenkönig. Doch als Team war man schlechter geworden. Bellingham konnte nicht mehr in seiner Paraderolle agieren und Vini war plötzlich nicht mehr der Star der Mannschaft. Jemand aus dem Trio benchen kam für Carlo nicht in Frage. Er war seit jeher bekannt dafür, alle Stars glücklich zu machen und auf Individualismus zu setzen. Dafür war er aber auch immer von diesen Stars abhängig. 2024/25 konnten sie sein Vertrauen nicht zurückzahlen und er musste gehen.
Xabi übernahm und wieder einmal haben wir einen Trainer mit einem Problem, das sich wie ein Roter Faden durch die 22 Jahre Perez’sche Amtszeiten zieht: ein unausgewogener Kader.
Was es jetzt meiner Meinung nach braucht, sind konsequente, mutige Personalentscheidungen. Das Problem dabei: dafür brauchst du a) Mut und noch viel wichtiger b) die volle Rückendeckung von Florentino Perez.
Zidane hat James gebencht, weil er in der glücklichen Situation war, nichts verlieren zu können. Er war praktisch ein Trainerneuling und die Krise schon da, als er übernahm. Es konnte also nur besser werden – und es war unwahrscheinlich, dass er nicht zumindest bis Sommer bleiben hätte dürfen. Mut brauchte es natürlich trotzdem, aber die Situation spielte ihm in die Karten.
Mourinho sägte Kaka ab und durfte Spieler holen, weil die Situation ihm in die Karten spielte. Madrid war in einer tiefen Krise und er kam mit dem größten Standing, das ein Trainer haben konnte. Er besiegte den großen Erzfeind mit Inter, gewann die Champions League und kam als absoluter Star. Größer als die Spieler. Natürlich gehörte auch hier Mut dazu. Aber er wusste, Perez würde ihn nicht (gleich) feuern.
Den besten Fußball unter Xabi sahen wir bisher, wenn nicht alle drei Galacticos da vorne zur Verfügung standen - und das ist mMn kein Zufall. Die Offensive funktioniert besser, wenn er nicht Jude, Vini und Mbappe ins System pressen muss. Drei Weltklasse-Spieler – aber auch drei sehr spezielle Spielertypen, die gemeinsam am Feld imho einfach nicht funktionieren. Er kann jetzt nur weiter versuchen, das beste draus zu machen – mit jeder Menge Kompromisse. Oder er traut sich, einen aus dem Trio zu benchen, was meiner Meinung nach zwar der riskanteste, aber auch der schlaueste Move wäre.
Real Madrid braucht einen neuen Kaka. Einen neuen James Rodriguez. Einen Star, der fürs System und die Mannschaft geopfert wird. Sonst ist die Gefahr mMn hoch, dass Xabi dasselbe Schicksal erleidet wie Manuel Pellegrini, Rafa Benitez und, schlussendlich, auch Carlo Ancelotti.